Hannah

14.03.2018

Rückkehr

Es sind jetzt schon fast 2 Jahre seit meinem letzten Eintrag hier vergangen. Ich bin wieder gut in Deutschland angekommen und habe mich vollständig eingelebt. Am Anfang war es sehr komisch für mich wieder in Deutschland zu sein und meine Familie und Freunde hier regelmäßig zu sehen. Der erste Monat kam mir eher wie Urlaub, statt wie eine Heimkehr vor. Ich hatte das Gefühl nur für die Sommerferien zurück gekommen zu sein und bald wieder zurückzufliegen. Erst mit Beginn meines Studiums hat sich dieses Gefühl begonnen zu legen. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass mich das Jahr doch sehr verändert hat. Ich bin innerlich älter, selbstbewusster geworden und habe sehr viel gelernt. Und es ist tatsächlich so, wie mir eine Freundin beim Abschied vorhersagte: „Un parte de tu corazón siempre se quedera en Mexico.“ Ein Teil deines Herzens wird immer in Mexiko bleiben. Und nicht nur das. Auch ein Teil Mexikos wird immer in mir bleiben. Ich habe oft an Mexiko gedacht/denke noch oft daran und horche immer auf, sobald das Wort Mexiko irgendwo fällt. Und so, wie ich nach 3 Monaten in Mexiko meine erste Heimwehattacke bekam, erlitt ich auch wieder zurück eine Art Heimweh, das manche als Fernweh bezeichnen würden. Ich vermisste meine Freunde, meine Kinder und generell die Offenherzigkeit und Liebenswürdigkeit der Mexikaner. Dass das Wetter hier „kalt“ und „trüb“ war, machte es nicht einfacher. Ich hatte mich so an das Mexikanische Wetter gewöhnt, dass ich bei 25°C schon fast zu frieren begann und ein bewölkter Tag mich in richtig schlechte Laune versetzen konnte. Aber das legt sich mit der Zeit. Man gewöhnt sich an vieles.

Schon vor meiner Rückkehr beschloss ich, dass ich eines Tages auf jeden Fall wieder zurück kommen würde. Und letzten Monat war es dann tatsächlich so weit: Ich flog wieder nach Mexiko, diesmal nur für Urlaub. Geplant war eine Woche Guadalajara und dann noch eine Woche touristisches Yucatán. Was mich ebenfalls freute war, dass ich meinen Freund mitnehmen und ihm „mein Mexiko“ zeigen konnte. In Guadalajara zu landen war tatsächlich ein bisschen wie nach Hause zu kommen, auch wenn ich ziemlich aufgeregt war. Wir haben es geschafft alle meine Freunde, die ich treffen wollte zu treffen, trotz der unglaublichen Spontanität der Mexikaner und umstellen von Plänen im letzten Moment. Es war richtig schön alle wieder zu sehen und fast, als ob ich nie weg gewesen wäre. Auch habe ich wieder gemerkt wie offen die Mexikaner sind und wie schnell sie dich in ihr Herz schließen können. Ein Beispiel: Natürlich mussten wir auch unseren Mentor besuchen, der sich in unserem Jahr richtig liebevoll um uns gekümmert hatte und uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Natürlich kannte mein Freund ihn und seine Familie vorher noch nicht. Was nichts daran änderte, dass er ebenfalls aufgenommen wurde, als wäre er nach langer Zeit wieder zurückgekehrt. Und als er die Form eines Glases bewunderte wurde es sofort weiterverschenkt. Auf seine Beteuerung, dass er es nicht annehmen könnte, wurde er nur gefragt, ob wir es denn heil nach Deutschland transportieren könnten. Zur Verabschiedung gab es dann noch die wunderschöne Phrase: Das hier ist euer Zuhause, ihr seid hier immer willkommen, nur dass es bei unserem Mentor und seiner Familie nicht nur als ein Ausspruch der Höflichkeit galt. Und ich weiß, wann immer ich in Mexiko sein sollte und in irgendeiner Art Hilfe benötige, finde ich sie dort.

Natürlich haben wir auch Helen Keller besucht. Geplant war eigentlich nur einen ganzen Schultag dort zu verbringen. Nun war es aber so, dass unser Besuch genau in die Woche viel, in der die Schule ihren Geburtstag feierte. Und dem Argument: Da gibt’s Kuchen!, konnte bald nicht widersprochen werden und so besuchten wir noch den Gottesdienst in Helen Keller 2 Tage später. Seit ich dort war hat sich einiges geändert. Von meinen ehemaligen Kolleginnen haben drei Lehrerinnen aus unterschiedlichen Gründen aufgehört in Helen Keller zu arbeiten. Dafür hat es mich umso mehr gefreut die anderen wiederzusehen. Auch einen Teil der Kinder, die in meiner Klasse gewesen waren konnte ich wiedersehen. Wie bereits erwartet erinnerten sich die Kleinen nicht mehr an mich, auch wenn sie dies steif und fest behaupteten, nachdem ich ihnen erklärt hatte, wer ich war. Aber ein paar der größeren erkannten mich sofort und denen, die ich auf die Sprünge helfen musste kamen dann: Bist du die, die wir Hannah Banana genannt haben? Es war schön zu sehen, dass es ihnen allen gut geht. Allerdings war es auch irgendwie hart zu sehen, dass sie alle bei mir einen viel größeren Eindruck hinterlassen hatten als ich bei ihnen, auch wenn ich das natürlich schon im Vorhinein gewusst hatte. Es war auch ein bisschen schwer zu sehen, wie mehr oder weniger gleichgültig sie es hinnahmen, dass ich da war. Sie freuten sich kurz mich zu sehen und dann war es schon wieder eine ganz normale Tatsache, und sie verloren wieder das Interesse. Trotzdem war es richtig schön und ich weiß, meinen Kleinen geht es gut, auch ohne mich. Was mich ebenfalls riesig freute war der neue Schulbus. In unserem Jahr in Mexiko haben wir Spenden für unser Projekt gesammelt, bei denen wir dann selbst entscheiden konnten, wofür sie eingesetzt werden sollen. Und da der alte Schulbus relativ klein und alt ist, hatten Steffi und ich beschlossen, einen neuen Schulbus anzuschaffen. Und es ist ein echt schöner Schulbus geworden. Außerdem steht nun bald der Umzug in das neue Schulhaus an, das sich in einem anderen Stadtviertel befindet und es werden in Zukunft mehr Kinder mit dem Bus fahren müssen.

Die Woche zurück in Guadalajara war echt schön und ich habe es richtig genossen wieder „Zuhause“ zu sein. Auch unsere zweite Woche in Mexiko war toll, wenn auch viel touristischer geprägt. Der Abschied war nach den zwei Wochen wieder schwer, aber diesmal weiß ich: Es ist nicht unmöglich zurückzukommen und es war definitiv nicht mein letztes Mal in Mexiko!

16.07.2016

Abschied

Schon vor zwei Wochen, im normalen Schulalltag, haben unsere Lehrer ein kleines Abschiedsfest für Steffi und mich vorbereitet. Es sollte eigentlich eine Überraschung für uns werde, aber da Kinder nichts für sich behalten können, wurden wir morgens mit den Worten begrüßt: Ich hab die Tortillas mitgebracht, für euer Fest! Und es gab nicht nur unser mexikanisches Lieblingsessen (Tacos de Chorizo), sondern es wurde natürlich auch viel getanzt und gespielt. Das war das erste Mal, dass wir tatsächlich an unseren Abschied erinnert wurden. Ab diesem Zeitpunkt ging alles viel zu schnell…

Diese Woche war es dann tatsächlich so weit: Am Montag machten wir unseren letzten Ausflug mit den Kindern: Hamburger essen, in einem nahen Restaurant, bei dem die Kinder selbst bestellen, selbst bezahlen und eigenständig das Wechselgeld kontrollieren mussten.
Am Mittwoch folgte dann das Festival, auf das wir die letzten Wochen hingearbeitet hatten. Jede Klasse führte einen Tanz zu einem Lied auf unter den stolzen Blicken ihrer Familien und uns Lehrern.

Am nächsten Tag wurden dann nach der Messe die Zeugnisse feierlich an die Kinder überreicht. Dieser Tag war sehr emotional für mich, da es der letzte Tag mit den Kindern war. Leider waren nicht alle da, sodass ich mich nicht von allen richtig verabschieden konnte. Dafür war der Abschied von den Kindern, die da waren umso intensiver. Ich hatte noch einmal mit vielen der Kinder einen speziellen Moment: Ich spielte noch einmal Klavier mit dem Mädchen, dem ich in den letzten Wochen ein bisschen etwas beigebracht hatte, unterhielt mich noch einmal lange mit einem der Jungs, der die Tür zu hielt als wir gehen wollten, um mich daran zu hindern. Einer der Kleinen, der normalerweise in seiner eigenen Welt wohnt, äußerte, dass er nicht wolle, dass ich gehe. Mit am meisten freute ich mich aber über die Umarmung eines der größeren Kinder, das Körperkontakt sonst weitestgehend meidet und mich trotzdem lange und fest drückte, bevor sie ging.

Für mich steht jetzt schon fest, dass ich alle meine Kinder sehr vermissen werde und ich kann noch nicht ganz begreifen, dass ich sie vielleicht nie wieder sehe….

Schließlich folgte noch die Verabschiedung von meinen Kollegen, mit den Versprechen in Kontakt zu bleiben.

Es ist schon irgendwie komisch, nach einem Jahr zu gehen, genau zu dem Zeitpunkt, zu dem man sich gerade eingefunden hat, die Sprache und die Leute versteht und ein neues „Zuhause“ hat.

Jetzt habe ich noch eine Woche hier in Mexiko, die ich einfach nur genießen möchte, bevor ich mich tatsächlich auf den langen Weg zurück nach Deutschland mache.

25.06.2016

Schuljahresende

Das Ende des Schuljahres rückt immer näher und damit auch der Abschied von meinen Kindern.

In der Schule ist deutlich zu spüren, dass es jetzt nicht mehr lange dauert, bis die Ferien anfangen.  Diese Woche haben wir angefangen die Schule und die Klassenzimmer aufzuräumen und alles in Kisten zu verpacken um es Sommer fest zu machen. Auch die Kinder haben mitgeholfen, z.B. Regalbretter abstauben, meine Kleinen allerdings nur so lange, bis sie dann doch keine Lust mehr hatten und anfingen in den leeren Regalbrettern zu spielen. Jedes Regalbrett war jetzt ein Haus.

Jetzt fehlen nur noch drei Wochen, bis die Ferien anfangen: eine Woche normaler Unterricht, eine Woche Elterngespräche und die letzte Woche in der es ein Fest mit Aufführungen der Kinder gibt und eine Messe.

Für mich bedeutet das, dass ich mich jetzt langsam mit dem Abschied beschäftigen und ihn vorbereiten muss. Ich werde tatsächlich mittlerweile täglich an meinen Abschied und die Abreise erinnert, obwohl es bis dahin noch ein Monat ist: Morgen fliegt Franzi nach Hause und die Kinder fragen mich in der Schule regelmäßig: „Hannah, warum musst du gehen?“, „Hannah, wann gehst du?“, „Und wann kommst du wieder?“. Diese Fragen sind teilweise leicht und teilweise schwer zu beantworten. Am meisten traf mich aber die Frage eines Kindes, als es erfuhr, dass die Englischlehrerin im nächsten Jahr nicht mehr da sein würde. Es drehte sich im selben Moment zu mir um und sagte: “ Aber Hannah, du gehst doch nie, oder?“

Die Kinder sind mir in dem Jahr noch mehr ans Herz gewachsen, als ich es mir vorstellen konnte. Und der Abschied wird sehr schwer werden. Nicht nur von den Kindern, sondern auch von meinen Kollegen, meinen Freunden, die Einstellung der Leute, dem Land an sich und den ganzen alltäglichen kleinen Dingen, die ich in Deutschland nicht mehr haben werde.

Es ist schon irgendwie hart ein Jahr anders zu leben. Ein Jahr in eine andere Kultur, eine andere Lebensweise einzutauchen und dann, nach ca. einem Jahr, wenn man sich an alles gewöhnt hat, sich eingefunden hat, langsam die Zusammenhänge versteht, ein zu Hause hat, genau dann muss man wieder gehen. Zurück in das alte Leben. Aber es ist nicht nur hart. Es ist auch wunderschön und man nimmt in diesem Jahr sehr viel mit. Ich bin sehr froh, dass ich mich dafür entscheiden habe „ein Jahr anders zu leben“ und dass ich hier her nach Mexiko kommen durfte.

07.06.2016

Blind = Blind?

Bevor ich hier her kam wusste ich: Ich werde an einer Blindenschule arbeiten.
Was mich hier erwartete, wusste ich nicht. Genau gesagt, arbeite ich auch nicht in einer Blindenschule, sondern in ein Schule für blinde und sehbehinderte Kinder mit weiteren Behinderungen. Das bedeutet, dass wir bei uns an der Schule auch Kinder haben die noch in der Lage sind, mal mehr, mal weniger, zu sehen.
Es gibt sehr viele verschiedene Krankheiten und bei fast jedem Kind ist die Diagnose eine andere.
Manche unserer Kinder haben grünen oder grauen Star.
Manche Kinder sehen nur Licht. Sie erkennt man meistens daran, dass sie, wenn sie in der Sonne stehen, die Hand vor den Augen hin und her bewegen, da sie dies erkennen können.
Manche Kinder können einfach die Bewegung ihrer Augen nicht richtig kontrollieren, das heißt die Augen springen manchmal einfach weg.
Manche Kinder haben fortschreitende Krankheiten, können im Moment noch ganz normal lesen und schreiben, wissen aber, dass sie komplett erblinden werden. Ob dies in 2 Monaten oder 10 Jahren passiert wissen sie nicht, nur, dass es passiert. Deshalb lernen sie jetzt schon einmal Braille.
Manche Kinder wurden blind geboren – manche ganz ohne Augen und bei manchen fehlt einfach ein Teil des Auges. Anderen Kindern musste wegen einer Krankheit das Auge herausoperiert werden und sie haben jetzt Prothesen. Prothesen fallen erstaunlich wenig auf und nur wenn man genau hinschaut, erkennt man, das es sich um eine Prothese handelt. In einer meiner ersten Wochen bin ich diesbezüglich in ein Fettnäpfchen getreten: Einer der Jungen bekam beim spielen einen Schlag aufs Auge. Ich bin natürlich schnell hingegangen und meinte, mir das Auge mal genau anzuschauen. Als ich dem Kind sagte, dass ich nichts sehen würde und das Auge noch nicht einmal rot sei, schrie es mich an: „Natürlich nicht, das ist ja auch eine Prothese!“ Mir war dies tatsächlich nicht aufgefallen. So unterhalten sich die Kinder beim Mittagessen auch mal darüber, wann sie neue Prothesen bekommen, weil sie gewachsen sind
Manche Kinder können noch etwas sehen, nutzen ihre Augen aber nicht freiwillig, sondern man muss sie quasi dazu „zwingen“ ihre Augen zu nutzen, etwa, in dem man sie fragt was für eine Farbe ein Gegenstand hat. Es ist für sie bequemer, mit den Händen zu „sehen“.
Viele der Kinder sind lichtempfindlich. Ich habe früher immer gedacht, dass blinde Menschen eine Sonnenbrille tragen, damit man ihre Augen nicht sieht. Oft ist es aber tatsächlich so, dass sie einfach nur lichtempfindlich sind und sie die Sonnenbrille zum Schutz tragen. Ein Junge in meiner Klasse öffnet zum Beispiel in der ersten Stunde, in der er da ist, so gut wie nie die Augen, weil das Licht morgens noch richtig weh tut, bis er sich einigermaßen daran gewöhnt hat.
Wenn man die Kinder besser kennt, kann man bei manchen sogar ihre Gefühle an den Augen ablesen. Sie sehen zwar nicht, können ihre Augen aber dennoch bewegen. So ist es bei einem der Mädchen so, dass wenn sie die Augen schnell hin und her bewegt, aufgeregt ist.
Was ich sehr erschreckend fand, ist dass vielen der Kinder hätte geholfen werden können, man die Krankheit medizinisch behandeln oder operieren hätte können. Leider sind die medizinischen Behandlungen sehr teuer und die Familien können das Geld nicht aufbringen und es gibt keine Krankenversicherung bzw. eine solche Operation ist darin nicht enthalten.
So habe ich eineiige Zwillinge in der Klasse, die beide quasi blind auf die Welt kamen. Die Familie hatte nur das Geld um einen der beiden operieren zu lassen. So ist einer der beiden komplett blind, während der andere zumindes Licht und Schatten sehen kann.
Trotz alldem machen die Kinder genau das, was alle anderen Kinder auch machen: Sie malen, sie spielen in der Hofpause mit Vorliebe fangen und verstecken, erschrecken sich gegenseitig und versuchen die Lehrer an der Nase herumzuführen.

28.05.2016

Meine Kinder und die Musik

Musik spielt eine sehr wichtige Rolle für die Kinder bei mir in der Schule und ist auch fester Bestand des Alltags:
Jeden Morgen beginnen wir den Tag in der Vorschule mit Musik und auch sonst, wollen die Kinder immer Musik hören, was dazu führt, dass ich fast so viele spanisch Kinderlieder wie deutsche kenne. Mit Hilfe der Lieder lernen die Kinder zum Beispiel die Körperteile und sich zu bewegen.
Ab dem Kindergarten haben die Kinder auch einmal in der Woche Musikunterricht. Die Großen (ab der 1. Klasse) haben zwei Mal in der Woche Musikunterricht, wo sie in einem Chor teilweise 4-stimmig singen, und einmal in der Woche Tanzunterricht, wo sie Folklore (eine traditionelle Tanzart) beigebracht bekommen. Es ist immer wieder faszinierend sie dabei zu beobachten.
Wir haben in unserem Klassenzimmer verschiedene Instrumente und sie sind mit die Lieblingsspielzeuge der Kinder und in der Pause hat eigentlich immer mind. ein Kind ein Instrument in der Hand.
Ich finde es sehr interessant, was für eine Wirkung die Musik auf die Kinder hat. Generell werden die Kinder viel ruhiger, sobald sie Musik hören oder machen. Meine Kinder sind eigentlich ständig in Bewegung, wippen mit ihrem Oberkörper oder bewegen ihre Hände auf ein bestimmte Art und Weise. Sobald sie mit Musik in Kontakt kommen werden dies Bewegungen oft von einem Moment auf den anderen unterlassen.
Ich habe hier ein paar Beispiele: D. ist 9 Jahre alt und ein Junge der nie still sitzen kann und sehr viel schreit. Bei ihm sieht man meistens das Wiegen des Oberkörpers. Setzt man sich an das Klavier, das in der Schule steht, und spielt etwas, kniet er sich daneben und kann dort mehrere Minuten verharren, ohne sich zu bewegen und ohne einen Ton von sich zu geben.
L. ist ebenfalls ein Junge, der nie still sitzen kann. Auch er ist ständig in Bewegung und schlägt gegen Wände oder auf den Tisch um Geräusche zu erzeugen. Sitz er am Klavier ist er ein anderer Junge. Den Kopf zur Seite gedreht kann er bis zu 10 min das gleiche Stück spielen, ohne sich groß zu bewegen. Er ist fast nicht wieder zu erkennen.
Generell können die Kinder sehr viele Lieder auswendig und eigentlich immer ist eines von ihnen am singen. Da ich Klavier spielen kann werde ich mind. einmal am Tag, meistens in der Mittagspause, gefragt, ob ich etwas spielen kann (dies ist nicht ganz einfach, da meistens ein Kind dann parallel mitspielen möchte und immer wieder unerwartet eine Taste drückt, was mich manchmal aus dem Konzept bringt) und anschließend kommt dann immer die Frage: Kannst du mir das beibringen? Mittlerweile kann ich mit einem von den Mädchen zusammen ein ganzes Stück spielen, da sie mich fast jeden Tag fragt, ob ich ihr etwa zeigen kann.

21.05.2016

aktueller Stand

Ich habe angefangen in Ciudad de los Niños, dem Projekt von Franzi, nachmittags bzw. abends zwei Mal in der Woche mitzuhelfen.
Ciudad de los Niños ist ein Einrichtung für Jungs, die aus schwierigen Verhältnissen kommen und unter der Woche dort wohnen können. „Schwierige Verhältnisse“ bedeuten in diesem Zusammenhang, dass die Eltern zum Beispiel im informellen Sektor arbeiten, die Eltern kein Interesse an ihren Kindern haben, die Kinder Waisen sind oder einfach aus armen Verhältnissen kommen. Sehr viele der Jungs wurden sexuell missbraucht. Gemeinsam haben alle Jungs, dass sie in ihrem kurzen Leben schon viel erlebt haben. Dies hat verschiedene Folgen, unter anderem Aggressionstörungen, Aufmerksamkeits – und Gedächtnisprobleme. In Ciudad de los Niños möchte man diesen Kindern eine Chance geben aus einem Teufelskreis heraus zu kommen und ihnen zeigen, was für Möglichkeiten sie haben. Auch können sie hier „einfach Kinder“ sein.
Ich arbeite hauptsächlich mit den 10 bis 13-jährigen zusammen, helfe bei den Hausaufgaben und in ihrer Freizeit. Die Arbeit in Ciudad de los Niños ist eine ganz andere als in Helen Keller, und doch lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten feststellen. In beiden Projekten arbeite ich mit Kindern zusammen, die spezielle Bedürfnisse haben. In Hellen Keller ist das meist auf die Behinderung der Kinder zurückzuführen und in Ciudad de los Niños auf die Geschichte der Kinder. Während in Helen Keller sich alle duzen und die Kinder mir teilweise Spitznamen geben, werde ich in Ciudad de los Niños durchgehend von den Kindern gesiezt, weshalb auch die Arbeitsatmosphäre eine ganz andere ist. Zwar habe ich auch in Helen Keller ein paar Kinder, die mal um sich schlagen, kratzen oder versuchen zu beißen, aber das ist etwas ganz anderes verglichen mit den Jungs in Ciudad de los Niños: Hier können aus den kleinsten Kleinigkeiten Schlägereien entstehen. Wenn hier ein Junge die Hand hebt, zuckt sein Gegenüber sofort zusammen, weil man nie weiß, ob die Geste ernst gemeint ist. Allerdings ist die Gewalt nie gegen mich gerichtet. Die Jungs beschimpfen sich nur gegenseitig, während ich in Helen Keller doch durchaus einiges abbekomme. Was ich dann immer wieder sehr faszinierend finde, ist wenn die gleichen Jungs friedlich Murmeln spielen oder zu 11. fasziniert vor einem Disneyfilm wie „Frozen“ sitzen und laut protestieren, wenn es heißt, jetzt ist Abendessenszeit. Hier zeigt sich dann, dass es eben doch nur Kinder sind. Kinder, die schon viel erlebt haben aber trotzdem eig. nur Kinder sein wollen. Bei meinem zweiten Tag stand dann auf einmal einer der Jungs vor mir mit den Händen hinterm Rücken und streckte mir auf die Frage, was los sei, eine Blume entgegen und meinte: Für dich. Genau dieser Junge war 10 min vorher noch auf einen anderen Jungen losgegangen, weil dieser seinen Stift genutzt hatte.
Die Jungs sind auf jeden Fall immer wieder für eine Überraschung gut und es macht mir auch richtig Spaß dort zu arbeiten.
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29.04.2016

Día del Niño

Der 30. Mai wird hier als der „Tag des Kindes“ gefeiert. Da der 30. dieses Jahr auf einen Samstag fällt haben wir die Festlichkeit der Schule auf gestern vorverschoben. In Helen Keller ist es eine Art Tradition mit der ganzen Schule (also mit allen Kindern, auch den ganz kleinen (ab 1 Jahr), bei denen die Eltern noch mitkommen) nach Roca Azul zu fahren. Roca Azul ist ein etwa 1 1/2 Stunden außerhalb von Guadalajara gelegenes Paradies für unsere Kinder mit Schwimmbecken, Rutschen, Schaukeln und Klettergerüsten. In den letzten Jahren wurde die Schule von den Besitztern am Día del Niño eingeladen, so dass wir als besondere Gäste auch Pizza und Eis zu essen bekamen und ein paar Piñatas zum Abschied schlagen durften. Für meine Kinder der Vorschule war es für fast alle das erste Mal, dass sie mitkamen bzw. ohne ihre Eltern mit durften.

Es war ein echt schöner Tag und für mich persönlich sehr interessant die verschiedenen Verhaltensweisen und Entwicklung der Kinder zu sehen: Manche von ihnen hatten überhaupt keine Angst und haben wie verrückt im Wasser herumgeplanscht, selbst nachdem sie kurz unter Wasser geraten und dieses geschluckt hatten. Andere haben sich keinen Millimeter alleine bewegt und sich stattdessen an den Lehrern festgeklammert.

Einer der Jungs aus der ersten Klasse hatte am Anfang panische Angst und traute sich trotz Rettungsring und der Tatsache, dass es im ganzen Becken stehen konnte nicht von der Treppe weg. Erst als ich ihn angesprochen und er sich an mir festhalten konnte kam er vom Rand weg. Das hatte zur Folge, dass ich eine relativ lange Zeit ein Kind am Rücken kleben hatte, das sich immer wieder in sehr kurzen Abständen versichert hat, ob ich es auch ja nicht alleine lasse. Mit der Zeit habe ich ihn dazu gebracht 2-3 Schritte alleine zu laufen wärend ich dabei auf ihn eingeredet habe, damit er wusst, dass ich da bin und in welche Richting er laufen muss. Ich bin dann mit meinen Kleinen früher aus dem Wasser als die Großen. Als ich dann nocheinmal am Becken vorbei gelaufen bin, hat mich der Junge nocheinmal gerufen um mir zu sagen, dass er jetzt keine Angst mehr habe und ist zum Beweis alleine einen großen Kreis gehüpft.

19.04.2016

Wie entdecken meine Kinder die Welt

„Nur mit dem Augen schauen!“ Diesen Satz habe ich als ich kleiner war häufiger zu hören bekommen und ich denke, dass ich dabei nicht die Einzige war. Auf meine Kinder in der Schule kann man ihn allerdings nicht anwenden, denn sie können wirklich fast alles, Purzelbäume und ähnliches eingeschlossen, nur nicht „mit den Augen schauen“. Sie müssen die Welt um sich herum auf eine andere Art und Weise entdecken. Und das tun sie mit allen anderen Sinnen, die sie haben: zunächst wird natürlich alles abgetastet, daran gerochen und natürlich sehr viel gehört. So bekommt auch der Satz „Nicht anfassen!“ eine ganz andere Bedeutung für die Kinder, denn etwas nicht anfassen zu können ist gleichbedeutend wie nicht wissen was etwas ist, wie groß dieses etwas ist und aus was es besteht.
Nichtsdestotrotz fragen die Kinder oft nach der Farbe eines Gegenstandes z.B eines Balles oder nach meiner Haarfarbe. Diese Fragen sind für mich meist leicht zu beantworten, viel schwieriger ist eine ganz andere Frage. Wenn die Kinder von etwas hören, was sie nicht kennen kommt auch oft die Frage „Wie riecht das?“ Wie etwas aussieht ist für mich einfach zu beschreiben, wie etwas schmeckt geht auch noch, doch beschreiben wie etwas riecht? Doch der Geruchssinn spielt für meine Kinder eine sehr wichtige Rolle. Sie riechen z.B ob ein Kleidungsstück ihnen gehört, oder wer neben ihnen steht. So ist es schon öfter passiert, dass ich mich neben ein Kind gestellt und keinen Ton gesagt habe, nach kurzer Zeit aber ein fragendes „Hannah?“ kam. Auch das Gehör spielt eine sehr große Rolle. Die Kinder orientieren sich viel mit ihren Ohren, wo gerade Menschen stehen, wo sie hinmüssen wird oft mit Kopfzeichen angezeigt und besonders interessant ist es ihnen beim Fangenspielen in der Pause zu zusehen.
Ein Gegenstand, der die Kinder immer besonders fasziniert ist meine Uhr. Ihr Armband ist länger wie bei anderen Uhren und sie wird zwei mal um den Arm gewickelt. Es vergeht nicht ein Tag an dem nicht mind. ein Kind versucht mir die Uhr auszuziehen, sie zu verstellen (was bisher noch keinem der Kinder gelungen ist), sie einfach nur abtastet oder daran horcht. Dies ist eine weitere positive Eigenschaft meiner Uhr: Sie tickt relativ laut. Die Kinder, wenn sie eine Uhr haben, haben elektrische Uhren, die die Uhrzeit ansagen können und somit nicht ticken.
Für mich ist es teilweise immer wieder überraschend, was die Kinder nicht wissen, obwohl es für mich so offensichtlich ist. Eines der Kinder hat mich nach mehr als 3 Wochen gefragt, ob ich eine Brille habe. Wenn mir jemand begegnet kann ich sofort sehen, ob derjenige eine Brille trägt oder nicht. Dieses Kind hat mir eben erst nach 3 Wochen ins Gesicht gefasst und konnte erst dadurch feststellen, dass ich eine Brille trage.
Was ich auch sehr faszinierend finde ist die Art und Weise wie die Kinder sich fortbewegen, wenn sie schneller sein wollen, als ihr normales Gehtempo. Es erinnert mich ein bisschen an die Art und Weise, wie Marionetten gehen. Sie werfen die Beine fast gerade nach vorne um eventuelle Hindernisse mit den Füßen rechtzeitig spüren zu können und nicht mit dem ganzen Körper gegen das Hindernis zu laufen.

In der Schule gibt es für alle Vorschulkinder ein Mal im Monat das Projekt „conquisto mi espacio“ – ich entdecke meine Welt. An diesem Tag gehen die Vorschulklassen gemeinsam zu einem, den Kindern fremden Ort, wo sie dann etwas gezeigt bekommen
Ich habe die Kinder zum ersten Mal außerhalb der Schule in der „Expo ganadera“, eine Art Landwirtschafts Ausstellung, bei der viele Gegenstände für die Landwirtschaft verkauft werden und die einmal im Jahr stattfindet, erlebt. Los ging es morgens um 9 Uhr und wir sind zunächst ersteinmal alle in den Bus eingestiegen. Kaum waren wir losgefahren „sah“ das erste Kind schon ein Pferd, was natürlich mitten in der Stadt nicht existierte. Ich hatte das Gefühl hier verhältnismäßig oft gefragt zu werden, ob wir schon da wären, z.B an einer roten Ampel, da die Kinder die Umgebung außerhalb des Busses nicht richtig wahrnehmen konnten, sondern nur gespürt haben, ob der Bus fährt, oder nicht.
Auf der Ausstellung gab es zwei Angebote speziell für Kinder: Sparbüchsen bemalen und einen Streichelzoo. Wir haben beide Angebote wahrgenommen. Beim Malen habe ich die Kinder schon öfter erlebt und es hat natürlich so geendet, wie immer: trotz Kittel Viel Farbe überall, auch an Orten, wo sie nicht hingehört. Besonders interessant fande ich den Streichelzoo. Klar hat jedes Kind schon einmal von einem Esel oder einer Ziege gehört, aber wie sie tatsächlich aussehen? Wenn man etwas noch nicht angefasst hat, kann man das als Blinder schlecht sagen. Ich habe die Welt der Tiere hauptsächlich mit einem der Kinder aus meiner Klasse erkundet. Es war für mich sehr erstaunlich, wie der 4-jährige sich den verschiedenen Tieren gegenüber verhalten hat. Er hatte richtig Angst, ein Kaninchen an zufassen (“ Das kann mich töten“) und es hat sehr lange gedauert bis er seine Angst überwunden hat und ich ihm klar gemacht hatte, dass das Kaninchen ihm nichts tut. Im Gegensatz dazu hat er ein Lama und einen Esel ohne zu zögern sofort und ohne Angst angefasst, obwohl das ja die viel größeren Tiere sind, vor denen ich als Kind eher Angst gehabt hätte. Besonders fasziniert war er von den Ohren des Esels und hat mehrmals nachgefragt, was er da gerade anfasst. Er hat sich dann sogar getraut mit mir zusammen den Esel zu füttern, bis ein anderer Esel kam, der ihm in den Bauch stieß. Daraufhin hatte er solche Angst, dass er sich nur noch an mich geklammert hat und einen möglichst großen Abstand von allen anderen Tieren gehalten hat. Ich verstehe das irgendwie. Wenn ich nichts sehen würde, weiß ich auch nicht, ob ich mich getraut hätte die Tiere an zufassen. Es muss manchmal ganz schön beängstigend sein, nicht zu sehen, was um einen herum ist, bzw. etwas an zufassen, was man nur aus Erzählungen kennt.
Als wir die Kinder am nächsten Tag gefragt haben, was sie bei der Expo gelernt haben war die Antwort: ein Pferd schnaubt (genauergesagt: ein Pferd macht so: pffffff) und Küken haben einen Schnabel (Eine Tradition ist, dass am Ende der Ausstellung jedes Kind ein Küken geschenkt bekommt und es mit nach Hause nehmen darf).


Der zweite Ausflug ging zu einem Einkaufszentrum in der Nähe der Schule. Hier haben wir mit den Kleinen Rolltreppe und Fahrstuhlfahren geübt, was nicht so einfach ist, wenn man nicht sieht wo die Stufe der Rolltreppe beginnt und wann die Treppe wieder aufhört. Einige der Kinder haben aber kleine Tricks angewandt, auf die sie von alleine gekommen sind: z.b den Fuß über die Stufe hinausstrecken um zu spüren, wenn sich die untere Stufe nähert (beim hinunterfahren). Außerdem waren wir dort auf einem Art Spielplatz, bei dem man normalerweise seine Kinder abgeben kann, um in Ruhe einkaufen zu können. Das Highlight war hier das Bällebad und ein Raum voller Luftballons. Die Kinder waren teilweise sehr aufgebracht, als wir wieder gehen mussten.


Unser letzte Ausflug führte uns zu einer Gärtnerei. Hier durften die Kinder zunächst alle Pflanzen anfassen und ganz wichtig: an ihnen riechen. Nachdem die Neugier der Kinder dann befriedigt war, durfte jedes Kind noch Karotten- oder Paprikasamen einpflanzen und den Blumentopf dann mit nach Hause nehmen. Ich finde es immer schön, wenn die Kinder am Ende das Tages etwas mitnehmen dürfen.

09.04.2016

Kleine Geschichten aus meinem Schulalltag

Mittagessen

Normalerweise läuft das Mittagessen in der Schule folgendermaßen ab: Jede Woche deckt eine andere Klasse den Tisch bevor die anderen Kinder kommen. Wenn dann alle Kinder sitzen wird zunächst gebetet, während Chayo, unsere Köchin, die Teller richtet. Sie ist eigentlich die einzige Person, die den Überblick hat, welches Kind wie viel isst und was welches Kind nicht isst. Nach dem Essen wischen die Kinder dann ihren Platz sauber und bringen ihr Geschirr in die Küche an die Spüle. Während die Kleinen nur eventuelle Reste und ihre Serviette in den Müll schmeißen müssen und ihr Geschirr dann von Chayo gespült bekommen, spülen die Großen ihr Geschirr selbst.

Letztens war unsere Köchin krank und ist direkt nachdem sie alles gerichtet hatte nach Hause gegangen. So waren wir es, die fertig gekocht und die Teller gefüllt haben. Da das dann doch relativ viel Arbeit war und wir den Kindern gleichzeitig beim Essen helfen mussten, haben wir zu ein paar der älteren Kinder gesagt, dass es toll wäre, wenn sie ein oder zwei Teller der Kleinen mitspülen könnten. So fanden sich zwei Jungs aus der dritten Klasse,  die unbedingt Chayo helfen wollten und beschlossen das gesamte Geschirr aller Kinder zu spülen und fast mit einem Klassenkameranden Streit bekamen, da er sein Geschirr selbst spülen wollte. Auch mit mir haben sie sich angelegt, da ich ihnen verbat die großen, schweren Töpfe und die scharfen Messer zu spülen – wenn ein Blinder einem anderen Blinden win scharfes Messer weitergibt und beide auch noch Kinder sind, die nicht so sehr aufpassen, kann ein Messer sehr gefährlich werden.

Mich hat es an diesem Tag sehr gefreut, dass die beiden Jungs, die sonst immer relativ große Unruhestifter sind, so hilfsbereit waren und sich richtig für unsere Köchin eingesetzt haben.

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Te quiero mucho

Ein Wortwechsel, der fast jeden Tag einmal in der Schule mit zwei Kindern aus der Vorschule stattfindet (normalerweise vor dem Unterricht oder in der Pause):

ich: Hola. (Hallo.)
Kind: Quien eres? (Wer bist du?)
ich: Quien soy? (Wer bin ich?)
Kind: Hannah!
ich: Si. (Ja.)
Kind: Hannah, te quiero mucho. (Hannah, ich hab dich ganz doll lieb.)
ich: Te quiero también. (Ich hab dich auch lieb.)

Obwohl ich diesen Wortwechsel täglich erlebe, freue ich mich doch jedes Mal riesig. Mittlerweile ist es eine Art Begrüßungsritual zwischen mir und den Kindern geworden.

Ein ähnliches Gespräch hatte ich letztens auch mit einem der älteren Jungs aus der dritten Klasse. Plötzlich umarmt mich jemand ganz fest von hinten und sagt: Hannah, ich bin sauer auf dich.
ich: Wieso?
Kind: Weil du vorhin in der Pause nicht mit mir gespielt hast.
ich: Und wenn du sauer auf mich bist, wieso umarmst du mich dann?
Kind: Na, weil ich die lieb habe.

Solche Situationen lassen mir echt das Herz aufgehen und machen alle schwierigen Situationen, die ich mit den Kindern erlebe, in denen sie mir teilweise echt auf die Nerven gehen und sich überhauptnicht gut verhalten, wieder wett.

Die Jahreszeiten

Im Februar haben wir mit den Kindern der Vorschule die Jahreszeiten durchgenommen. Es war für mich durchaus interessant, vor allem die Tatsache, dass im Februar noch Winter ist, da es im Winter kalt ist und man Pullis, Mütze und Schal braucht. Für mich persönlich war allerdings schon wieder der Sommer angebrochen, da es mittags täglich um die 30° hatte. Die Kinder sind aber alle tatsächlich noch mit dicken Pullis rumgelaufen, während ich schon wieder die T-shirts ausgepackt hatte. Allerdings merke ich echt, dass man sich an warme Temperaturen gut gewöhnt, da ich mitlerweile schneller friere als noch vor einem halben Jahr.

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Ja, im Winter kann es schneien (nur nicht hier) und da ich ja von einem Ort komme, an dem es kalt ist, wurde ich kurzer Hand einmal „eingeschneit“, was den Kindern sehr viel Spaß gemacht hat. Das Styropor habe ich den ganzen Tag nicht mehr aus den Haaren bekommen…

Du bist hässlich

Während dem Frühstück sagt ein Junge aus heiterem Himmel zu seiner Sitznachbarin: Du bist hässlich, du hast das Gesicht eines Hundes. Besagtes Mädchen kam dann sofort zu mir um sich zu beschweren. Ich habe sie zunächst beruhigt und ihr gesagt, dass sie nicht hässlich, sondern ein sehr hübsches Mädchen ist, was den Tatsachen entspricht, und mich anschließend mit dem Jungen auseinandergesetzt. Er wollte nicht einsehen, was er falsch gemacht hat und im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass sein Onkel ihn immer als „hässlcih, mit dem Gesicht eines Hundes“ bezeichnet. Er versprach mir, seine Klassenkameraden nicht mehr zu beleidigen, die beiden gaben sich die Hand und eine Minute später war alles vergessen und sie spielten zusammen. Mich hat das Ganze nachdenklich gestimmt. Wie kann man als Erwachsener zu einem 4-jährigen Kind sagen, dass es hässlich sei, nur weil die Augen anders aussehen? Und das traurige ist, dass sich das Kind nicht selbst vom Gegenteil überzeugen kann, sondern auf die Aussagen anderer angewiesen ist. Wir Lehrer achten alle darauf, immer wenn ein Kind mit frischen Klamotten in die Schule kommt, es zu loben und ihm zu sagen, wie schön es heute aussieht, auch um das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken.

Erkältung

Vor ein paar Wochen war ich relativ stark erkältet und auch heißer. Da wir ein paar Kinder haben, die beim Essen mehr träumen, als irgendetwas anders zu machen, hat eine der Studentinnen behauptet, ich sei ein Monster, dass die Kinder frisst, die nicht essen. Zunächst haben die Kinder dann richtig festgestell: „Das ist kein Monster, das ist doch nur Hannah“, waren aber dann doch verunsichert und haben sicherheitshalber schneller gegessen und die Gruppe war ca. 10 Minuten früher mit dem Essen fertig als sonst.

03.04.2016

Ostern

Ostern durfte ich im vertrauten Kreis meiner Familie feiern, die mich hier über die Ferien besucht hat. Der Tag, an dem sie hier ankamen, war ein ganz normaler Arbeitstag für mich und ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass sie hier her nach Mexiko kommen, da ich mir hier irgendwie ein Leben und ein zu Hause ohne sie aufgebaut habe. Erst in dem Moment, als ich mich auf den Weg zum Flughafen gemacht habe um sie abzuholen, ist es für mich real geworden, dass sie tatsächlich kommen. Und dann kamen die Fragen: Wie wird es sein? Habe ich mich oder haben sie sich stark verändert? – schließlich hatten wir uns alle über 6 Monate lang nicht gesehen. Als ich sie dann gesehen und sie in den Arm nehmen konnte war es dann so, als ob ich sie erst eine Woche vorher noch gesehen hätte. Am meisten habe ich in der Zeit in der sie hier waren genossen, dass man sich gegenseitig auf den Arm nehmen und veräppeln kann, ohne Angst zu haben, dass der andere gleich beleidigt ist. Für mich war es sehr schön ihnen zeigen zu können, wo und wie ich seit einem halben Jahr lebe, ihnen die Leute vorstellen zu können, die mir hier wichtig sind und sie in meinen Alltag mitzunehmen, sodass sie in Zukunft auch besser verstehen werden, wenn ich ihnen etwas erzähle. Dass sie dann wieder gegangen sind, ohne mich, war dann noch irrealer, als die Tatsache, dass sie kamen. Ich bin auch jeden Fall sehr froh, dass es für sie möglich war mich zu besuchen.

10.03.2016

So schmeckt Mexiko!

Jetzt wohne ich schon 1/2 Jahr hier in Mexiko und habe mir gedacht, dass es eigentlich mal Zeit wird einen Blogeintrag über das typische mexikanische Essen zu schreiben, damit ihr auch einmal seht, von was ich mich seit September so ernähre.
Zu jeder mexikanischen Mahlzeit gehören Tortillas in irgendeiner Form. Unter Tortillas versteht man Maismehlfladen, die in vielen Familien selbst hergestellt werden. Dazu mischt man Maismehl mit Wasser und stellt daraus einen Teig her. Von dem Teig werden nun immer kleine Stücke mit Hilfe einer „Tortillapresse“ in die typische Tortillaform gebracht. Der Teigfladen wird anschließend zum Backen auf den Herd gelegt. (Man muss dazu sagen, dass hier ausschließlich auf Gasherden gekocht wird.) Diese Tortillas kann man wie Brot zu jeder Mahlzeit dazu essen oder weiterverarbeiten:
Tostadas sind geröstete Tortillas, die etwa die Konsistenz von dicken Chips haben. Sie werden normalerweise mit z.B.Tomaten, Bohnen, Fleisch, Nudelsalat und verschiedenem Gemüse belegt. Ich esse sie aber auch gerne so.
Enchiladas nennt man mit z.B. Reis/Kartoffeln und Fleisch gefüllte und zusammengerollte Tortillas mit einer scharfen Soße.
Tacos sind zusammengeklappte mit den verscheidensten Dingen belegte Tortillas. Sie werden mit der Füllung nochmal auf den Herd gelegt, damit sie härter werden und sich nicht so schnell öffnen. Ein „richtiger“ Taco besteht aus zwei übereinandergelegten Tortillas. Frittierte, gerollte Tacos nennt man Tacos dorados.
Quesadillas sind zusammengeklappte, mit Käse und eventuell weiteren Zutaten gefüllte Tortillas. Sie werden auch häufig zum Frühstück gegessen. (Ich bekomme immer Tortillas mit Käse und Kochschinken.)
Gorditas (Dicke) erhält man, wenn man die Tortillas während dem Backen seitlich  aufschneidet und mit Gemüse oder Fleisch füllt.
Burritos sind meist in Tortillas eingerollte Bohnen mit Fleischstückchen und aktuell mein Lieblingsfrühstück.
Chilaquiles sind kleingeschnittene, geröstete Tortillas, die mit einer pikanten Soße ausschließlich zum Frühstück gegessen werden.

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Sehr häufig werden hier auch Bohnen (Frijoles) gegessen, dabei spreche ich nicht von grünen Bohnen, sondern von braunen Bohnen, die ich hier mindestens zwei Mal am Tag in Form von Bohnenbrei zu mir nehme.
Tamales sind ein weiteres typisches mexikanisches Gericht, dass ich seit meiner Zeit in Durango echt gerne esse und auch schon selbst kochen durfte. Dazu nimmt man ein Mais- oder Bananenblatt und bestreicht dies mit Maisbrei. Darauf kommt dann Fleisch (meistens Hühnchen) oder Peperoni, bevor das Ganze dann zusammengefaltet und mit Dampf gegart wird. Am besten schmecken Tamales, wenn man sie wiederaufwärmt, in dem man sie auf den Herd legt, bis die Blätter außen schwarz und der Maisbrei innen knusprig wird.

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Ein für Mexiko typische Suppe ist Pozole. Pozole enthält eine spezielle Maissorte und Hühnchen- oder Rindfleisch. Wahlweise kommen dann noch Radieschen, Zwiebeln und Koreander hinzu.
Des weiteren gibt es hier noch zwei Gemüsesorten, von denen ich vorher noch nie gehört habe: Nopales (ein Kaktus, dessen Blätter gegessen werden) und Chayote (einem Kürbisgewächs).
Prinzipiell wird hier alles mit Chile (in Form von Chilipulver, klein geschnittener Peperoni oder Salsa in allen Schärfegraden) und Limón (Limette) gegessen und beides ist für mich schon fast nicht mehr wegzudenken. Ein Essen ohne Chile, auch das Frühstück, erscheint mir schon fast „langweilig“ und fad.

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Brot, das bei uns ja eines der Hauptnahrungsmittel ist, wird hier kaum gegessen und „pan“, das man mit „Brot“ übersetzt, sind immer süße Teilchen.

Früchte

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine so große Früchteauswahl gehabt, wie hier in Mexiko. Zunächst gibt es hier alle Früchte, die auch in Deutschland üblich sind wie Äpfel (manzana), Birnen (pera), Bananen (platano), Pfirsiche (durazno), Aprikosen (chabacano) und Erdbeeren (fresa). Darüber hinaus sind hier auch für uns exotischere Früchte üblich, die ich schon vorher gekannt habe, wie Ananas (piña), Orangen (naranja), Mango (mango), Papaya (papya), Wassermelone (sandía), Honigmelone (melón) und Granatapfel (granada, die Kerne der Granatäpfel hier sind allerdings nicht rot, sondern schwarz). Und dann gibt es noch Früchte, von denen ich vorher noch nie gehört hatte, wie Guayaba (Aprikosengroße, gelbe Früchte mit sehr vielen Kernen), Tuna (eine grüne oder rote Kaktusfrucht), Jicama (eine Wurzelknolle, erinnert vom Aussehen stark an Kolrabi und wird hauptsächlich mit Chilipulver und Limone gegessen), Guanabana (eine fast Melonen große Frucht, die von außen grün ist und ein weißes Fruchtfleisch besitzt, dessen Konsistenz eine Mischung aus „Glibber“ und faserig ist) und Tamarindo (sehen in ihrer Hülse aus, wie große, getrocknete Erbsen, sie werden hauptsächlich für „Aguas“ oder Süßigkeiten verwendet).

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Getränke

Am häufigsten trinkt man hier Refrescos (Fanta, Cola,…) und Aguas de… (Wasser aus…). Aguas werden hergestellt, in dem man eine Frucht (Limone, Orange, Ananas, Erdbeeren, Papaya, Tamarindo, Guayaba,…) auspresst oder pürriert, mit Wasser verdünnt und Zucker hinzufügt.
Horchata ist ein Getränk aus Reis, Zucker und Wasser, das kalt getrunken wird und sehr erfrischend ist.
Atole wird hauptsächlich im Winter getrunken, da es warm zu sich genommen wird. Es besteht aus Maismehl, das mit Wasser oder Milch aufgekocht wird. Atole ist sehr sättigend und kann im Bedarfsfall auch eine Mahlzeit ersetzen.
Typische alkoholische Getränke sind Cerveza (Bier), Mezcal und der bekannte Tequila. Mezcal ist ein Agavenschnaps in dessen Flasche ein Wurm als Echtheitgarantie schwimmt. Derjenige, der die Flasche leer macht, isst den Wurm mit. Tequila wird aus der Maguey-Agave hergestellt. Als Tequila darf nur der Schnaps bezeichnet werden, der aus dem Bundesstaat Jalisco kommt, in dem wir wohnen. Tequila wird hier auf zwei Weisen getrunken: Als „Shot“  mit Salz und Limone (erst ein bisschen Salz essen, dann der Tequila und anschließend in die Limone beißen) oder mit Refresco (Zitronenlimo/Wasser mit Limone) gemischt.
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Atole mit Erdbeergeschmack

Süßigkeiten

Natürlich bekommt man hier in Mexiko auch Süßigkeiten wie Schokolade oder Gummibärchen zu kaufen. Allerding sind diese im Verhältnis teurer als in Deutschland, weshalb ich seit 1/2 Jahr mit sehr wenigen Ausnahmen auf sie verzichte und mich mit den mexikanischen Süßigkeiten angefreundet habe.
Die wohl typischste mexikanische Süßigkeit ist eine Masse aus Tamarindo mit Chile. Als ich dies zum ersten Mal probiert habe, hätte ich es am liebsten wieder ausgespuckt, mittlerweile esse ich es aber echt gerne. Des Weiteren isst man hier viel Coco, Blöcke aus geraspelter Kokosnuss. Das Original Coco ist weiß mit einem rosa Rand. Es wird aber auch viel Coco in den Nationalfarben verkauft. Coco de… sind kleine Röllchen aus Kokosnuss mit verschiedenen Geschmacksrichtungen. Die Erdnussriegel werden als Palanquetas bezeichnet. Eine weitere typische Süßigkeit ist Cajeta. Sie wird aus Milch und Zucker hergestellt und erinnert entfernt an Caramel. Je nach Mischverhältnis ist Cajeta eine zähe Masse oder ein fester Block. Die zähflüssige Masse wird meist mit Keksen gegessen. Jamonsillo ist Cajeta in Blockform mit Nüssen. Borrachitos (Betrunkene) sind eine Art Gummibärchen, die meist mit Tequila oder anderen Getränken (meist alkoholisch oder Café) gefüllt sind und dadurch das Ganze cremig werden lassen. Statt Marzipan isst man hier Mazapan, das nicht aus Mandeln, sondern aus Erdnüssen hergestellt wird.

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Am Anfang war für mich die Umstellung auf das mexikanische Essen nicht einfach und ich hatte, genau wie andere Freiwillige, Verdauungsprobleme. Dieses Phänomen wird hier als Montezumas Rache bezeichnet. Montezuma II war einer der letzten aztekischen Herrscher. Er soll kurz vor seinem Tod bei der Eroberung der Spanier einen Fluch ausgesprochen haben, dem zu Folge alle Eindringlinge seine Rache zu spüren bekommen würden und furchtbar leiden müssten.

04.02.2016

Dieses Mal hat es etwas länger gedauert mit einem neuen Blogeintrag. Das hat zwei Gründe: Die letzten 1 1/2 Wochen war ich nicht Zuhause, sondern auf einem Seminar. Außerdem ist mein Computer kaputt und ich habe noch keinen Ersatz. Dafür kommen jetzt ein paar Einträge auf einmal.

Centro Prodh

Auf Grund der großen Entfernung zwischen Guadalajara und Mexiko Stadt konnten wir nicht am gleichen Tag, an dem das Seminar geendet hat, zurück fahren. Sonja, eine der anderen Freiwilligen, die wir auf dem Seminar kennengelernt hatten, hat uns angeboten bei ihr zu übernachten, was wir gerne annahmen. Am nächsten Tag durften wir mit zu ihrer Arbeitsstelle fahren und uns ihr Projekt näher anschauen. Dort angekommen gab Kely, eine ehemalige Freiwillige, die jetzt fest im Projekt arbeitet eine kleine Einführung, bevor Sonja uns die Räumlichkeiten zeigte.

Das „Centro de Derechos Humanos Miguel Augustin Pro Juárez A.C.“, kurz Centro Prodh, ist eine Menschenrechtsorganisation, die im Jahr 1988 von den Jesuiten gegründet wurde. Heute ist sie fast vollständig unabhängig und kümmert sich um Menschen und deren Familien, die in Mexiko Menschenrechtsverletzungen erleiden mussten, wie etwa Folter, außergerichtliche Hinrichtingen oder auch der Fall von den 43 verschwundenen Studenten und vieles mehr. Centro Prodh hat sogar eine beratende Funktion in den Vereinten Nationen.

Kely war bereits auf unserem Seminar gewesen, um uns einen groben Überblick über die Menschenrechtslage in Mexiko zu geben. Ich finde die Arbeit, die sie und ihre Kollegen leisten sehr beeindruckend. Es ist nur sehr schade, dass Sonja wahrscheinlich keinen Nachfolger haben wird, da es keine qualifizierten Bewerber gibt. Die Voraussetzungen für ihre Stelle sind ein Mindestalter von 22, Spanischkenntnisse und ein beendetes/fast beendestes Studium. Diese Voraussetzungen finde ich persönlich sehr sinnvoll, da die Arbeit bei Prodh sehr belastend sein kann weil man dort verschiedenste Menschenrechtsverletzungen hautnah miterlebt.

Falls sich jemand von auch mehr für das Thema interessiert kann er gerne auf der Intrernetseite von Pro (www.centroprodh.org.mx – englisch und spanisch) oder auf Sonjas Blog (https://blog.misereor.de/author/sonjal/ – deutsch) mehr lesen.

Zwischenseminar

Genau wie vor und nach unserem Einsatz gibt es für uns auch nach ca. der Hälfte unserer Zeit ein Seminar, das so genannte Zwischenseminar. Es ist echt erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht: 5 Monate bin ich jetz hier und in 6 Monaten komme ich schon wieder zurück nach Deutschland. -> Für mich bedeutet das fast Halbzeit!

Das Seminar fand in einem der Stadtteile in Mexiko Stadt statt. Insgesamt waren wir 18 Freiwillige verschiedener Organisationen, die im Moment in Mexiko oder der Dominikanischen Republik arbeiten. Für mich war das Seminar sehr interessant, nicht nur wegen der besprochenen Themen (Kommunikation, Konflikte, Sinn/Unsinn eines Freiwilligendienstes, Vorurteile, Abschied und Rückkehr,….), sondern auch durch die neuen Leute und deren Ansichten, die ich kennenlernen durfte. Wir hatten während der Woche viel Zeit unsere Arbeit und unsere aktuelle Situation zu reflektieren, uns mit den anderen auszutauschen, die teilweise schon genau die gleichen Situationen erlebt haben  und dadurch neue Ideen zu bekommen.

Mexiko Stadt

Da Steffi und ich Mexiko Stadt noch nicht kannten beschlossen wir das Wochenende bevor unser Seminar begann in Mexiko Stadt (CDMX) zu verbringen. So fuhren wir von der 2. größten Stadt (Guadalajara: 6 Mio Einwohner) zur größten Stadt Mexikos (Mexiko Stadt: 22 Mio Einwohner). Dort angekommen kam uns Guadalajara echt klein vor. Unseren ersten ganzen Tag verbrachten wir dann gar nicht in CDMX, sondern in Teotihuacán. Dort stehen zwei der bekannten Pyramiden Mexikos. Eine von ihnen, die Sonnenpyramide, ist die 3. größte Pyramide der Welt. Vor Ort hatten wir einen echt guten Reiseführer, der uns sehr viel erzählen konnte. Hier die Dinge, die ihm am wichtigsten waren:

  • Die sogenannten Pyramiden sind gar keine Pyramiden, da sie keine Spitze haben und auch noch nie Spitzen hatten. Früher gab es auf ihnen Tempel.
  • Sie wurden nicht von den Azteken gebaut, sondern con den „Teotihuacánes“, einem Volk, das ca. 600 Jahre vor den Azteken lebte.
  • Die Tempel und der obere Bereich der Pyramiden (die keine sind) wurden beim entfernen der Vegetation, die mit der Zeit gewachsen war, durch Sprengstoff zerstört. Dies geschah zu einem der Jubiläen der Unabhängigkeit Mexikos.
  • Wenn man die Pyramiden besteigt, tut man dies am besten, in dem man zick-zack-förmig die Treppen hoch geht, da es dann nicht so anstrengend ist.
  • Die kleinere der beiden Pyramiden, la luna (die Mondpyramide) ist die wichtigere der beiden, da sie älter und der weiblichen Göttin gewidmet ist.

Dinge, die ich außerdem noch interessant fand:

  • Es gibt verschiedene Plätze mit einem Podium. Wenn jemand auf diesem Podium
    steht und ein Geräusch von sich gibt (z.B. klatschen) ist dies fast überall zu hören. So wurden Versamlungen einberufen.
  • Stellt man sich genau vor eines der kleineren Gebäude und klatscht, so kommt als Echo eine Art Pfeifen zurück, das einem Tierlaut ähnelt.
  • Ursprünglich waren alle Gebäude, auch die Pyramiden, rot und der Boden weiß gestrichen.

Am nächsten Tag waren wir in der Messe in der Basílica de Guadalupe. Dieser Ort spielt für den Glauben der Mexikaner eine sehr große Rolle, da dort im Jahr 1531 einem getauften Aztecen zwei Mal die Jungfrau Maria erschienen ist. Seit diesem Tag hat sich der christliche Glaube stark in Mexiko und Lateinamerika verbreitet und heute betet fast jeder Mexikaner zur „Virgen de Guadalupe“.

Anschließend gingen wir ins Museo de la Antropología, ein sehr großes Museum, in dem wir trotz drei Stunden Aufenthalts nur ca. die Hälfte sehen konnten. Es war echt sehr interessant, da es in besagtem Museum einen eigenen Raum für jedes der wichtigsten indigenen Völker Mexikos gibt, in dem die jeweilige Kultur und Geschichte dargestellt wird. Wir haben sehr viel gelernt.

Am Zócalo, dem zentralen Platz im historischen Zentrum, steht die größte Kathedrale des amerikanischen Kontinents, der Palacio Nacional mit den Büros des Präsidenten und der „Campana de Dolores“ (die Glocke, die den Unabhängigkeitskrieg einleitete). Außerdem findet man mitten auf dem Platz eine riesige Fahne, die selbst aus der Entfernung größer wie mein Zimmer aussieht. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so eine große Fahne gesehen. Wahrscheinlich wäre es in Deutschland unmöglich eine Fahne dieser Größe in den Nationalfarben aufzuhängen. Während bei uns höchstens zur WM Fahnen aufgehängt werden, noch nicht mal an unserem Nationalfeiertag hängt man bei uns Fahnen aus dem Fenster, hat hier jede mexikanische Familie mindesten eine „bandera“, die bei jeder Möglichkeit aufgehängt wird.

Als Abschluss unserer Stadt-Tour fuhren wir auf den Torre Latinoamericano, das zweit größte Hochhaus der Stadt, hoch. Von hier oben wurde uns noch einmal bewusst, wie groß CDMX und wie hoch die Luftverschmutzung ist.

10.01.2016

Schulbeginn

Ich glaube, ich habe mich noch nie so darauf gefreut, dass die Schule wieder anfängt wie jetzt nach den Weihnachtsferien. Klar war es richtig schön Ferien zu haben, zumal es hier viel weniger Schulferien gibt als bei uns, aber ich habe gemerkt, wie sehr mir die Kinder ans Herz gewachsen sind und ich habe sie richtig vermisst. So habe ich mich am Wochenende ausnahmsweise auf den Montag gefreut, obwohl dieser stets früh aufstehen bedeutet. In der Schule war ich dann aber ein bisschen enttäuscht, da während in den anderen Klassen fast alle da waren, in meiner Vorschulklasse in der ersten Woche insgesamt nur zwei Kinder kamen. Man hat mir das so erklärt, dass die anderen entweder alle krank sind, bzw. die eltern Angst haben, dass ihre Kinder krank werden.

Ein neues Jahr bedeutet auch immer einen kleinen Neubeginn und so ist es auch in der Schule: In meine bisher relativ kleine Klasse kommen zwei neue Schüler. Das Besondere an einem dieser beiden ist, dass er neben seiner Sehbehinderung fast taub ist und nicht sprechen kann. Für mich persönlich hat das zur Folge, dass ich jetzt die mexikanische Gebärdensprache lernen darf.  Mein Glück: Ich muss sie nicht alleine lernen, da der neue Junge diese Art der Sprache auch noch nicht kennt.

06.01.2016

Meine Zeit in Durango

Der folgende Blogeintrag wird etwas länger, da er über meine letzten zwei Wochen berichtet, in denen ich sehr viel erlebt habe.

Wie ich ja schon im letzten Post erwähnt habe, habe ich Weihnachten und Neujahr nicht in GDL, sondern in Durango verbracht. Bei der ersten Einladung meiner Mitbewohnerin war ich noch sehr zurückhaltend da Einladungen hier oft aus reiner Höflichkeit ausgesprochen werden, aber nicht ernst gemeint sind. Als sie darauf hin aber regelmäßig nachgefragt hat, ob ich Weihnachten mit ihr und ihrer Familie verbringen möchte, habe ich die Einladung ernst genommen und zugesagt. Da sie 2 Wochen mehr Ferien hat als ich, fuhr sie schon eine Woche vor mir und ich beschloss mit dem Bus zu fahren um auch die mexikanische Landschaft ein bisschen besser kennenzulernen. Der Bus braucht von Guadalajara nach Durango 10 Stunden. Da ich nicht über Nacht fahren wollte hieß das für mich um 5 Uhr aufstehen, da ich um 7 an der Haltestelle sein musste und man nie weiß, wie dicht der Verkehr ist. Da ich schon um 6 das Wohnheim verließ und die Tür Sonntags erst später geöffnet wird, ist eine der Nonnen extra für mich früher aufgestanden um die Tür aufzuschließen. Den letzten Rat, den sie mir mit auf den Weg gab war: Erzähl niemandem, weder im Bus, noch im Taxi, dass du aus Deutschland bist.
Der Bus war ein schöner, großer Reisebus mit viel Beinfreiheit und während der Fahrt konnte ich die Landschaft bestaunen. Sie war so, wie man es von Mexiko aus Filmen kennt: weite trockene Flächen unterbrochen von Gebirgsketten, überall Kakteen, und kleine Bäume, die genauso groß sind, Palmen und die Erde leicht rötlich. Es gab auch immer wieder Zwischenhalte in kleinen Dörfern und größeren Städten. Gleichzeitig liefen im Bus durchgehend Filme, natürlich auf Spanisch, die ich erstaunlicher Weise weitesgehend verstanden habe.

Endlich in Durango angekommen, haben mich Yarim, meine Mitbewohnerin, und ihr Vater abgeholt und sind mit mir nach Hause gefahren, wo gefühlt die halbe Familie auf mich gewartet hat (sprich, die beiden Brüder, ihre Eltern, eine Tante, ein Onkel und die Cousine mit ihrem Neffen). Ich habe um 18:30 Uhr dann auch gleich einmal mein Mittagessen bekommen. Im Laufe des Abends sind noch verschiedene Freunde der Familie vorbei gekommen, sodass ich am ersten Abend gleich einmal 11 neue Personen kennengelernt habe.
Gleich an meinem ersten Tag in Durango gingen wir auf ein Weihnachtkonzert in der Kathedrale, bei dem ich sogar einige Lieder wiedererkannte: Gloria in exelsis (von Vivaldi), Al nino nacido (Hört der Engel helle Lieder), El Tamborilero (das haben wir mit den Kindern in der Schule immer gesungen), Noche de Paz (Stille Nacht) und das Hallelujah von Händel.
Ansonsten verbrachte ich meine ersten Tage in Durango damit, die Familie und Freunde meiner Mitbewohnerin besser kennenzulernen und das Essen für Weihnachten vorzubereiten.

Weihnachten an sich begann mit dem Gottesdienst um 21 Uhr. Der Gottesdienst an sich war vom Ablauf genau der gleiche, wie er auch bei uns an Weihnachten ist. Trotztdem gab es kleine und etwas größere Unterschiede: Es fängt damit an, dass ein Marienbild mit einer in bunten Farben leuchtenden und wild blinkenden Lichterkette behängt ist und daneben die mexikanische Flagge steht. Alle Lieder wurden statt festlich von einer Orgel mit Gitarren begleitet (die meisten Kirchen hier haben keine Orgel). Am unterschiedlichsten war das Ende des Gottesdienstes: Nach dem Segen schaut der Pfarrer in die Gemeinde und sagt: Jetzt ist Weihnachten. Umarmt alle, die bei euch in der Nähe sind; den der vor euch steht, den hinter euch und die zu euren Seiten. Dann brandete erst einmal ein mehrminütiger Applaus auf, bevor alle der Aufforderung des Pfarrers nachkamen und jeden in der Nähe umarmten. Auch gab es keinen Auszug des Pfarrers mit den Ministranten. Stattdessen wurde das Jesuskind, das bis zu dem Zeitpunkt ja noch in der Krippe gefehlt hatte aus der Sakristei geholt und alle begaben sich nach vorne, um es zu ehren und es einmal zu küssen.
Nach dem Gottesdienst fuhren wir zu Yarims Tante, wo es erst einmal Essen gab. Vorher durfte ein Gebet natürlich nicht fehlen, in dem auch meiner ganzen Familie alles Gute gewünscht wurde.
Anschließend gab es dann Geschenke. Ich habe hier glaube ich zum ersten Mal verstanden, was schenken wirklich bedeutet. Ich habe zum ersten Mal nicht erwartet, ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum vorzufinden auf dem mein Name steht, habe aber trotztdem reichlich Geschenke in der Adventszeit gebastelt. Allerdings lag tatsächlich ein Geschenk unter dem Baum, das für mich bestimmt war und ich glaube, dadurch, dass ich nichts erwartet hatte, habe ich mich nur noch mehr gefreut.
Einen Großteil des Abends ging darauf Fotos zu machen (ich habe das Gefühl, das ist hier mit das wichtigste bei allen Gelegenheiten) und ich habe viel mit dem 3-jährigen Sohn der Cousine „gezaubert“.
Um 2:30 kamen wir dann endlich zurück. Es war das erste Mal, dass mit hier in Mexiko wirklich kalt war. Denn obwohl es tagsüber die Temperaturen noch weit in die 20° rein gestiegen sind, sind sie nachts bis auf 0° gesunken.

Der erste Weihnachtsfeiertag hat sich dann für mich schon wieder nicht wie Weihnachten angefühlt. Zunächst einmal haben wir lange geschlafen, was ich an Weihnachten eigentlich nie tue, da wir immer zu meine Großeltern fahren und vorher noch in die Kirche gehen. Mittags haben wir dann einen anderen Teil der Familie besucht, den ich noch nicht kannte. Dort blieben wir allerdings nur ca. 1 Stunde bevor wir zurückfuhren. Abends hat uns (Yarim, ihre Cousine und mich) dann ein Freund von Yarim abgeholt und wir sind Schlittschuhlaufen gegangen. Zu meiner Überraschung hat dies nichts gekostet und es gab auch keine Zeitbeschränkung. Anschließend hat der Freund, der im Priesterseminar ist, seine Kontakte spielen lassen und den Schlüssel für die Kathedrale besorgt, sodass wir zu viert den Turm besteigen konnten. Von dort oben hatte man einen wunderbare Aussicht auf die erleuchtete Stadt. Die anderen erzählten mir die Legende von der Nonne, die nachts angeblich als Geist in einem der Türme erscheint und tatsächlich sahen wir (mit ein bisschen Fantasie) ihren Schatten in einem der Fensterbögen.

An einem der Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind wir auf eine „Rancho“ gefahren, auf der eine der vielen Tanten wohnt. Allein die 1-stündige Fahrt war den Ausflug schon fast wert. Die Strecke aus Durango raus war noch „normal“. Doch unser Weg führte uns in die Berge rund um Durango und diese Strecke war ein echtes Abenteuer. Ich hatte das Gefühl, dass man, als die Straße gebaut wurde einfach nur die Landschaft asphaltiert hat und ansonsten keine weitere Arbeit investiert hat. Das sorgt dafür, dass man jede Kurve des Berges mitfahren musste und das Auto teilweise schräg lag und man das Gefühl haben konnte jeden Moment abzurutschen. Ausnahmsweise waren alle, die sich im Auto befanden, angeschnallt. Den Weg, der zur Rancho führte, hätte ich wahrscheinlich nie als Fahrweg identifiziert. Man hatte das Gefühl quer durch die Pflanzen zu fahren und auf dem gesamten Weg, lagen bis zu kopfgroße Steine. Ich wurde vorher noch nie so in einem Auto durchgerüttelt.
Auf der Rancho angekommen haben wir natürlich erst einmal die Familie begrüßt. Für mich ist es oft schwierig die tatsächlichen Familienverhältnisse herauszufinden. Zwar spricht man hier innerhalb der Familie niemanden mit Namen, sondern mit Wörtern wie „Tante“, „Vater“ oder „Tochter“, an, allerdings ist jede Frau, die nicht deine Mutter ist, deine Tante und alle Kinder sind aus Prinzip Tochter oder Sohn (ich wurde noch nie so oft wie hier mit „Tochter“ angesprochen). So weiß ich bis jetzt noch nicht in welchem Verhältnis wer zu wem stand. Anschließend wollte man mir unbedingt die heiße Quelle (aguas calientes) zeigen, die ca. 10 min zu Fuß von der Rancho entfernt liegt. Da wir hier in Mexiko sind und kaum eine Strecke zu Fuß zurücklegt, wurden wir natürlich gefahren. Diesmal beinhaltete der Weg durch einen Fluss hindurchzufahren, denn eine Brücke gab es nur für Fußgänger. Der Weg durch den Fluss ist nicht ganz ungefährlich und muss mit großer Vorsicht genommen werden, da der Weg breiter aussieht als er ist und man 10 cm weiter rechts oder links stecken bleibt. Die heißen Quellen entpuppten sich als eine Art natürliches Schwimmbad, das aussah wie aus einem Werbekatalog ausgeschnitten. Während wir nur die Füße in das badewannenwarme Wasser hielten (aus Mangel an Badeklamotten) schwammen viele der Dorfbewohner darin. Während die kleinen Kinder splitternackt ins Wasser gehoben wurden, waren die Erwachsenen fast alle komplett bekleidet (Jeans und T-shirt). Was mich ein wenig überraschte war, dass viele Leute zu der Quelle kamen um sich darin zu waschen. Man seift sich in Klamotten am ganzen Körper ein und taucht danach unter um die Seife wieder abzuwaschen. Bei uns würde das wahrscheinlich als „Umweltverschmutzung“ gelten, hier scheint es normal.
Zurück auf der Rancho gab es erstmal Mittagessen und anschließend gingen wir mit einer Cousine (?) zu der ihren, wo es viele Tiere gab (Katzen, Hunde, Pferde, Kühe und sehr viel Hühner) Natürlich bekamen wir auch hier wieder etwas zu Essen angeboten und ich probierte zum ersten Mal Wildhonig, der hier einfach mit den Warben zusammen gegessen wird.
Nachmittags, kurz bevor wir gegangen sind, hieß es dann: Hannah, kannst du reiten? Ich kann nicht wirklich reiten. Das letzte Mal als ich auf einem Pferd saß, war vermutlich in der 4. Klasse. Nichtdestotrotz wurden schnell die zwei Pferde des Onkels gesattelt und wir gingen auf dem Gelände reiten. Es war ganz anders, als ich es in Erinnerung hatte, was hauptsächlich an Sattel und Zaumzeug lag, die anders waren als die „typischen deutschen“. Es klappte erstaunlicherweise ganz gut.

Silvester feierten wir genau wie Weihnachten im Kreis der Familie. Genau wie an Weihnachten gingen wir zuerst in den Gottesdienst und anschließend gemeinsam im Haus der Tante essen. Als wir mit dem Essen fertig waren, war es schon 23:30 Uhr, sodass vor dem Anstoßen nur noch Zeit blieb das ganze Geschirr in die Küche zu räumen. Beim Anstoßen hielt dann jeder eine Art kleine Rede. Anschließend folgte dann ein Spieleabend. Hier gab es kein Feuerwerk, da Feuerwerkskörper hier verboten sind. Es war für mich sehr komisch Neujahr nicht mit lautem Knall einzuleiten, denn selbst wenn ich nicht selbst Feuerwerkskörper abgeschossen habe, so haben das doch immer Nachbarn von uns gemacht.

34 Durango (216)

An Silvester fragte mich Yarims Bruder, ob es in Deutschland denn ein Meer gäbe und so entstand die Idee ans Meer zu fahren. Diese Idee wurde dann auch tatsächlich an einem meiner letzten Tage in Durango umgesetzt. Morgens um 8 wollten wir losfahren. So wie das hier aber ist, haben wir uns dann um 10 auf den Weg nach Mazatlán aufgemacht. Mazatlán ist die nächste Stadt von Durango aus, die am Meer liegt. Es war ein wunderschöner Tag und ich habe mich echt wie im Sommerurlaub gefühlt. Selbst die Temperaturen waren die gleichen und das Meer kam mir sogar warm vor.

Insgesamt habe ich sehr viele schöne Tage mit Yarim und ihren Freunden und Familie in Durango verbracht. Tatsächlich haben mich einige ihrer Freunde sehr an meine in Deutschland erinnert und so habe ich mich hier sehr wohl gefühlt.
Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich jemals in meinem Leben so viel Liebe von Menschen erfahren habe, die ich vorher nicht gekannt habe. Als ich nach Durango kam, kannte ich nur Yarim und trotztdem war es für sie und ihre Familie, laut ihnen, eine Selbstverständlichkeit, dass ich Weihnachten mit ihnen verbringen konnte, schließlich konnten sie mich doch nicht „alleine“ im Wohnheim lassen. Und nicht selten haben sie versucht mich zu überreden noch eine Woche länger zu bleiben, was aber wegen dem Schulbeginn nicht funktioniert hat. Ich konnte mich hier echt wie zu Hause fühlen und habe viel über das „normale“ mexikanische Leben gelernt: Das Haus wird täglich geputzt. Das bedeutet nicht, das die Küche täglich gefegt wird, sondern dass das komplette Haus feucht gewischt wird. Ich vermute, dass das daran liegt, dassdas komplette Haus gefliest ist und alle mit Straßenschuhen rumlaufen bis sie schlafen gehen. Auch habe ich gelernt, dass es für mich quasi unmöglich ist mit 4 Bettdecken zu schlafen (allerdings blieb mir keine andere Wahl: „Nachts wird es sehr kalt meine Tochter“ – was kann man diesem Argument schon entgegensetzten?). Allerdings sind die Bettdecken anders als die bei uns: Zunächst gibt es das Bettlaken, darauf werden dann mehrere Wolldecken gelegt (in meinem Fall 2) und anschließend kommt darauf noch die Tagesdecke, die von ganz dünn bis mehre Zentimeter dick sein kann. Die große Anzahl an Decken erschwert es um einiges morgens das Bett zu machen. Auch ist mir hier aufgefallen, dass die Geschlechterrollen noch mehr ausgeprägt sind. Zwar kann der Mann im Haus auch mal ein Rührei machen oder das Geschirr abspülen, trotzdem sind Dinge wie Kochen, Waschen und Putzen Frauensache und es ist ganz normal, wenn das Mädchen das Zimmer des Bruders putzt. Mädchen dürfen niemals einen Jungen mit auf ihr Zimmer nehmen, selbst, wenn andere dabei sind. Dabei ist es kein Problem, wenn ein Junge ein Mädchen mit auf sein Zimmer nimmt. Ich habe immer wieder Einladungen ausgesprochen bekommen und wurde sehr oft gefragt, wann ich denn wieder kommen würde, denn dass ich wieder kommen werde steht hier für alle fest. Und falls ich nicht im Haus von Yarim schlafen könne, dann in dem der Cousine, die dies genauso zu mir gesagt hat. Ihr Sohn würde sich freuen.

19.12.2015

Advent

Mein Advent war dieses Jahr ganz anders wie alle bisherigen, die ich in Deutschland erlebt habe und irgendwie bekomme ich nicht wirklich ein Weihnachtsgefühl:
Zunächst ist es hier für mein Gefühl viel zu warm, als dass es schon Dezember sein könnte. Zwar brauche ich mittlerweile morgens auch schon eine Jacke, allerdings hat es Mittags immer noch mehr als 25°C, sodass ich täglich immer noch im T-Shirt rumlaufen kann, ohne zu frieren.
Hier gibt es keine Adventskalender, keine Plätzchen, keine Weihnachtsmärkte und am 6. Dezember kommt auch nicht der Nikolaus. Von ihm scheint man hier noch nie gehört zu haben. Und die Adventskränze, die es nur in den Kirchen gibt, haben statt 4, 5 Kerzen: 4 auf dem Kranz und die 5. in der Mitte des Kranzes für Weihnachten.
Natürlich wird hier auch alles für Weihnachten dekoriert. Überall an den Häusern, in den Bäumen und an Palmen hängen Lichterketten. Genauso häufig sieht man Krippen in den verschiedensten Größen, die alle eins gemeinsam haben: Alle Figuren von den 3 Heiligen Königen bis zu Maria und Josef sind schon aufgestellt. Lediglich das Jesuskind, „niñito Dios„, fehlt noch, da es ja erst an Weihnachten geboren wird. Ebenfalls anzutreffen sind überall Schneemänner, was ich ein bisschen abstrus finde, da es hier in Guadalajara eigentlich nie schneit. Ich musste schon sehr oft erklären, wie Schnee in der Realität aussieht, da viele eine falsche Vorstellung von Schnee haben, weil sie Schnee nur aus Filmen oder von Fotos kennen.


Natürlich haben wir auch die Schule weihnachtlich geschmückt. wir haben sogar einen echten Tannenbaum, was für die Kinder den Vorteil hat, dass sie den Baum nicht nur anfassen, sondern auch riechen können. Der Baum wurde mit selbstgebastelten Weihnachtskugeln der Kinder behängt.


Auch hier gibt es Krippenspiele und unsere Kinder haben seit 2 Monaten fleißig geübt und am letzten Dienstag war es dann auch so weit. Morgens fand kein Unterricht statt. Stattdessen haben wir uns alle mittags in einem Theater getroffen, wo das Krippenspiel dann stattfand. Es war ein sehr modernes Krippenspiel (auch mit Bezug auf Facebook und co) und witzig dazu. Ein Beispiel: auf die Frage von Joseph, wieso Maria denn schwanger sei, antwortet der Erzengel Gabriel: Naja, das ist halt in allen Krippenspielen so. Die meisten anderen Witze waren Wortspiele, die schwer zu übersetzen sind. Wir hatten sogar ein lebendes Jesuskind: Dafür haben wir uns kurz den kleine Bruder eines der Schüler ausgeliehen. Ich habe von dem 1-stündigen Krippenspiel nicht so viel mitbekommen, da ich hauptsächlich damit beschäftigt war Kinder aufs Klo und dann wieder zurück zu bringen, bzw. meine kleinen Chaoten ruhig zu halten.


Zur Adventszeit gehören hier auch die Posadas. Posadas sind Feiern mit einem Festessen, das man sich normalerweise erst mit einem Lied erbitten muss. Dazu werden alle anwesenden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe nimmt die Rolle von Maria und Josef ein, die von Haus zu Haus ziehen und um Einlass bitten. Die andere Hälfte nimmt die Rolle der abweisenden Herbergsväter ein. In dem speziellen Lied, dass genau dies beschreibt, werden die Strophen abwechselnd von den beiden Gruppen gesungen. Anschließend beginnt dann das Fest. Zu jeder richtigen Posada gehört unabdinglich eine Piñata. Piñatas sind bunte Figuren aus Pappmaschee, die mit Süßigkeiten gefüllt sind. Die traditionelle Piñata ist eine Kugel mit 7 Spitzen, die die Todsünden symbolisieren. Auf die Piñata wird mit verbundenen Augen eingeschlagen, bis sie zerstört ist. Die herausfallenden Süßigkeiten symbolisieren den Segen Gottes. Während man mit einem Stock auf die Piñata schlägt wird folgendes Lied gesungen:
Dale, dale, dale,
No pierdas el tino
Porque si lo pierdes
Pierdes el camino.Ya le diste una
ya le diste dos
Ya le diste tres
Y tu tiempo se acabó.
(Schlag sie, schlag sie, schlag sie, verliere nicht deine Treffsicherheit, da wenn du sie verlierst, verlierst du den Weg. Schon hast du sie einmal geschlagen, schon hast du sie zweimal geschlagen, schon hast du sie dreimal geschlagen und deine Zeit ist vorbei.)
Sobald das Lied vorbei ist, ist der Nächste dran, bekommt die Augen verbunden und darf die Piñata schlagen.
Sobald die Piñata aufbricht stürzen sich alle auf die herausfallenden Süßigkeiten.
Ich habe an mehreren Posadas im Wohnheim und in der Schule teilgenommen. Die Posada mit den Kindern war besonders, da es neben den Piñatas noch viele weitere Angebote für die Kinder gab: Von einer Hüpfburg über ein Tranpolin bis hin zum Bällebad; das bei unseren Kleinen sehr gut angekommen ist.

Auch für die Lehrer gab es eine Posada. Natürlich gab es auch hier eine Piñata und viele lustige Spiele: Reise nach Jerusalem (die mexikanische Version davon), Limbo (natürlich auch die mexikanische Version), ein Wettsingen und auch ein „Intercambio„. Hier ist es Tradition an Weihnachten Süßigkeitentüten zu verschenken, so genannte „Bolos„. Beim Intercambio hat jeder einen Namen gezogen, dem er dann ein „bolo“ richten sollte, ähnlich wie beim wichteln bei uns. Wir konnten in einer Liste schreiben, was für Süßigkeiten wir gerne bekommen würden. Ich hatte „typische mexikanische Süßigkeiten“ eingetragen und das Ergebnis war sehr interessant (aber dazu ein ander Mal mehr). Wir haben an diesem Tag auf jeden Fall viel gelacht und ich habe jetzt einen Süßigkeitenvorrat für das restliche Jahr (ich habe insgesamt 6 Bolos verschiedener Größe im Laufe des Advent bekommen).

Heute haben wir endlich Plätzchen gebacken, was gar nicht so einfach war. Das erste Problem: wir haben keine Küche, da die Studenten die Küche des Wohnheims eigentlich nicht zum selbst kochen nutzen können. Wir haben allerdings die Nonnen, mit dem Versprechen ihnen ein paar Plätzchen abzugeben, überredet bekommen. Das zweite Problem war das Einkaufen. Dinge wie Mehl und Zucker sind hier auch sehr einfach zu bekommen genau wie Butter, die lediglich teuer ist. Allerdings gibt es hier keinen Vanillezucker und alle Sorten von Nüssen gibt es nur ganz, also weder gemahlen, noch gehackt, wie sie zum Backen ja eigentlich nötig sind. Auch das Backen an sich war nicht ganz einfach, da man uns einfach nicht alleine lassen wollte, wir teilweise wie Außerirdische angeschaut wurden und eine der älteren Nonnen uns immer wieder erklären wollte, wie sie gelernt hat Plätzchen zu backen. Auch die Küchengeräte waren andere als gewohnt. Besonders interessant war die Waage. Bei uns würde sie wohl als antik gelten. Aber schließlich haben wir es doch geschafft. Die Plätzchen sind zwar nicht ganz so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben aber ich bin trotzdem stolz auf das Ergebnis:

Meine Plätzchen sind als Mitbringsel gedacht, da mich meine Mitbewohnerin über Weihnachten und Neujahr zu sich und ihrer Familie nach Durango eingeladen hat.Vielleicht bekomme ich dort auch ein Weihnachtsgefühl, da es dort auf jeden Fall kälter als hier in GDL ist.

15.12.2015

Erdbeben

Erdbeben gehören angeblich zur Tagesordnung in Mexiko. Man merkt dies hauptsächlich daran, dass überall, wo ein Schild hängt, wie man sich im Fall eines Feuers zu verhalten hat, gleichzeitig ein Schild mit Anweisungen zum Verhalten bei einem Erdbeben hängt. Bis heute hatte ich allerdings noch kein Erdbeben erlebt.

Heute war das Krippenspiel der Schule, weshalb morgens kein Unterricht stattfand. So lag ich um 10:10 Uhr, als das erste Erdbeben kam noch im Halbschlaf in meinem Bett. Zunächst habe ich gedacht, dass jemand an meiner Tür rüttelt und gleichzeitig gegen die Wand tritt. Diese Theorie wurde allerdings durch die Tatsache zunichte gemacht, dass auch mein Bett gewackelt hat. Bis ich verstanden hatte, was los ist, war es auch schon wieder vorbei. Ein paar der Mädels, die zu dem Zeitpunkt im Wohnheim waren haben erzählt, dass man Erdbeben selten so spürt und sie normalerweise schwächer sind. Als ich im Internet nachschaute erfuhr ich, dass das Erdbeben eine Stärke von 4,4 hatte und somit als „leichtes“ Erdbeben eingeschätzt wird. „Leichtes Erdbeben“ bedeutet sichtbares Bewegen von Zimmergegenständen, Erschütterungsgeräusche und meist keine Schäden.

Fast zwei Stunden später, um 11:50, folgte ein zweites Erdbeben der Stärke 3,9. Dieses dauerte nicht so lange wie das erste. Diesmal hatte ich allerdings meine Brille auf und konnte beobachten, wie sich die Gegenstände auf meinem Regal bewegt haben.

Als ich dann in der Schule war erfuhr ich, dass man das Erdbeben anscheinend nicht überall in Guadalajara spüren konnte, da über die Hälfte der Kinder angab, nichts mitbekommen zu haben.

Für mich war es eine interessante Erfahrung, da ich etwas ähnliches vorher noch nie erlebt hatte. Und wären die anderen nicht da gewesen, mit denen ich mich anschließend unterhalten habe, hätte ich es auch für einen Traum halten können, da alle Arbeiten ungerührt fortgeführt wurden und man am Verhalten der anderen nicht ablesen konnte, dass die Erde gerade für ca. 10 Sekunden gebebt hatte.

9.12.2015

Feria International del Libro (FIL)

Die Feria International del Libro ist die größte Buchmesse in ganz Amerika. Sie beginnt immer am letzten Samstag im November und dauert 9 Tage. Jedes Jahr gibt es ein Gastland bzw. eine Gastregion. Dieses Jahr war der Ehrengast Großbritannien. Insgesamt waren auf der FIL 1983 Verlage und 44 Länder vertreten und es kamen 792000 Besucher aus den verschiedensten Regionen.

Auch ich war zusammen mit einer Freundin aus der Schule, die genauso eine Leseratte ist wie ich, dort.

Normalerweise muss man Eintritt zahlen, wir hatten allerdings Glück, da meine Freundin eine Freundin getroffen hat, die schon Karten hatte und wir wurden zusammen mit ihr von einem Sicherheitsmann durchgelassen.

Da die FIL eine internationale Buchmesse ist, gab es auch einen Stand mit deutschen Büchern und sehr viele englische, sodass ich mich für die nächste Zeit mit Lesestoff versorgen konnte. Zwar habe ich mir vorgenommen auch anzufangen auf spanisch zu lesen, allerdings ist mir deutsch und englisch immer noch lieber.

Da wir beide zusammen arbeiten haben wir uns auch an den Ständen umgesehen, an denen Bücher in Braille ausgestellt wurden. Nachdem wir unsere Lehrerausweise vorgezeigt haben, hat jeder von uns ein Ansichtsbuch geschenkt bekommen. Somit habe ich jetzt zum Braille üben, eine Version von Alice im Wunderland auf spanisch.
Auch die Schule hat von unserem Besuch profitiert: Wir bekommen 25 Bücher in Braille geschenkt, die zukünftig unseren Kindern zugute kommen werden.

29.11.2015

Limonenernte

Dieses Wochenende wurden wir von unserem Mentor auf seine „Rancho“ außerhalb von Guadalajara eingeladen. Eine „Rancho“ ist ein Haus, dass sich außerhalb der Stadt und auch ein kleines Stückchen außerhalb des nächsten Dorfes befindet und ein relativ großes Gelände hat.

Hier auf dem Land ist es sehr ruhig: Kein Straßenlärm, keine Leute. Das Einzige was man hier hört sind die Tiere: viele Vögel, ein paar Schafe, ein Hund und der Wind in den Bäumen.

Die Landschaft ist hier sehr trocken und es wachsen andere Pflanzen wie bei uns: Kakteen, Weihnachtssterne, Bananen, Limonen und vieles mehr. Auch die frei lebenden Tiere sind andere. Ich habe zum ersten Mal einen Kolibri in freier Wildbahn gesehen. Und es ist auch so, dass die Zugvögel nicht von hier wegfliegen, sondern aus Canada zu uns kommen.

Mein Highlight dieses Wochenendes  war jedoch die Limonenernte. Im Garten unseres Mentors wächst ein Limonenbaum, der zur Zeit voll mit Limonen hängt, obwohl dieses Jahr schon drei Mal ein Teil der Limonen abgeerntet wurden. Ich durfte helfen einige der Limonen zu pflücken und anschließend ein paar mit zu mir nehmen, um mir „augua de limon“ zu machen. Außerdem haben wir auch Limonentee gemacht, indem wir einfach ein paar Blätter des Baumes aufgekocht haben. Mit Honig schmeckt dieser sehr lecker. Was ich vorher noch nicht wusste: Limettenbäum haben kleine Dornen und mir sind sie auch erst aufgefallen, als ich mich gestochen habe.

Es war ein sehr schönes und entspannendes Wochenende, wobei es sich vom Gefühl her eher in den August einordnen lassen würde.  In der Sonne hat es sich immer noch wie 28 °C angefühlt, während es bei euch schon schneit, wie ich gehört habe. Das habe ich vorher auch noch nicht erlebt: Am ersten Advent einen Spaziergang im T-Shirt machen und dabei schwitzen.

 

25.11.2015

Comida a ciegos

Heute war ein besonderer Tag in Helen Keller. Der Unterricht endete für alle Kinder bereits um 12 Uhr und fast alle Maestras fuhren zu den Gebäuden der neuen Schule (im August wird die Schule vermutlich  umziehen). Dort fand „La Comida a ciegos“ (Blind Essen) statt. Bevor unsere Gäste kamen, haben wir noch schnell die letzten Dinge erledigt Aufgaben verteilt und eine kurze Führung durch die Räume der Schule bekommen.

Das neue Gebäude der Schule ist bei gutem Verkehr ca. 40 Minuten von der aktuellen Schule entfernt und doppelt so groß. Während das Erdgeschoss mit den Klassenzimmern, dem Essraum und der Küche fast fertig ist, besteht der zweite Stock lediglich aus unverputzten Mauern und es ist noch nicht zu erkennen, was einmal, wo sein soll. Ich persönlich bin sehr begeistert von den zukünftigen Räumen der Schule und ein bisschen traurig, dass ich mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit nicht erleben kann, wie die Kinder die neue Schule entdecken und erobern werden.

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eines der Klassenzimmer

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Es wird sogar eigene Bibliothek geben!

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Die neue Schule von außen

Nach unserer kleinen Führung sind schon die ersten Gäste eingetroffen. Viele von uns waren nervös, da viele wichtige Leute da waren: Spender, Leute der Regierung und einige Journalisten. Zunächst gab es einen „normalen“ Empfang, so wie man ihn sich generell vorstellt: es wurden im Eingangsbereich verschiedene Getränke angeboten und man stand in Grüppchen zusammen und unterhielt sich. Erst als gegen 15 Uhr fast alle der ca. 100 Gäste eingetroffen waren, fing der Mittag an ungewöhnlich zu werden: Alle wurden gebeten sich zusammen mit ihren „companeros de la mesa“ in einer Reihe aufzustellen, wo dann jeder eine Augenbinde ausgeteilt bekam, zusammen mit der Bitte diese aufzuziehen. Anschließend wurden die Leute tischweise von jeweils einer Maestra zu ihren Plätzen geführt, wo gleich die erste Herausforderung auf sie wartete: das Hinsetzen und Erkunden des eigenen Sitzplatzes. An jedem Tisch saßen zwischen 10 und 12 Leute, denen jeweils eine oder zwei Maestras zugeteilt waren. Nach einigen Begrüßungsworten, wurden die verschieden Essenstechniken erklärt, die auch unsere Kinder beim Essen verwenden:

  • Technik der Uhr: Man stelle sich vor, der Teller sei ein Ziffernblatt. Wenn man dies tut kennt man die Positionen der einzelnen Zahlen auf dem Teller. Diese Technik wird genutzt um zu erklären, wo sich noch Essen befindet, bzw. was wo ist (z.B. Dir fehlt noch etwas Reis auf 8 Uhr).
  • Größe/Menge des Essens herausfinden: Dies kann man indem man  vorsichtig mit der Rückseite der Gabel den ganzen Teller abtastet. Gleichzeitig spürt man die Konsistenz des Essens und kann erraten, was man auf dem Teller hat.
  • Schneiden: Eine sehr wichtige Frage: Mit welcher Seite meines Messers kann ich schneiden? Um dies herauszufinden fährt man mit einer Seite des Messers über eine Seite der Gabel. Gibt es ein raspelndes Geräusch und spürt man Widerstand, ist man mit der Schneidefläche über die Gabel gefahren. Geschnitten wird immer direkt hinter der Stelle, in die man mit der Gabel eingestochen hat, damit man nicht verrutscht und auch tatsächlich das schneidet, was man essen möchte.
  • Dafür sorgen, dass das Essen auf dem Teller bleibt: Wenn möglich sollte man das Essen auf die Gabel aufspießen. Funktioniert dies nicht oder möchte man das Essen auf die Gabel schieben, positioniert man das Messer auf 6 Uhr, und bewegt die Gabel in Richtung 6 Uhr bis sie das Messer berührt. Das Messer ist dabei eine Barriere, damit man das Essen nicht vom Teller schiebt.

Anschließend ging es dann ans Essen. Es gab drei Gänge: Salat, Hauptspeise (Fleisch mit Gemüse) und einen Nachtisch (Kuchen). Manche der Leute haben sich beim Essen besser angestellt als andere. Für mich war sehr interessant zu sehen, wie oft eine leere Gabel zum Mund geführt wurde oder wie viele Leute, die sonst so vornehm erscheinen nicht widerstehen konnten, kurz mit den Fingern nachzuhelfen um das Essen auf die Gabel oder in den Mund zu befördern.

Steffi und ich hatten keinen eigenen Tisch zugeteilt bekommen, was mir eigentlich ganz recht war, da mein Spanisch noch nicht gut genug ist um irgendwelchen Politikern zu erklären, wie sie blind am besten essen. Unsere Aufgabe bestand hauptsächlich darin, die Leute, die aufs Klo mussten, dorthin zu begleiten, wo sie dann die Augenbinde abnehmen konnten. Dabei hat man erst gemerkt, wie hilflos diese Menschen waren und wie viel Angst sie hatten. Meistens hat es sich dadurch ausgedrückt, dass sie sich richtig fest an meiner Schulter festgehalten haben, um mich ja nicht zu verlieren und an dem Tempo, in dem sie sich bewegt haben. Mir ist heute mal wieder klar geworden, wie selbstständig unsere Kinder, die quer durch den Hof rennen und weitestgehend ohne Hilfe essen,  eigentlich sind.

Obwohl ich heute erst um 17 Uhr zu Mittag essen konnte und zwei Stunden später (gegen 19:30 Uhr) Zuhause war, war heute ein sehr schöner und interessanter Tag für mich und die Zeit hat sich echt gelohnt.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die Kunst des „Blind Essens“ geben und habe vielleicht dem ein oder anderem Lust gemacht, selbst einmal auszuprobieren, blind zu essen. Ich kann nur sagen: Schnappt euch einen Freund, der euch im Zweifelsfall hilft und probiert es aus. Es lohnt sich auf jeden Fall und danach werdet ihr es sehr viel mehr schätzen, sehen zu können.

12.11.2015

Pausen

Es ist immer wieder erstaunlich, was die Kinder alles so können. Hier folgen ein paar ganz normale Bilder, wie sie sich in den Hofpausen abspielen:

18 Pause (3) 18 Pause (6) 18 Pause (9) 18 Pause (12)8 Schule (28)

Außerdem wird nebenbei noch Fangen und Verstecken gespielt. Wobei sich einige besser zu verstecken wissen als andere. Die Kleinen verstecken sich manchmal indem sie sich einfach flach auf den Boden legen während manch andere sich schön unter die Sitzbänke setzen.

04.11.2015

Día de muertos

Am Montag wurde hier der „Día de muertos“ gefeiert. Dieser Tag entspricht etwa Allerseelen in Deutschland, wird hier aber ganz anders gefeiert und ist einer der größten Feiertage. In der Nacht des 2. Novembers kommen angeblich die Seelen der Toten aus dem Totenreich zurück um die Lebenden zu besuchen.

Bereits Anfang Oktober beginnen die Vorbereitungen für diesen Tag: überall konnte man Totenköpfe aus Zucker, „pan de muertos“ und Skelette aus Plastik kaufen. Alle Geschäfte werden mit Abbildungen von Totenköpfen und Skeletten dekoriert.

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der Altar auf unserem Stockwerk – da wir viele Medizinstudenten haben, hatten wir ein komplettes Skelett und einen Totenkopf, die wir nutzen konnten

Ein paar Tage vor dem 2. November werden die Totenaltäre hergerichtet. Sie sind der größte Teil der Tradition. Die Altäre haben normalerweise 2, 3 oder 7 Stufen und fast alles, was auf ihnen dargeboten wird (die „ofrendas“), hat eine Bedeutung:

  • 2 Stufen: symbolisieren Himmel und Erde
  • 3 Stufen: symbolisieren Himmel, Erde und Unterwelt
  • 7 Stufen: symbolisieren die 7 Stufen, die eine Seele durchlaufen muss um in Frieden ruhen zu können
  • Gegenstände mit einem starken Geruch (z.B Räucherstäbchen oder Kräuter): sollen den Ort von bösen Geistern reinigen, damit die Seelen ohne Gefahr kommen können
  • Bogen über dem Altar: symbolisiert das Tor zur Unterwelt
  • Kerzen: sollen die Seelen führen
  • Wasser und Seife: damit der Geist sich reinigen kann
  • Essen (nach dem Geschmack der Verstorbenen): soll den Hunger des Toten stillen
  • Getränke: sollen den Durst des Toten stillen
  • Krepp-Papier-Ketten mit verschiedenen Szenen: symbolisieren den Grat zwischen Leben und Tod
  • Kreuz aus Salz: dient zur Reinigung des Geistes
  • Kreuz aus Asche: solle den Seelen aus dem Fegefeuer helfen in den Himmel zu kommen indem sie darauf treten und ihre Sünden bereuen
  • „Cempasúchil“ (gelb.orangene Blumen): sollen die Toten führen (angeblich können die Toten die Farben Gelb und Orange am besten sehen
  • Totenköpfe aus Zucker
  • Persönliche Gegenstände / Foto der Person, der der Altar gewidmet ist

Auch hier im Wohnheim hatten wir hier pro Stockwerk einen Altar den wir gemeinsam aufgebaut haben und auch ich habe geholfen. Es war sehr interessant zu sehen, wie er Schritt für Schritt entsteht.

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als „Catrina“ verkleidet

Natürlich haben wir den „Día de muertos“ auch in der Schule gefeiert. Zunächst wurde natürlich alles dekoriert: überall hingen Skelette und Totenköpfe, die die Kinder gebastelt hatten. Viele Kinder kamen am Tag selbst als „Catrinas“ (ein weibliches Skelett, das symbolisch für den „Día de muertos“ steht) verkleidet und zwischen den Lehrern gab es einen Wettbewerb, wer die schönste „Catrina“ ist. Nachdem den Kindern die Symbole auf den Altären erklärt wurden gab es für alle heiße Schokolade und das obligatorische „pan de muertos“ (schmeckt ein bisschen wie Berliner ohne Füllung)

Die Stimmung am „Día de los muertos“ ist prinzipiell eine ganz andere wie die an Allerseelen in Deutschland. Hier sind alle froh und es wird richtig gefeiert und von einer eher gedrückten, traurigen Stimmung ist hier nichts zu merken. Generell wird geht man hier mit dem Thema „Tod“ viel offener umgegangen. Er gehört einfach zum Leben dazu und man konfrontiert selbst die kleinsten Kinder damit.

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Totenköpfe aus Zucker

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pan de muertos

Ich finde es ein bisschen schade, dass der Einfluss von den USA so groß ist, dass manche Leute lieber Halloween statt den „Día de muertos“ feiern, während andere einfach 3 Tage durchfeiern und wieder andere sich energisch gegen Halloween wehren und auf den Traditionen beharren.

Ich persönlich fand den Tag ziemlich interessant und besonders die Altäre haben mich beeindruckt. Auch die Tatsache, dass viele Leute hier tatsächlich an Geister glauben.

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01.11.2015

Las Fiestas de Octubre

20 fieastas de octubre (2)Gestern, also am letzten Tag im Oktober war ich mit ca. 50 chicas und 4 Schwestern aus dem Wohnheim auf den „Fiestas de Octubre“, die dieses Jahr 50. Jubiläum gefeiert haben. Zunächst wusste ich nicht, was ich mir unter den fiestas vorzustellen habe, und bin einfach mal mitgegangen.

Es hat sich dann herausgestellt, dass die „fiestas“ ein „ganz normaler Jahrmarkt“ sind, bei dem es genau die gleichen Fahrgeschäfte (juegos = Spiele genannt) gibt wie bei uns: ein Autoscooter, ein Riesenrad, ein Karussell, ein Kettenkarussell und vieles mehr. Vom Riesenrad aus konnte ich dann zum ersten Mal sehen, wie groß die Stadt eigentlich 20 fieastas de octubre (18)ist. Zwar hatte ich schon bei meiner Ankunft die Möglichkeit Guadalajara aus der Luft zu betrachten, allerdings war es da schon spät und viele der Lichter waren aus. Gestern dagegen war die gesamte Stadt hell erleuchtet und egal in welche Richtung ich geschaut habe, waren bis zum Horizont Lichter zu sehen.

Auch viele andere Stände waren denen in Deutschland sehr ähnlich. Nur das Essen war natürlich anders. Fast alle der Mädels haben sich „tostilocos“ gekauft, weshalb ich beschlossen habe, es auch einmal zu probieren. Zunächst wird eine Chipstüte seitlich aufgeschnitten. 20 fieastas de octubre (22)Darauf kommen dann Gurken, Erdnüsse, Würstchen (die hier ganz anders schmecken – ein bisschen mehlig), eine Süßigkeit mit Chili, salsa und natürlich nicht zu vergessen: Chile und Limone. Doch nichts von den bisher genannten Sachen hat mich besonders überrascht, nur etwas, was zunächst aussah wie Zwiebeln und sich dann beim reinbeißen als „Cueritos“ – Schweineschwarte herausgestellt hat fand ich sehr befremdlich. Man muss bedenken, dass das ganze mit Chips zusammen gegessen wurde.

Es war ein schöner Nachmittag/Abend, wobei fast alle gefroren haben und mit einem Pulli rumgelaufen sind, während ich nur ein Top an hatte (es waren selbst abends noch 20°C).

20 fieastas de octubre (6) 20 fieastas de octubre (19) 20 fieastas de octubre (5)

23.10.2015

Braille

Braille ist eine Blindenschrift, die in der Schule alle Kinder ab der 1. Klasse lernen. Auch ich habe angefangen Braille zu lernen, ganz einfach aus dem Grund, dass ich auch in der 1. und 2. Klasse arbeite und den Kindern Wörter oder auch nur Buchstaben diktiere und das ganze dann auch korrigiere, bzw. überprüfe, ob sie das Diktierte tatsächlich geschrieben haben oder einfach nur behauptet, sie seien fertig.

Bei der Braille-Schrift besteht jedes Zeichen aus Punkten, die innerhalb eines Rechteckes angeordnet sind. Es gibt 6 mögliche Stellen um einen Punkt zu setzten. Jede Stelle hat eine Nummer:IMG_2953

9 Schule (1)Das Alphabet ist logisch aufgebaut. Um das Alphabet und die Zahlen zu können muss man theoretisch nur 11 Buchstaben lernen: die ersten 10 Buchstabendes Alphabets und das „W“. Ab dem elften Buchstaben wird immer ein Punkt links unten hinzugefügt (Stelle 3). Somit sieht das „K“ aus wie das „A“, lediglich mit einem Punkt mehr. Ab dem „U“ wird ein weiterer Punkt, rechts unten (Stelle 6), hinzugefügt. Das „W“ muss dabei allerdings außen vor gelassen werden.

Die Zahlen 1-9 und 0 sind die Buchstaben A-J. Um sie als Zahl kenntlich zu machen wird vor die Zahl ein Zeichen gesetzt (3,4,5,6).

Das Zeichen für

Das Zeichen für „Zahl“

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eine der Schreibmaschinen

Damit Blinde diese Schrift auch lesen können, werden die Buchstaben mit Maschinen in Papier gedrückt (die meisten von euch kennen das sicher von Arzneimittelpackungen). Wenn man selbst einen Text in Braille verfassen möchte gibt es dafür spezielle Schreibmaschinen mit 7 Tasten:  eine für jede Stelle und eine Leerzeichentaste. Möchte man z.B. den Buchstaben „T“ schreiben, muss man die Tasten 2,3,4, und 5 gleichzeitig drücken und der Buchstabe wird dann ins Papier eingedrückt.

Die Kinder in der Schule bekommen Braille beigebracht, indem sie zunächst ein kleines Brett mit 6 Löchern und 6 Stäbchen bekommen, die in die Löcher passen. Zunächst müssen sie dann lernen welches Loch, welche Nummer ist um dann anschließend erklärt bekommen zu können, welcher Buchstabe an welcher Stelle eine Erhebung hat.

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Braille wird stets mit beiden Händen gelesen

Ich finde es echt bewundernswert, wie schnell die älteren Kinder diese Schrift lesen können. Ich selbst finde es sehr schwer zu spüren, ob es jetzt 2 oder 3 Punkte sind, die ich spüre und ob sie direkt übereinander stehen oder einer verschoben ist. Auch die kleineren Kinder, die gerade anfangen Braille zu lernen haben beim Lesen teilweise Schwierigkeiten, was aber auch darauf zurückzuführen ist, dass sie eben noch nicht lesen können. Es ist dann das gleiche Phänomen wie bei sehenden Kindern zu beobachten: Sie erkennen die einzelnen Buchstaben, können sie aber nicht zu einem Wort zusammenfügen.

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Ein Buch in Braille

Was mich zunächst völlig überrascht hat ist, dass es Bücher in Braille gibt, die zweiseitig beschrieben sind. Ich hatte das für unmöglich gehalten,  da meiner Meinung nach die Buchstaben sich dann überlagern würden und man nichts mehr lesen könnte. Weit gefehlt. Es wird einfach leicht versetzt geschrieben, sodass die Buchstaben sich nicht gegenseitig „auslöschen“. Man spürt tatsächlich lediglich die Erhebungen und nicht die Vertiefungen. Als Blinder ist es so tatsächlich möglich das Buch zu lesen, als Sehender mit den Augen allerdings sehr, sehr aufwendig, da man alle Punkte, auch die auf der Rückseite sieht und das Ganze auf den ersten Blick nur wie ein riesiges Chaos wirkt.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich auch beim Lesen von Braille meine Augen benutzten kann. Auch ich habe schon „Hausaufgaben“ aufbekommen, bei denen ich einen Text in Braille übersetzten sollte. Ich durfte sogar schon einen Text auf der Schreibmaschine  eines Kindes schreiben. Am Anfang musste ich dabei sehr viel nachdenken. Gegen Ende hin habe ich einige Buchstaben schon fast automatisch tippen können. Ich kann also sagen, dass Braille schreiben und lesen, genau wie alles andere auch, einfach viel, viel Übung braucht.

17.10.2015

Klassenarbeit

Diese Woche war die Woche der Klassenarbeiten in der 1. und 2. Klasse. Ich war allerdings nur bei der Mathearbeit mit der „caja de mathemática“ (Mathematik-Kiste) dabei, da alle anderen Arbeiten wie Mathematik mit der Schreibmaschine, Spanisch und Naturkunde vor der Hofpause stattfanden, also der Zeit in der ich in der Vorschule bin.

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caja de mathemática

Die „caja de mathemática“ ist eine Kiste, die aus zwei Teilen besteht, die man zum transportieren zusammenklappen kann. Auf der linken Seite werden die Zahlen und Rechenzeichen in einem bestimmten Muster einsortiert, dabei hat fast jedes Kind sein eigenes logisches Muster. Auf der rechten Seite kann geschrieben werden, indem die Zahlen in die dafür vorgesehenen Löcher gesteckt werden. Die Zahlen sind Erhebungen auf Quadraten und die Kinder müssen sie, um sie zu lesen, ertasten. Dies ist gar nicht so einfach, da die Seiten der Quadrate kürzer als ein Zentimeter sind. Oft werden die Zahlen 3 und 5 verwechselt, da sie sich sehr ähnlich sind, genau wie 6 und 9.

13 (10)Die Klassenarbeit lief im Grunde genauso wie der normale Unterricht ab, nur mit dem Unterschied, dass wir den Kindern nicht helfen durften, sondern beobachten sollten. Wir haben also notiert, was die Kinder schreiben und ob sie richtig schreiben. Es gibt nämlich ein paar Regeln, die befolgt werden sollen: Zwischen zwei Zahlen muss ein Loch frei bleiben, Zahlenreihen sollten in einer Zeile geschrieben werden und idealerweise sollten die Zahlen nicht auf dem Kopf oder auf der Seite stehen. Auch beim Schreiben von Rechenaufgaben gelten bestimmte Regeln, wo die Rechenzeichen und das Ergebnis zu stehen haben. Manchmal mussten wir ganz schön schnell schreiben, da die Kinder, wenn sie mit einer Aufgabe fertig sind, die Schreibfläche sofort für die nächste Aufgabe frei machen. Leider kann man die cajas nicht so einfach einsammeln wie ein auf der Schreibmaschine geschriebenes Blatt Papier.

11 Schule (9)Die Aufgaben der Kinder waren je nach ihrem Wissensstand und Können unterschiedlich. So mussten einige der ersten Klasse lediglich die Zahlen von 1 bis 10 und von 10 bis 1 schreiben, während andere schon einfache Aufgaben wie 1+2, 1+3,… 1+10 schreiben und rechnen sollten oder verschiedene zweistellige Zahlen diktiert bekommen haben. Die Kinder aus der zweiten Klasse mussten bereits schwerere Aufgaben rechnen.

Auch haben die Kinder nicht wie bei „normalen“ Klassenarbeiten in anderen Schulen ein Blatt mit den Aufgaben bekommen, sondern die Aufgaben wurden jedem Kind einzeln gesagt.

Im Ganzen war die Stimmung genauso wie im Unterricht und einige der Kinder haben die Situation nicht ernst genommen und lieber geträumt als zu arbeiten.

10.10.2015

Verantwortung

Ich bekomme in der Schule von Woche zu Woche immer mehr Verantwortung übertragen. Einerseits macht es mich stolz, dass mir die Leute in der Schule vertrauen und andererseits bin ich teilweise verunsichert, ob ich die Verantwortung und die damit verbundenen Erwartungen erfüllen kann.

Am Mittwoch war ich zum ersten Mal eine relativ lange Zeit (ca. 45 min) mit 4 Kindern alleine: An diesem Tag waren insgesamt 5 Kinder in der Klasse da. Beim Spielen, kurz vor dem Frühstück bekam eines der Kinder einen leichten Schlag aufs Auge. Durch seine Krankheit sind die Augen dieses Kindes besonders empfindlich und es kann durch solch einen Schlag sein Sehvermögen endgültig verlieren (Im Moment kann es noch sehr wenig und verschwommen sehen). Dementsprechend hatte es heftige Schmerzen und meine Lehrerin ist mit ihm nach unten gegangen um es zu versorgen und die Eltern zu informieren. Ich war also mit den restlichen Kindern während des gesamten Frühstücks alleine. Es war sehr schwierig sie alle unter Kontrolle zu halten, da ich quasi immer an drei Orten gleichzeitig sein musste. Alle Kinder hatten Joghurt dabei. Joghurt essen ist mit kleinen, sehenden Kindern oft schon schwer und endet in einer Sauerei, bei blinden Kindern kommt dann noch erschwerend hinzu, dass ihnen die Position des Joghurtbechers und des Löffels nicht immer ganz klar ist. Eine weitere Schwierigkeit war, dass zwei der Kinder Autisten sind und man sie manchmal sehr schwer erreicht. In diesem Moment habe ich mich ein bisschen überfordert gefühlt, kann aber rückblickend sagen, dass alles eigentlich ganz gut geklappt hat.

Die nächste größere Verantwortung, die ich übertragen bekommen habe, war der Englischunterricht am Donnerstag. Die eigentliche Lehrerin konnte nicht kommen, weshalb ich zunächst davon ausgegangen bin, dass der Unterricht ausfällt. Am Mittwoch wurde mir jedoch mitgeteilt, dass man es begrüßen würde, wenn ich den Unterricht statt ihr vorbereiten und auch durchführen würde. Ich war von dieser Idee zunächst nicht besonders begeistert, da mein Spanisch zwar schon besser ist wie vor einem Monat aber einige der Kinder ab und zu, wenn sie keine Lust haben zu arbeiten, einfach behaupten, dass sie mich nicht verstehen. Außerdem haben mich noch nicht alle Kinder als „Maestra“ akzeptiert. Ich habe dennoch zugestimmt und mich abends hingesetzt um den Unterricht vorzubereiten. Als Vorlage habe ich mir dazu die vorherigen Englischstunden genommen, was ganz gut funktioniert hat. Als ich fertig mit planen war kam Steffi zu mir um mir mitzuteilen, dass sie am folgenden Tag doch da sei und mir beim Unterricht helfen könnte. In dem Moment fiel mir ein Stein vom Herzen. Der Unterricht lief dann ganz gut: Die Großen waren sehr zuvorkommend und haben größtenteils sehr schön mitgearbeitet. Bei den Kleinen war der Unterricht ein bisschen schwieriger, obwohl nur fünf Kinder da waren. Zusätzlich bekamen wir auch noch Hilfe von zwei Schülerinnen, die mit einem Teil ihrer Klasse regelmäßig zu uns an die Schule kommen um bei kleineren Arbeiten zu helfen. Sie konnten dann auch die letzten Sprachbarrieren beheben.

05.10.2015

Tlaquepaque

14 (14)Am Wochenende war ich mit Sophie, einer ehemaligen Freiwilligen in Tlaquepaque (Nahuatl: „Ort auf lehmigen Boden“). Tlaquepaque ist heute ein Stadtteil von Guadalajara in dem viel für Mexiko typischen Kunsthandwerk verkauft wird.

Zunächst mussten wir aber erst einmal zu diesem Viertel gelangen. Das gestaltete sich im Moment vom Wohnheim aus ein bisschen schwierig, da hier eine dritte Metrolinie gebaut wird und es deshalb mehrere Großbaustellen gibt und die Busse teilweise große Umwege fahren müssen. So haben wir anstatt wie mit dem Auto zwischen 1 und 1 1/2 Stunden, 2 1/2 Stunden gebraucht bis wir in Tlaquepaque angekommen waren. In Deutschland wäre ich niemals auf die Idee gekommen für 2 Stunden so lange zu einem Ort innerhalb der gleichen Stadt zu fahren, bzw. ich hätte mich tierisch darüber aufgeregt, dass es so lange dauert. Hier war das überhaupt kein Problem und es ist mir erst im Nachhinein aufgefallen, dass wir so lange gebraucht haben.

Vor Ort waren wir hauptsächlich in der Fußgängerzone unterwegs, die von vielen verschiedenen Geschäften gesäumt ist, die alle typischen Kunsthandwerk verkaufen.

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Auf einem Platz haben wir dann sogar Valores de Papantla (Flieger von Paplanta) gesehen. Der Tanz der Flieger ist ein zeremonieller Tanz verschiedener indigener Völker. 5 bunt gekleidete Männer klettern einen mindestens 20 Meter hohen Stamm hoch, an dessen Spitze eine quadratische Form befestigt ist. 4 von den Männern sind mit Seilen an dem Stamm befestigt und hängen kopfüber nach unten. Sie symbolisieren die Himmelsrichtungen. Durch drehen des Quadrates werden die Seile an denen die Männer befestigt sind in 13 Runden abgewickelt bis sie den Boden erreichen. Die Zahl 13 symbolisiert die Himmel des Sonnengotts. Mit der 4 der Himmelsrichtungen multipliziert ergibt sich die Zahl 52, ein Symbol für den Maya-Kalender, der einen 52-Jahre-Zyklus hat. Der 5. Mann bleibt auf der Spitze sitzen. Er symbolisiert die Sonne. Er spielt während der ganzen Zeit eine Flöte (symbolisiert Vogelstimmen) und eine Trommel (symbolisiert die Stimmen der Götter).

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Insgesamt war es ein sehr gelungener Tag.

29.09.2015

Wenn es hier regnet

Im Moment ist hier in Mexiko Regenzeit. Bisher habe ich allerdings davon noch nicht so viel mitbekommen. Klar es hat abends ein paarmal heftig geregnet, aber da war ich immer im Haus und am nächsten Morgen war nichts mehr zu sehen.

Heute war ich zum ersten Mal draußen, als es angefangen hat zu regnen. Ich kann mich nicht daran erinnern so etwas in Deutschland schon einmal erlebt zu haben: Es hat ca. eine halbe Stunde geregnet, genau die Zeit die ich gebraucht habe um von der Schule, zur Haltestelle und dann in den Bus zu kommen.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass niemand auf den Regen vorbereitet war, denn niemand hatte eine Jacke, geschweige denn einen Regenschirm dabei. Und ich war trotz Regenschirm an den Beinen total durchnässt, da es sich nicht hat vermeiden lassen durch knöcheltiefes Wasser zu warten.

Es ist schwer zu beschreiben, wie heftig es geregnet hat. Deshalb sind hier ein paar Fotos:
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Das erstaunliche für mich war, dass eine halbe Stunde später am Wohnheim fast nichts mehr vom Regen zu sehen war und mir schon wieder die ersten Jogger entgegengekommen sind.

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Alles, was vom Regen noch übrig ist.

23.09.2015

Die Helen-Keller-Schule & meine Arbeit6 Unabhänngigkeitsfeier 1 (58)

Die Helen-Keller-Schule ist eine Schule für blinde, sehbehinderte und normal sehende Kinder. Teilweise haben die Kinder zusätzlich zu ihrer Sehbehinderung weitere Einschränkungen.

Um 9 Uhr beginnt für mich der Arbeitstag in der Schule. Zunächst sammeln sich alle Kinder im Schulhof und stellen sich nach Klassen sortiert auf um dann gemeinsam in die Klasse zu gehen. Dazu bilden die Kinder Reihen („trenisito“ = Zug) indem sie sich an den Schultern des Vordermannes festhalten. Der Erste der Reihe wird bei den Kleinen dann von einem Lehrer geführt, während die Großen den Weg alleine finden.

9 Schule (23)

Mit der Hilfe von Wäscheklammern lernen die Kinder was „viel“ und „wenig“ ist. Hier mussten sie viele Wäscheklammern an den Rand der Schüssel klemmen.

Vormittags bin ich zunächst in der „prescolar 1“, der Vorschule. Hier bekommen die Kinder grundlegende Dinge wie Händewaschen, wie man isst oder die Bedeutung von Wörtern wie „oben“, „untern“, „innen“, „außen“ und vieles mehr beigebracht. Die Klasse besteht aus 8 Kindern, von denen aber bisher noch nie mehr als 5 gleichzeitig in der Schule waren. An mehreren Tagen kam sogar nur ein Kind in den Unterricht. Dies liegt daran, dass die Kinder von überall aus der Stadt und aus den unterschiedlichsten Verhältnissen kommen. So haben manche Kinder einen Schulweg von mehr als 2 Stunden und manche Familien können es sich nicht leisten den Bus zur Schule für sich und ihr Kind täglich zu bezahlen. Der Unterricht in prescolar beginnt immer mit ein paar Liedern zu denen getanzt, gesungen und mit Instrumenten gespielt wird. Anschließend gibt es meistens ein Thema z.B. „rechts und links“, um das sich dann der Unterricht dreht. Um 11 Uhr wird mit den Kindern gefrühstückt. Bis sie um 12 Uhr von ihren Eltern abgeholt werden haben sie dann Pause.

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Die Gitarre ist das Lieblingsinstrument der Kinder.

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In der Pause klettern die Kinder mit Vorliebe.

11 Schule (6)

Aus was besteht das Meer?

9 Schule (62)

Wir üben das Zeichen für „Zahl“ in Braille, der Blindenschrift.

Nachdem die Kleinen gegangen sind, bin ich zusammen mit Steffi in der 1. und 2. Klasse. Hier lernen die Kinder langsam die Blindenschrift, also zu lesen, zu schreiben und auch zu rechnen. Sie sind alle unterschiedlich weit in dem, was sie können und man muss jedem Kind alles einzeln zeigen, da man nicht wie in einer regulären Schule alles an der Tafel erklären kann. Um 13:30 Uhr endet hier der Unterricht.

11 Schule (29)Einige der Kinder gehen jetzt nach Hause. Der Rest bleibt zum Mittagessen und zum Nachmittagsunterricht. Beim Mittagessen helfen wir immer indem wir den Kindern zeigen, wie sie mit Gabel und Löffel essen können, sie dabei ermahnen nicht mit den Händen das Essen/den Teller abzutasten und ihnen anschließend beim Spülen ihres eigenen Geschirrs helfen.

Nach den Kindern dürfen wir essen. Dies sollte eigentlich um 14 Uhr sein, zieht sich meist aber bis mindestens 14:15 Uhr, da immer ein, zwei Kinder dabei sind, die langsamer essen.

Der Nachmittagsunterricht ist je nach Wochentag unterschiedlich. Es werden folgende Fächer unterrichtet: Sport, Englisch, Musik, Tanzen, Computer und Schwimmen. Steffi und ich helfen hier, wo unsere Hilfe gerade gebraucht wird. Um 16:30 Uhr endet dann der Unterricht für alle.

Die Kinder sind von Anfang an alle sehr offen gewesen und haben mich vom ersten Tag an vollgeredet, wobei es sie nicht gestört hat, dass ich sehr wenig verstanden habe. Mittlerweile verstehe ich schon viel mehr von dem, was sie mir erzählen, doch es ist immer noch sehr anstrengend ihnen zuzuhören, da sie oft auch undeutlich sprechen.

Prinzipiell finde ich es immer wieder erstaunlich, wie viel die Kinder ohne Hilfe tun können oder wie sie ihre anderen Sinne einsetzen. Ein Beispiel: Nach dem Unterricht blieb eine Jacke liegen. Einer der älteren Jungen nimmt sie, riecht daran und konnte ohne Zögern sagen, wem diese Jacke gehört.

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ein Mensch aus Knete um die Körperteile zu lernen

8 Schule (32)

Mit den Kleinen in einer Eisdiele um die Ecke

8 Schule (52)

Die Schüler, die sich in einer Woche am besten verhalten haben bekommen eine Medaille.

18.09.2015

Mein Heimweg heute

Heute musste ich mit einem andern Bus Heim fahren: Das erste Mal mit einer fremden Linie, einem fremden Weg und das ganze alleine. Da im Bus keine Haltestellen angezeigt werden, wusste ich nur: Ich muss ca. eine Viertelstunde fahren und dann, wenn ich die Avenida Pablo Neruda (eine quasi nicht übersehbare Straße) kreuze aussteigen. Ich bin also in den Bus eingestiegen, habe mich beim Busfahrer versichert, dass der Bus in die richtige Richtung fährt und habe mich hingesetzt.

Anscheinend war mein Tag aber doch anstrengender, als gedacht, denn ich hatte den gesamten Weg über mit dem Schlaf zu kämpfen und mir ist der Kopf immer wieder zur Seite gesackt. In einem Moment dachte ich, die Gegend hier kommt mir bekannt vor und im nächsten Moment war ich an einem großen Platz, an dem ich schon einmal mit Steffi und Franzi war. Allerdings hat mir mein Gefühl gesagt, dass ich in die andere Richtung fahren müsste. Da mich mein Gefühl hier aber schon öfter getäuscht hat und ich das Stadtzentrum prinzipiell immer in die falsche Richtung einordne, habe ich mir nichts dabei gedacht, denn am Anfang sehen hier alle Straßen fast gleich aus. Auch die Tatsache, dass ich eine halbe Stunde im Bus saß verwirrte mich nicht, sondern ich schob diese Tatsache auf den Verkehr. Als nach weiteren 10 Minuten mir die Gegend immer noch nicht bekannt vorkam, bin ich zum Busfahrer gegangen und habe nachgefragt, ob ich tatsächlich richtig bin. Es stellte sich heraus, dass ich wohl richtig geschlafen hatte (ich weiß nicht, wie ich das hinbekommen habe), denn er sagte mir, dass wir die Avenida schon lange gekreuzt hätten, er aber in ca. 1 1/4 Stunden dort wieder vorbei fahren würde. Wenn ich schneller da sein wollte, müsse ich in den Bus in die andere Richtung umsteigen. Also bin ich ausgestiegen, habe den Bus gewechselt und bin eine Halbe Stunde zurückgefahren.

Insgesamt habe ich also statt einer Viertelstunde, 1 1/2 Stunden gebraucht, bis ich wieder im Wohnheim war. Naja, letztendlich bin ich gut angekommen.

16.09.2015

Nationalfeiertag

Heute ist der Nationalfeiertag Mexikos, der Tag der Unabhängigkeit. Schon seit Samstag wurde die ganze Stadt und auch unser Wohnheim geschmückt und aus jedem Haus hängt die mexikanische Flagge. Da wegen des Feiertages heute keine Schule ist, haben wir gestern in der Schule schon ein bisschen vorgefeiert:

Bis um 11 Uhr war ganz normaler Unterricht. Anschließend hat sich die gesamte Schule im Schulhof versammelt um zu feiern. Jede Klasse hatte etwas vorbereitet, von Lieder bis zu Theaterstücken, die aufgeführt wurden. Meine Klasse z.B. hat mit einem Kasperletheater die Geschichte des Unabhängigkeitskrieges nachgespielt. Leider waren von ihnen nur zwei Kinder da. Bevor die Aufführungen allerdings losgehen konnten wurde natürlich die Nationalhymne gesungen und die Großen durften mit der mexikanischen Fahne einmarschieren, was eine sehr große Ehre ist.

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die Großen marschieren mit der Fahne

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beim Marschieren wird salutiert

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meine Klasse mit ihrem Stück

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die Großen erklären, für was die Farben der Fahne stehen

Im Wohnheim ging es abends dann hoch her. Auch hier sind vor dem Essen ein paar chicas mit der Fahne einmarschiert und wir haben natürlich die Nationalhymne gesungen. Nach dem Essen gab es dann Bullriding und eine Musikbox, weswegen viel getanzt wurde. Hier wird ganz anders getanzt als bei uns in Deutschland und man hat das Gefühl, dass echt jeder tanzen kann. Wer nicht tanzen kann, tanzt trotzdem und macht sich nichts daraus, weshalb das Ganze dann schon wieder professionell aussieht. Und es kommt tatsächlich niemand ums tanzen herum. Auch die Schwestern haben mitgetanzt und waren teilweise sehr große Motivatoren.

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Getränke in den Nationalfarben

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Musikbox mit Karaoke

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Bullriding – auch ich habe mich überreden lassen

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tanzen

Mir bleibt nur noch zu sagen: Viva Mexico!

12.09.2015

Wie die Zeit vergeht

Ich bin jetzt ziemlich genau eine Woche in Guadalajara.

Auf der einen Seite kommt mir die Zeit hier schon viel länger vor. Ich habe mich bereits an die Tagesabläufe gewöhnt: Das frühe Aufstehen (seit meinem Abi bin ich nicht mehr regelmäßig früh aufgestanden), mit dem Bus zur Schule, der Ablauf in der Schule, gegen 17:30 zurück kommen, Abendessen um 20:30 Uhr und dann gegen 24 Uhr schlafen gehen. Außerdem habe ich mich auch an weitere Dinge gewöhnt, die vor einer Woche für mich noch komisch waren, wie etwa dass ich mich jedes Mal abmelde, wenn ich das Wohnheim verlasse und gleichzeitig sage, wann ich wieder da bin oder dass ich mir das Zimmer mit jemandem teile, den ich vor einer Woche noch nicht gekannt habe und so gut wie nie alleine bin. Hinzu kommt, dass in dieser Woche viel passiert ist und ich viel neues zu verarbeiten habe.

Gleichzeitig kommt mir die Zeit hier aber auch viel kürzer vor. Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre, wie ich in Mexiko am Flughafen auf meinen Flieger gewartet habe und an meine Erleichterung, als ich endlich da war. Es kommt mir im Moment noch so vor, als ob ich hier im Urlaub wäre: Ich vermisse das deutsche Essen noch nicht, so wie die anderen beiden und irgendwie ist die Tatsache, dass ich hier wirklich für ein Jahr leben werde noch nicht richtig bei mir angekommen.

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Blick vom Dach des Wohnheims

08.09.2015

Dinge an die ich mich noch gewöhnen muss:

  • ans Bus fahren: das abrupte Bremsen und die vollgestopften Busse
  • daran, dass überall bewaffnete Polizisten rumlaufen und vor fast jedem Bankautomaten ein Mann mit Gewehr steht
  • an die festen Essenszeiten und das späte Abendessen (20:30 Uhr)
  • daran, dass Frühstück und Abendessen vertauscht sind: zum Frühstück gibt es Warmes (z.B. Tortilla mit Frijoles (ein Bohnenbrei)) und zum Abendessen Kaltes (z.B. Cornflakes oder Obstsalat)
  • daran, dass alle spanisch sprechen, auch wenn ich manchmal das Gefühl habe deutsche Wörter zu verstehen
  • an die Durchsagen im Studentenwohnheim zu jeder Uhrzeit
  • an den zwischenzeitlichen Lärm im Wohnheim: hier wohnen ca. 130 chicas
  • an die Bettwäsche
  • daran, dass das Klopapier hier nicht in die Toilette, sondern in den Müll daneben geschmissen wird
  • daran, dass die Kinder in der Schule mit den Händen sehen und sie mich deshalb abtasten oder auch mal in mich reinlaufen
  • an das Wetter: im Moment ist es hier noch sehr warm, trotzdem wundern sich die Mexikaner, dass wir auch abends keine Weste anhaben – wie wird das dann hier im Hochsommer?

06.09.2015

Guadalajara

Heute sind wir in das Stadtzentrum gefahren und haben uns Guadalajara ein bisschen näher angeschaut. Obwohl Sonntag ist haben hier alle Geschäfte geöffnet und es sind viele Leute unterwegs.

Ich bin zum ersten Mal Bus gefahren – ein Erlebnis für sich: Es gibt zwar öffentliche Haltestellen, diese nutzt jedoch keiner. Man stellt sich an einen Straßenrand, wartet bis der nächste Bus vorbeikommt und winkt diesem. Noch während dem Fahren öffnet der Fahrer die Tür um einen einsteigen zulassen. Kaum ist man eingestiegen fährt der Fahrer schon wieder los und kassiert währenddessen das Geld für die Fahrkarte (ca. 40 ct). Im Bus wird man dann ziemlich durchgeschüttelt und da es in keinem Bus eine Klimaanlage gibt ist das Ganze auch noch eine sehr schweißtreibende Angelegenheit. Zum Aussteigen steht man einfach auf, was der Busfahrer in seinem Spiegel sieht und anhält.

Hier sind noch ein paar Bilder:

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Ein Wettbewerb, bei dem Agaven ausgehöhlt werden um anschließend Tequila daraus zu machen.

3 Guadalajara (26)

traditionelle Tänzer

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3 Guadalajara (41)

Guadalajara ist sehr grün: es gibt viele kleine Parks und alle Straßen sind voller Bäume und Palmen

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die Kathedrale

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die Universität

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ein OXXO: winzige Supermärkte, die es überall gibt

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diese Häuser repräsentieren die Größe und Höhe von 95% aller Gebäude in Guadalajara

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Eine Mariachi-Gruppe bei uns im Wohnheim zu Ehren einer Schwester, die verabschiedet wurde: alle haben mitgetanzt und gesungen

05.09.2015

Reise und Ankunft

Ich habe meinen ersten Flug alleine  gut überstanden und bin in Guadalajara angekommen. Bis auf den letzten Flug verlief meine Reise genauso, wie sie geplant war.

Um 4 Uhr klingelte mein WeFlug (18)cker, nach einer Nacht mit sehr wenig Schlaf, da ich nun doch sehr aufgeregt war. Um 5 Uhr machte ich mich dann mit meiner Familie auf den Weg zum Flughafen, wo wir dann um 6 Uhr ankamen und uns zum Check-in einreihten. Jetzt musste ich mich von meiner Familie verabschieden, was in diesem Moment sehr schnell gehen musste, da der Check-in lange gedauert hatte und das Boarding um 7 Uhr begann. Dann saß ich im Flugzeug und es ging wirklich los. Erst in diesem Moment ist mir wirklich klar geworden, dass ich gehe. Zum Glück war ich auf dem ersten Flug nicht gaz alleine: die nette Frau, mit der ich mich beim Check-in schon unterhalten hatte saß im Flieger tatsäcFlug (8)hlich neben mir 🙂
Auch der Umstieg in Madrid klappte reibungslos. Im Flieger hatte ich dann viel Platz, da der Sitz neben mir frei war. Und der Flug war auch lange genug um nochmal ein paar Vokabeln zu lernen. Um 17:30 Uhr (Ortszeit) landeten wir in Mexiko (Mexiko Stadt wird hier nur Mexiko genannt). Dieser Flughafen machte mir ein bisschen Angst, da er so groß und unübersichtlich ist und hier hatte ich auch ein paar kleine Probleme. Die Einreise und der Zoll klappten sehr gut, nur bei der Sicherheitskontrolle gab es ein paar kleine Schwierigkeiten wegen der Gastgeschenke, die ich mitgenommen hatte. Die Sicherheitsbeamten konnten alle kein englisch und es war sehr schwer ihnen klar zu machen, was sich in den Päckchen befindet. Zum Glück stand ein Mann hinter mir, der sehr gut Englisch konnte und für mich übersetzte.

Guadalajara bei Nacht

Guadalajara aus dem Flieger

Der Flug von Mexiko nach Guadalajara hatte dann Verspätung. Dies machte mich sehr nervös, da das Gate immer noch nicht angezeigt war, als der Flieger eigentlich schon längst hätte starten sollen. Die einzige Auskunft die man mir geben konnte war, dass der Flieger Verspätung hätte, aber niemand wusste wie viel. Zum Glück gab es dort am Flughafen viele nette Menschen, die mir alle helfen wollten und mit denen ich mich zum Teil auch sehr lange unterhalten habe. Schließlich ging auch der letzte Flieger, zwar um die Uhrzeit, zu der er eigentlich hätte landen sollen, aber er flog.

In Guadalajara haben Steffi, Franzi und Armando, unser Me1Ankunftntor, schon auf mich gewartet und mich ganz herzlich willkommen geheißen und ich habe zum ersten Mal richtig mexikanisch gegessen.
Auch im Studentenwohnheim haben mich alle total freundlich aufgenommen und ich wurde von allen, die noch wach waren erst mal geküsst (die normale Begrüßungsform hier: ein Kuss auf die rechte Wange). Anschließend habe ich dann schnell mein Zimmer bezogen und bin nach 28 Stunden unterwegs todmüde ins Bett gefallen.Flug (15)

23.08.2015

Bald geht es los

Jetzt ist es bald soweit: In etwas weniger als zwei Wochen mache ich mich auf den weiten Weg nach Mexiko und fahre zu dem Ort, an dem ich ein Jahr lang leben werde.

Steffi und Franzi, meine beiden Mit-Freiwilligen, sind bereits letzte Woche in Guadalajara angekommen und haben mir bisher nur positives berichtet. Dies, zusammen mit der Tatsache, dass ich, wenn ich in Guadalajara lande bereits Leute kenne, macht mir Mut und erleichtert es mir diesen großen Schritt zu wagen.

Je näher mein Abreise rückt, desto realer wird meine Entscheidung für ein Jahr von Zuhause fortzugehen und meine Familie und meine Freunde alle hier in Deutschland zurückzulassen. Von vielen habe ich mich bereits verabschiedet, da im Moment Ferienzeit ist und ich sie nicht mehr sehen werde. Die schwierigsten Verabschiedungen jedoch stehen mir noch bevor.

Parallel zu der näher rückenden Abreise steigt meine Vorfreude auf das kommende Jahr und ich werde von Tag zu Tag aufgeregter. Es schießen mir immer wieder verschiedene Fragen durch den Kopf:

Was erwartet mich im kommenden Jahr?

Was werde ich alles erleben?

Wie werden mich die Leute vor Ort aufnehmen?

Klappt alles, was ich es bisher geplant habe?

Werde ich gut in Guadalajara ankommen?

Reichen meine Spanischkenntnisse aus?

Wie wird meine Zimmermitbewohnerin sein?

Einige dieser Fragen werde ich während meines Aufenthaltes in Mexiko hier auf diesem Blog beantworten können.

Das Einzige, was ich jetzt schon sicher sagen kann ist, dass mir ein interessantes und erlebnisreiches Jahr bevorsteht, das mein Leben bereichern wird und an das ich mich, solange ich lebe erinnern werde.

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