Franziska

Blogeintrag #10

Abschied

In diesem vielleicht letzten Blogeintrag möchte ich mich mit dem Thema „Abschied“ befassen.

In genau einer Woche, 7 Tagen, 168 Stunden und 10080 Minuten hebe ich gerade ab. Mit dem Flugzeug, auf dem Weg nach Deutschland. Hinein in eine Welt, die mir so vertraut war und die ich hier so zu schätzen und lieben gelernt habe. Zu respektieren. In diesem Auslandsjahr habe ich gelernt, stolz auf mein Land zu sein.

„Bildung ist gratis? Man geht einfach so zum Arzt? Und der Staat gibt einem Geld für jedes Kind, das man hat?!“

„Fran, das ist ein paraíso. Nimmst Du mich mit nach Deutschland??“

So oder so ähnlich laufen Gespräche ab, die ich mit Leuten über Deutschland  führe, mal lustiger, mal ernster, aber am Ende bleibt immer eine seltsame, unbehagsame Traurigkeit.

Natürlich bin ich so empathisch in den Gesprächen auch die Schönheit des Landes zu loben, die Offenheit und Warmherzigkeit der Leute, schwärme von Tacos, Mole und Salsa.

Aber es ist offensichtlich und die Leute sagen es mir auch „Ay Franziska. Du kommst halt aus der 1. Welt und wir sind hier … in der 2., 3.“.

Ich bin in meinem Freiwilligenjahr in die Armut eingetaucht.

Habe mit so interessanten Menschen gesprochen, ihre Lebensgeschichten kennegelernt. Ihre Häuser, Familien und Umstände.

Ich habe viel Wut und Traurigkeit gespürt. Hoffnungslosigkeit.

Ich bin so gespannt, in was für ein Mexiko ich zurückkehren werde wenn ich da Land nochmals besuchen komme in ein paar Jahren. Wird es schlimmer sein mit der Korruption? Den verschwundenen Menschen? Dem Narcotrafico (Drogenverkehr)?

Schaut man in offizielle Daten wie die des Human Development Index (HDI), liegt Deutschland auf Platz 6, Mexiko kommt gerade mal auf Platz 74. Den ganzen Problemen die das Land trägt, steht auch ein Land an der Schwelle zur Industrienation gegenüber.

Mexiko ist auf Platz 8 der Export-Weltrangliste und Platz 10 der stärksten Volkswirtschaften, womit es führend ist in Lateinamerika.

Wer sich weiter informieren will, sei auf dieses Video verwiesen,  in dem Mexiko als ein „Schwellenland mit Schattenseiten“ untersucht wird.

http://www.bpb.de/mediathek/178993/mexiko-schwellenland-mit-schattenseiten

Ich jedenfalls gehe mit einem Mexiko, von dem ich vor allem eine Seite kennengelernt habe: Kinder, die in Familien hineingeboren werden, die aus der extremen Armut kommen. Die oft kein Geld haben für den Bus zur Schule. Wo Bandenschießereien und Gewalt an der Tagesordnung stehen.

Kinder, die nicht viel Glück im Leben hatten.

Ich hoffe, durch meine Arbeit mit ihnen über das Jahr hinweg in manchen einen Samen gepflanzt zu haben, der irgendwann aufgeht.

Blogeintrag #9

13102795_10156843934755293_8492537305947949844_n

Heute habe ich neben einigen sehr interessanten Gesprächen auch eine große Erkenntnis erlangt: gute Führung ist alles.

Ich hatte in Deutschland schon meine Bachelorarbeit über das Thema Führung geschrieben, wusste also in der Theorie Bescheid. Aber es ist nochmal etwas ganz anderes, das so hart in der Realität zu sehen. Ich arbeite mit den zugleich schlimmsten und besten Kindern. Die schlimmsten, weil die kleinen für ihr zartes Alter einfach schon unglaublich viel Schlechtes abbekommen haben. Sie kommen aus einer Welt voller Gewalt, Hunger und Hunger nach Aufmerksamkeit und Liebe. Sie sind eines von 8 Kindern, wo der älteste vielleicht als Drogenkurier arbeitet um der Mutter Geld geben zu können für Miete und Essen. Damit bezahlt er wieder mit einer gestohlenen Kindheit, Gewalt und vielleicht mit dem Leben.

Die harte Realität.

Sie sind die besten Kinder der Welt, weil genau sie noch so viel Potenzial besitzen, soviel Liebe, Intelligenz und Witz.

Führung macht alles aus.

Das wurde mir heute stark bewusst. Wir haben so viel Personalwechsel, dass die Kinder nun frustriert sind. Das äußert sich darin, dass sie nun einfach niemandem mehr gehorchen („Usted que?“ „Und was wollen jetzt Sie?“) und es oft zu Streitigkeiten kommt (in Medation und Krisenintervention bin ich nun auf jeden Fall geübt!). Deswegen war jetzt für ein paar Tage eine andere Erzieherin in mein Modulo gekommen, um wieder für Ordnung zu sorgen. Eine Frau, vor der ich auch sehr viel Respekt habe. Gabi kommt auch aus einer ärmeren Bevölkerungsschicht Mexikos und hat sich ihren Weg bis ganz nach oben erkämpft. Nun ist sie Unidozentin für Klinische Psychologie  und arbeitet halbtags in meinem Projekt. Die Jungen waren heute unter ihrer Leitung wie ausgewechselt! Nun machte es ihnen Spaß zu gehorchen, schön zusammenzuleben und ihre Aufgaben zu erledigen. So wie es sich gehört. Es ist so wichtig, eine strenge, gute Hand zu haben die einen leitet und die weiß, was sie tut.

Ich hoffe, das stabilisiert sich jetzt so in der Woche, es macht einfach viel mehr Spaß, in so einem schönen Arbeitsklima.

Das zweite auf das ich noch kurz eingehen wollte, sind ein paar interessante Gespräche, die ich heute geführt habe. Wir hatten heute in der Ciudad de los Ninios eine Messe zu Ehren des Padres Roberto Cuellar, des Gründers des Jesuiteninternats. Dazu kamen ein paar ehemalige Schüler und Unterstützer des Projekts.

Sie sagten zu mir, sie seien sehr dankbar für alles, was sie von der CN bekommen hätten. Neben sauberer Kleidung, Essen und einem Kopf über dem Dach nämlich auch Werte, Zuwendung und Schulbildung.

So erzählte mir ein Senior mittleren Alters, er wäre als Kind von zu Hause weggelaufen und hätte 2 1/2 Jahre auf der Straße gelebt, bis die CN ihn aufnahm. Dort habe er über die Jahre alle Dinge gelernt, die wichtig sind im Leben. Inzwischen habe er einen festen Job, Ehefrau und zwei Kinder. Er war ein Junge gewesen, der vom „Müll“ kam. Damals hatte er sich nie vorgestellt, dass er einmal so ein schönes Leben voll mit soviel Liebe haben könnte wie das, das er jetzt führe.

Ein anderer Senior erzählte mir, er habe mit 22 Jahren realisiert, dass er mehr will im Leben. Bisher hatte er nur die Grundschule abgeschlossen und in Gelegenheitsjobs gearbeitet. So hat er sich in einer Segundaria (Mittelstufe) eingeschrieben, sie erfolgreich abgeschlossen. Es folgten Preparatoria (Oberstufe) und ein Aufnahmetest fürs Medizinstudium, den er bestand. Inzwischen ist aus dem 22 jährigen mit Grundschulabschluss ein erfolgreicher Arzt in Guadalajara geworden, der im Studium noch seine zukünftigte Ehefrau kennenlernte.

Kurz und gut: Es ist wesentlich, dass es soziale Projekte gibt, die Menschen eine neue Chance im Leben eröffnen.

Und:

Es ist nie zu spät, nochmal neu anzufangen. Hat man einen Traum, soll man daran festhalten. Denn um was geht es denn sonst im Leben?

13346932_10156987568740293_4689264879481449955_n

dsc04397

„Liebe ist die Antwort“

_________________________________________________________________

Blogeintrag #8

IMG-20150929-WA0041

Ich klopfe an die dünne Metalltüre von der Straßennummer 2487. Lange warten muss ich nicht, schon öffnet mir Gabi die Türe und begrüßt mich mit einem strahlenden Lächeln: „Buenos dias, Fran! Ich hätte nicht gedacht, dass Du wirklich kommst, wie schön, dass Du da bist. Komm doch rein!“ Ich trete ein in das kleine Häuschen. Wobei Haus übertrieben ist, es ist eher ein Zimmer, bestehend aus einer kleinen Trennwand. In den Teilbereichen, die man leicht mit ein paar Schritten durchqueren kann, finden sich insgesamt 4 Betten, zwei Sessel, ein kleiner Fernseh und mindestens 1000 Gruschzeugs. An der einen Wand wirft einem Jesus von seinem Kreuz einen mitleiderregenden Blick zu, gegenüber strahlt die Nationalheilige Guadalupe von einem verblassten Poster.

„Pepsi, Fran?“ Ich folge Gabi durch das Zimmer hinaus in einen kleinen Hinterhof. Dort ist eine kleine Kochzeile neben dem Waschtisch, fließend Wasser scheint es nicht zu geben.

Hühner tappeln um mich herum, legen ihre Eier in Müllschaufeln. In der Ecke ein Einkaufswagen. Mir wird ein Bier angeboten (es ist 11 Uhr morgens). Ich bin zu Hause bei zweien meiner Kinder, deren Mutter (Gabi) mich schon seit mehreren Wochen zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen hat, bis ich die Einladung schließlich annahm. Gabi stellt ein Glas Pepsi vor mich hin auf den Tisch und ruft, beziehungsweise schimpft eher, ihre Söhne, endlich herzukommen um mich zu begrüßen.

Die Familie besteht aus der Mutter, 2 Söhnen, die beide auf die Ciudad de los Ninios gehen und mit denen ich mich außerordentlich gut verstehe und einer kleinen Schwester, der ich an diesem Tag ein wenig Nachhilfe in Mathe und Spanisch geben will. Die Kleine ist 8 und kann noch nicht bis 10 zählen. Als ich mit ihr aber in einer Lernpause auf die Straße raus bin, um ihr ein Eis zu kaufen, meinte sie auf einmal „Ach kuck mal, da liegt Marihuana“ und deutete auf den Gehweg vor ihrem Haus. Auch weiß sie schon sehr gut, vor welchen Nachbarn sie sich besser hüten sollte und welche ok sind.

Sie kommt aus einer heruntergekommenen, sehr armen Siedlung voller Probleme, von denen es so viele gibt an den Stadträndern Guadalajaras. Ihr direkter Nachbar mache ihr viel Angst, der nehme nämlich immer Drogen, schreit dann rum und schlägt seine Kinder. Auf dem Weg zu ihrer Grundschule kommen wir auch an einem sogenannten „Kinderkreuz“ vorbei. An dieser Stelle ist ein Junge bei einem Bandenkrieg getötet worden. Erschossen.

Neben diesen Problemen hat die Colonia von Gabi und ihrer Familie auch mit Diebstahl, Vandalismus und Forderungen von Schutzgeldern zu kämpfen. Macht man in dieser Siedlung beispielsweise ein Geschäft auf, bekommt der Besitzer früher oder später einen Brief von der Bande, die gerade an der Macht ist in dem Gebiet.In diesem wird ihm klargemacht, sollte er nicht von nun an eine bestimmte Summe monatlich überweisen, kann er eines Tages in der Früh sein Geschäft komplett verwüstet und ausgeraubt vorfinden.

Eine schwierige Situation aus der sich die Polizei zum Großteil heraushält, die Aufklärungsquote liegt bei erschreckenden 2%.

Neben Gegenständen verschwinden in Mexiko aber auch Personen, jeden Tag. Kinder, Frauen, Männer.

An Laternenpfählen, Bäumen und Metrostationen hängen die Suchzettel, die neben einem schlecht kopierten Schwarzweißfoto auch eine Beschreibung der Person und ihr Alter trägt. Sie erinnern mich ein bisschen an Deutschland, wenn dort ein Hund oder eine Katze ausgebüxt ist. Nur, dass in Deutschland die Menschen diese Zettel aufmerksamer lesen als die Mexikaner jene von  den verschwundenen Menschen.

20151214_1948482

Hast du ihn gesehen?

Yahel Samuel Leon Lucas

Geschlecht: maennlich

Alter: 3 Jahre

Statur: schlank

Groesse: 81 cm

Teint: hellbraun

Gesicht: rund

Stirn: gross

Nase: platt

Mund: mittelgross

Lippen: normal

Augenbrauen: mitteldicht

Kinn: rund

Art und Farbe der Augen: gross und dunkelbraun

Art und Farbe der Haare: glatt und dunkelbraun

20151214_195000

Hier hängt der Zettel des kleinen Yahels zwischen zwei anderen verschwundenen Kindern. Achja, und zwischen allerlei anderer Werbeplakate, eines für einen Workshop für Fotografieren, ein anderes sagt die kommenden Konzerte an. Ich sehe niemanden stehenbleiben und die Vermisstenanzeigen der kleinen Kinder ansehen. In Mexiko kommt das nicht groß in Fernsehen, Radio und Zeitung wenn ein Kind verschwindet. Hier bleibt der Zettel ein, zwei Tage dran und wird dann durch einen neuen eingetauscht. Durch ein neues Suchplakat eines neues verschwundenen Menschen.

Offiziellen Zahlen zufolge ist in Mexiko seit 2006 der Verbleib von 27.000 Menschen ungewiss, wie immer ist die Dunkelziffer viel höher.

Das heißt, in Mexiko verschwindet alle 2 Stunden ein Mensch!

Diese Menschenrechtskrise ist auf eine systematische Inkompetenz und den fehlenden Willen von Seiten der Behören zurückzuführen. Der Rechtsstaat existiert de facto nicht. Der Fall der 43 verschwunden Stundenten ist international bekannt geworden, stellt aber überhaupt keinen Einzelfall dar in Mexiko. Gemein hat er aber mit sovielen der anderen, dass die Verschwundenen in vielen Fällen zuletzt gesehen wurden, als sie der Polizei oder dem Militär übergeben wurden. Auf einer Polizeistation kommen die Vermissten aber nie an. Sie werden davor Banden übergeben. Dort sind sie dann natürlich Freiwild.

Eine weitere Geschichte möchte ich dafür als Beispiel geben:

Der Fall José Rosario Hernández

José Rosario Hernández wurde am Nachmittag des 23. Oktober 2011 Opfer des Verschwindenlassens. Eine Streife der städtischen Polizei nahm ihn in Cuauhtémoc im Bundesstaat Chihuahua fest, als er dort gerade im Auto mit zwei Freunden unterwegs war. Seitdem ist sein Verbleib unbekannt.

In den Tagen nach seinem „Verschwinden“ weigerten sich die Behörden, seiner Familie irgendwelche Auskünfte zu geben. Beamte der Autobahnpolizei und der städtischen Polizei stritten sogar ab, dass man ihn inhaftiert hatte, obwohl sein Auto auf Anordnung der Behörden abgeschleppt worden war und es Zeugen für seine Festnahme gab.

Die Familie von José Rosario Hernández konnte den Beamten identifizieren, der ihn festgenommen hatte. Er weigerte sich jedoch, zu erklären, was passiert war. Auf Drängen und wiederholte Anträge der Familie von José Rosario Hernández und ihrer Rechtsbeistände hin wurde der Polizist dann festgenommen. Umfassende Ermittlungen gab es dennoch keine und der Verbleib von José Rosario Hernández bleibt weiterhin ungeklärt.

(Quelle: https://www.amnesty.de/2016/1/14/mexiko-tausende-menschen-verschwunden, Zugriff am 31.05.2016)

Wie lassen einen solche Geschichten zurück? Frustriert? Voll von Angst? Von Mitleid? Schrecken? Oder lieber sich mit etwas angenehmeren beschäftigen?

Letzteres wählen viele Mexikaner. Ich habe das hier so erlebt, dass solch ein Leid, solch unertragbare Zustände schlicht Teil des Alltags geworden sind. Die Menschen sind daran gewöhnt, ärgern sich selten nur noch richtig darüber. Es ist gemütlicher, sich über die neueste Telenovela zu unterhalten oder vielleicht doch über seine Fingernägel, ein neues Kochrezept auf Facebook teilen.. Besonders bei den Chicas von meinem Wohnheim die aus reicheren Familien stammen fühle ich mich oft so, als ob sie in Parallelwelten leben. Sie fühlen sich wohl da.

Ich rege mich oft darüber auf, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, in der mir Mütter an diesem Tag erzählt haben, dass sie nicht wissen, von welchem Geld sie ihren Kindern am Wochenende etwas zu essen kochen sollen und an meinem Abendessenstisch plaudern meine Mitbewohnerinnen dann über solche Banalitäten. Wobei am Nebentisch auch Chicas vom Centro Social sitzen, dem Sozialzentrum der Residencia. Das sind die Mädchen, die aus indigenen Dörfern aus den Wäldern kommen, in Guadalajara in fremden Villen putzen, das Geld an ihre Familien schicken und einen kleinen Teil sparen um das nächste Jahr wieder eine Schule besuchen zu können. Sie sitzen neben den Chicas von meinem Teil der Residencia, die mit ihrem Benz vorfahren.

Es ist vielleicht sinnbildlich für Mexiko: Es besteht eine gravierende Disparität zwischen Arm und Reich. Sie mögen fast Tür an Tür leben, das gleiche Essen essen, vermischen sich aber nicht. Wer arm geboren wird, bleibt arm, wer reich geboren wird, bleibt reich oder wird noch reicher. Erzähle ich am Essenstisch von meiner Arbeit, mögen mir zwar alle höflich zuhören, interessieren tut sie es aber nicht. Ich kann es ihnen einerseits auch nicht übel nehmen, es kann auch ein Schutzmechanismus sein vor der Realität.

Aber natürlich MÜSSEN sie die Probleme vom Land sehen, SOLLTEN sie wahrnehmen, wie schwer es ist in diesem Land zu leben, wenn man ein anderes Los zieht bei der Geburt wie das meiner befreundeten Familie aus der Armensiedlung.

Papst Franziskus forderte in seinem Besuch Mexikos die Jugend auf, aktiv zu werden. Die Zukunft des Landes liegt in ihren Händen.

Deshalb hier der Bogen zur Freiwilligenarbeit. Sie ist wichtig und gehört genau hierher. In das Leid, den Schmerz, die Frustration.

Gestern habe ich ein gelbes Papier mit einem Spruch an meine Pinnwand gepinnt. Eine Freundin hatte es mir nach einem langen Gespräch über unsere Arbeit mit folgendem Spruch beschrieben:

Darkness cannot drive out darkness; only light can do that.

Hate cannot drive out hate; only love can do that.

Martin Luther King, Jr.

Hier noch ein paar Links zum Thema gewaltsames Verschwindenlassen in Mexiko:

Mexiko: Zehntausende Opfer des Verschwindenlassens

http://www.fluter.de/de/154/thema/14122/

______________________________________________________________

Blogeintrag #7

P1070803

9 Monate Mexiko!

Was ich gelernt habe? – Einen Berg!

Über mich, über das Land, über das Schicksal, hier in ein Problemviertel in die extreme Armut hineingeboren zu werde.

Hier eine kurze Auflistung, was für mich mein Freiwilligeneinsatz bedeutet:

-Wirklich AKTIV mit Menschen vom Rande der Gesellschaft zusammenzuleben.

Sonntags habe ich mich zum Beispiel mit einem Straßenverkäufer getroffen und ihm psychologische Beratung gegeben. Andrés ist circa 60 Jahre alt und verkauft auf meinem täglichen Weg zum Bus am Highway Zeitungen an die Autofahrer die an der Ampel warten. Ich hatte ihm irgendwann einmal erzählt, dass ich Psychologin bin, seitdem begrüßt er mich jeden Morgen mit „Hola, Doctora!“. Oft sucht er das Gespräch, unter der Woche habe ich aber oft nicht sehr viel Zeit, da ich den ganzen Tag in meinem Projekt verbringe.

Das psychologische „Gespräch“ hat mir auf jeden Fall wieder gezeigt: wer in Mexiko arm geboren wird, der bleibt auch arm! So war es im Fall von Andrés zum Beispiel auch. Wer mehr über sein wirklich erstaunliches Leben wissen will, der kann mich dazu gerne persönlich fragen. Aber es hat mir wiedermal gezeigt, in was für einem Land voller Disparitäten ich wohne.

In unregelmäßigen Abständen mache ich auch Essens- und Kleidungstüten für Menschen auf der Straße. Ich schenke ihnen aber nicht nur die Sachen, sonder bleibe auch ein Weilchen stehen und höre mir ihre Geschichte an. Wie die dieses Mannes aus Nicaragua:

DSC_8104
„yo Mami. Ich bin aus Nicaragua, Mami. Die haben meinen Bruder, meinen Vater und meinen Cousin verschleppt, Mami. Die Bullen, Mami, die Bundespolizei. Ich bin da um sie zu suchen, Mami.“ (Mami ist eine informelle Anrede an mich. Angehörige des Mannes sind verschwunden, es scheint als wäre die Polizei damit im Zusammenhang).

-Frustration und Widerstand aushalten, wahrnehmen und tranformieren

-> Schönheit, Armut, scheinbare Hoffnungslosigkeit, Wut, Traurigkeit. Und wieder Reichtum, Mercedesfahrer die bettelnden Frauen mit Baby auf den Arm nicht einen Peso abdrücken.

-Auf der „anderen Seite des Zauns“ sein (mit 16 war ich auf einer Highschool in den USA mit über 90% Mexikaner-Anteil. Hier in Mexiko wollen sehr viele Leute in die USA auswandern, aus wirtschaftlicher Notwendigkeit und auch um so dem Land mit seinen Problemen zu entfliehen.

-Menschen auf der Straße offen über meine Arbeit mit den Straßenkindern erzählen (vom Taxifahrer bis zum Millionärssohn)

-Bewusstheit wecken in der Bevölkerung

-Kulturaustausch (in Deutschland läuft das so und so.. dabei achte ich immer darauf, bei Mexiko neben seinen traurigen Seiten auch seine wunderschönen hervorzuheben.)

-ein Jahr mit dem HERZEN zu arbeiten

-ein Jahr bewusst und tagfüllend christliche Nächstenliebe praktizieren

-ein Jahr im Einklang mit der großen Dankbarkeit leben, tagtäglich etwas zurückzugeben an die Welt

-nicht zuletzt sehe ich auch, dass ich persönlich sehr stark von meinem Freiwilligeneinsatz profitiert habe und profitiere. Die Arbeit mit „meinen“ Kindern zeigt mir jeden Tag aufs Neue die harte Realität. Diese Kinder sind alle ungewollt von ihren Eltern, ihre Eltern sind oft beispielsweise Drogenabhängige, die es vorziehen, mittels Chemie der Wirklichkeit zu entfliehen. Das Ergebnis sind Kinder mit kleinen Herzen voll von Frustration, Hass – und Hunger nach so etwas wie Normalität, einer Tagesstruktur und vorallem Liebe und Zuwendung. Eben die versuche ich meinen kleinen Rabauken jeden Tag zu schenken. Zeit und Liebe, die Schlüssel. Natürlich neben Konstanz, einer Spur Humor und einer sehr starken Persönlichkeit. Das Projekt ist nämlich „hardcore“, wie es neulich ein Bekannter von mir meinte, der das Projekt besuchte.

Geht man in ein Modul hinein, dringt einem sofort ein unglaublicher Geräuschpegel entgegen. Irgendwer will immer gerade seine Kräfte messen mit einem companiero (was natürlich sofort von mir oder einer Formadora unterbunden wird), irgendeine fertige Hausaufgabe revisiert haben oder wissen, ob schon endlich die Woche gekommen ist, in ders ins Schullandheim geht.

Bevor es zum Essen oder einer nachmittäglichen Aktivität wie Gruppenpsychologie, Ludoteca (Spielzeit) oder Sport geht, müssen sich die Kinder deshalb auch ersteinmal in mehreren filas (Schlangen) aufstellen. Dann darf ein Junge noch einmal die Regeln aufsagen wie etwa auf dem Weg nicht zu rennen, nicht zu schubsen, sowie bitte und danke zu sagen. Vor dem Essen, vor der Schule und dem Zubettgehen wird außerdem noch gebetet.

Diese Struktur ist wichtig, da die Kinder von zu Hause Regeln und Respekt kaum kennen. In der Ciudad de los Ninios lernen sie dann neben banalen Umgangsformen vorallem Disziplin und gewaltfreie Lösungen.

Denn zu Hause werden die Dinge etwa so gelöst: will die Mutter, dass das Kind etwas bestimmtes tut oder lässt, schreit sie es erstmal an. Tut es dann immer noch nicht, was sie möchte, schlägt sie es. Dass man das erziehungstechnisch nicht schlechter machen kann, liegt auf der Hand. Es sind einfach Mütter, die nie welche werden wollten und das ihrem Sohn auch so klarmachen, direkt oder indirekt.

Der Frust, der sich bei den Kindern über das Wochenende zu Hause angestaut hat, wird dann meist montags in der CN rausgelassen, deswegen ist dieser auch mit Freitag der schwerste Tag. Freitag sind die Kinder dann traurig oder haben Angst heimzukommen und verhalten sich deshalb aufsässig und aggressionsbereit. Das alles muss man als Freiwilliger auch wahrnehmen und verarbeiten. Man hilft, so viel man kann. Wenn man das Leben dieser Kinder wirklich ändern wollte, müssten man ihnen ja neue Eltern schenken. Da das nicht geht, bleibt man bei seiner Arbeit unter der Woche und steckt da umso mehr Herzblut hinein.

WhatsApp-Image-20160525 (2)

Ein Gespräch zwischen mir und einem Kind gestern verdeutlicht eine wichtigen Aspekt meines Freiwilligendienstes: Ich fülle eine Lücke. Da, wo kein Geld da ist für mehr Personal, da, wo Personal hoffnungslos überarbeitet ist weil wieder einmal eine Formadora gekündigt hat und nun auf eine Erzieherin 25 Kinder kommen bis eine neue eingestellt wird (wir haben inzwischen die 4. Erzieherin in weniger als 3 Monaten!). Es ist einfach ein Knochenjob, der auch noch unterbezahlt ist (eine Formadora bekommt umgerechnet ca. 1.25€/Stunde).

Kurz zum Hintergrund des Gesprächs: ich habe mit Karol geredet. Karol ist ein Kind, das gerade eine sehr schwere Phase durchgemacht hat. Wie die allermeisten Jungs, ist auch er ein Kind, das einen schweren Start ins Leben hatte. Der Vater hat die Mutter schwanger verlassen (dazu ist nochmal zu betonen: es gibt in Mexiko kein Kindergeld!!!), die Mutter sucht sich ständig neue Partner, es gibt sehr viel intrafamiliäre Gewalt. Karol ist ein einsames Kind und wütend mit sich und der Welt. Als ich anfing, war das noch nicht so, da wollte er auch mal von mir geknuddelt und durch die Haare gewuschelt werden, auf meinem Schoß Hausaufgaben machen („Fran, aber bin ich nicht zu schwer?“, er ist nich der dünnste der Klasse). Ein süßer, liebenswerter Junge. So nicht in der letzten Phase: neuer Partner der Mutter, beginnende Pubertät, Selbstzweifel. Womöglich ein Trauma, das wieder hochkommt. Er war eigentlich todunglücklich und deshalb äußerst aggressiv mit seiner Umwelt. Fast täglich musste ich in Streitigkeiten dazwischen gehen zwischen ihm und irgendeinem anderen Kind, es war wirklich anstrengend und schwierig. Letzte Woche dann musste ich in sein Klassenzimmer um mit der Lehrerin zu reden. Da zeigte er mir ganz stolz eine Zeichnung, die ihm echt gelungen war. Dafür lobte ich ihn natürlich gebührend ;). Ab diesem Tag war er ein bisschen ruhiger, so dass ich ihn nach dem Mittagessen kurz beiseite nahm.

WhatsApp-Image-20160525 (12)

Ich meinte zu ihm, ich wolle ihm kurz etwas sagen. Ich sagte, dass mir aufgefallen war, dass er heute ein wenig gelassener schien. Er nickte. Ich meinte daraufhin, ob er vielleicht folgendes kennt: wenn ich selber unglücklich bin und das nach außen trage, wie zum Beispiel, dass ich dann Streit suche, provoziere und niemandem gehorche, dann fühle ich mich am Ende des Tages noch schlechter. Ist das aber das Gegenteil, also wenn ich zu anderen nett bin, gehorche und auch mal die 5 gerade sein lasse, fühle ich mich irgendwie glücklicher. Und dieser Ort, die Ciudad de los Ninios, ist ein Ort, um glücklich zu sein. Um zu lernen, zu spielen und einfach zusammenzuleben mit seinen Freunden. Manchmal im Leben muss man sich fallen lassen und vertrauen.

Am Ende des Tages, kurz bevor ich nach Hause gehen wollte, sah ich ihn nochmal im Vorbeigehen und fragte ihn, wie er sich so gefühlt hat den Tag über. Er meinte, es stimme echt, was ich ihm erzählt habe. 🙂

Meine lieben!

Schön, euch von meiner Welt hier in Mexiko berichten zu können.

Ich hoffe, euch geht es gut!

Ich lasse euch ganz liebe Grüße da! 🙂

P1080101

______________________________________________________________

Blogeintrag #6

12948553_1273208812721453_435114775_o (1)

„AND IN THE END

THE LOVE YOU TAKE

IS EQUAL

TO THE LOVE YOU MAKE“

                                                                        The Beatles

886818_10207023644182569_8374894251134527209_o

Meine Jungs!

 

10426784_10207304835372173_2767298581416138025_n

Juan und Alam glücklich und voller Zuneigung zu ihrer „Formadora“, ihrer Erzieherin. Ich hab so einen Respekt vor ihrer Arbeit. Es ist oft eine so schwere Arbeit, doch sie macht sie jeden Tag mit ihrem ganzen Herzen.

11815639_10205850778221653_353944548_n

 

12204302_10206448230957598_1972597521_o

1..2… und AB!

 

12803169_10207198578915828_9041363367092820850_n

In meinem Projekt, der Ciudad de los Ninios, können die Kinder einfach Kinder sein. Sie können ihre ihnen geraubte Kindheit nachholen.

 

IMG_0421

Pelikane über dem Pazifik. Freiheit, Schönheit, Geborgenheit!

 

1958242_239950783023243_341857062844476829_n

Mexikanische Kinderfernsehstars zu Besuch in der Ciudad de los Ninios! Ein schöner, besonderer Moment für die Jungs.

 

IMG_1067

Auf dem Weg ins Schullandheim! Juan und ich. Eins von 9 Kindern in seiner Familie (6 Brüder, 2 Schwestern).

 

DSC_8023

Ein Gespräch zwischen Jesús und mir neulich: Ich: „Jesús, was willst Du später arbeiten wenn Du groß bist?“ -„Das weiß ich schon ganz genau.“- „Na dann los!“ „Okay, also erstmal will ich Priester werden. Wenn das nicht klappt, werde ich Polizist. Und wenn das nicht klappt, werd ich Feuerwehrmann. Wenn das nicht klappt, will ich Lehrer werden. Wenn das nicht klappt, will ich Arzt werden. Und wenn das auch nicht klappt, dann muss ich mich nochmal hinsetzen und nachdenken. Hauptsache ich mache später einmal eine Arbeit, mit der ich Menschen helfe.“

 

IMG_1086

Im Schullandheim. Mit verbundenen Augen mussten sie sich an einen Schnur entlangtasten. Diese hat gewissermaßen den Lebensweg symbolisiert! Am Wegesrand waren Leute positioniert, die den Kindern ruten, falsche Wege einzuschlagen, wie im echten Leben. Das Spiel diente dazu, dass die Kinder lernen, dass man im Leben auch nicht immer weiß, wer die „echten Freunde“ sind. Auch haben sie gelernt, dass es trotzdem immer weitergeht, auch wenn man sich einmal geirrt hat! Man muss nur auf sich selber vertrauen.

IMG_1097

IMG_1110

Fischersjungen am Chapalasee. Die Fischerangel improvisiert: ein Tortillafetzen hingen an einem Faden, der um eine Coca-Cola Flasche gehängt war. Ich sprach ein wenig mit den Kindern und sie erzählten mir, sie kämen aus den Bergen und wollen Fischer werden, wie ihre Väter.

 

IMG_1145

Ein schöner Moment mit meiner Mitfreiwilligen Steffi 🙂

IMG-20160414-WA0011

Die stolzen Gewinner der Kinderralley!

IMG-20160419-WA0031

Meine Arbeitskollegen!

IMG-20160419-WA0033

Israel bringt mir ein neues Kartenspiel bei! Hier erklärt er mir stolz die etwas wirren Regeln 😉

IMG-20160419-WA0035

Meine Lieben!
Ich hoffe euch geht es gut. Ich sende euch ganz viel Liebe und Zufriedenheit nach Deutschland. In zwei Monaten schon habt ihr mich wieder!

Eure Franzi


 

Blogeintrag #5

DSC_7633.jpg

Buenos días mis queridos!

Guten Tag, meine Lieben!

Ich hoffe, in Deutschland läuft alles rund und ihr habt schöne Ostern verbracht!!

Ich bin gerade zurück von einer kleinen Rundreise im schönen Mexiko. Mein Projekt war zwei Wochen geschlossen wegen der Osterferien, deshalb kam meine Familie aus Deutschland und hat mich hier besucht.

Ich hab auf der Reise wieder einmal erlebt, welche Disparität zwischen Arm und Reich in diesem Land ist. Cancún zum Beispiel ist zum einen komplett überlaufen von Amerikanern und Kanadiern, die dort ihren Jahresurlaub „verprassen“, man fährt dort kilometerlang an 5-Sterne Luxushotels vorbei, die Eintritte in Diskotheken sind and die 100€, die die „Springbreaker“ aus den USA aber ohne mit der Wimper zu zucken zahlen („YOLO!“- You Only Live Once).

Auf der anderen Seite leben dort so viele Menschen an der Armutsgrenze die jeden Tag hart ums Überleben kämpfen. Diese „unsichtbaren Hände“, die Zimmermädchen, Putzfrauen, Poolboys, deren Einkommen nur ganz knapp reicht, um ihre Familie zu ernähren. Die, die jeden Tag bei Sonnenaufgang aufstehen und zu der reichen „Zona Hotelera“ fahren oder laufen, während die reichen Touristen gerade erst von ihren Trinkgelagen nach Hause stolpern.

In Cancún stoßen die beiden Seiten aufeinander, begegnen sich aber trotzdem nicht.

Ich habe mich einmal länger mit einem Straßenhändler über die Problematik unterhalten und er meinte, die Touristen seien Fluch und Segen zugleich für die Region: natürlich ist der Dollar, den sie dort lassen sehr gerne gesehen, andererseits arbeiten die Leute oft unter ausbeuterischen Bedingungen für die Touristen. Auch bringen letztere viele Probleme mit sich, unter anderen verstärkten Drogenverkehr.

Ich kann und will mir gar nicht vorstellen, wie ein durchschnittlicher Mexikaner über diese weißen Ausländer denkt, die nach Cancún kommen, kein Wort Spanisch können und dort eine Woche „Saufurlaub“ machen und sonst vom Land gar nichts mitbekommen (wollen). Auch habe ich bis jetzt nicht mitbekommen, dass die Einheimischen besonders respektvoll behandelt wurden von ihnen.

Ich habe versucht auf meiner Reise (und natürlich auch immer hier in Guadalajara), ein Gespräch auf Augenhöhe zu finden. Zum Beispiel die Schönheit des Landes zu loben, mein Interesse für die so spannende Kultur und Geschichte des Landes zu zeigen und auch die positiven Seiten, neben den nagativen, hervorzuheben.

Das kam bisher immer sehr gut an, ich hatte so schon so viele tiefe und interessante Gespräche mit den Einheimischen!

Gestern zum Beispiel traf ich im Bus einen älteren Herr, der vor kurzem erst in Deutschland war. Er meinte: „Was für ein Land! Da kommt einen ja das Geld wieder zu den Ohren raus!! Wie macht ihr das? Sag mir das, wieso seid ihr so reich?“

Was für eine schwere Frage!!  Ich holte bei der Antwort ein bisschen aus und schweifte ab zum Kolonialismus und zum schweren Erbe dessen heutzutage. Das ist tatsächlich immer noch zu spüren (beispielsweise sind die „Indigenen“ meistens einkommensschwacher und sind auch ganz unten im Ansehen in der Bevölkerung).

Dazu kommt auch ein Unterschied in der Grundeinstellung der Lateinamerikaner im Vergleich zu den Deutschen: Ganz klischeehaft leben viele Mexikaner eher im „jetzt“- die Deutschen planen hingegen mehr in die Zukunft. Ich zum Beispiel habe schon einen genauen Plan, was ich im nächsten halben Jahr machen werde in meinem Leben, und auch einen groben 5 Jahres Plan.

Diese Einstellung der Mexikaner mag in vielerlei Hinsicht toll sein, redet man aber in einem wirtschaftlichen Kontext, ist die deutsche planende offensichtlich effektiver. Ich bin wirklich so stolz hier auf mein Land geworden!! Deutschland ist so ein organisiertes, reiches Land, das ist echt der Wahnsinn. Immer wenn ich im Internet Bilder von Deutschland sehe, von den Straßen und Häusern, fühlt sich das ein wenig komisch an. Das sieht so groß und sauber alles aus.

Neulich sprach ich auch länger mit einer Lehrerin meiner Schule über das politische System in Deutschland und sie konnte es gar nicht fassen, wie toll sich der Staat dort um die Leute  kümmert. Man bekommt Geld wenn man Kinder hat? Wenn man keinen Job findet, bietet der Staat einem eine Wohnung und Geld zu leben? Bildung und Gesundheit ist kostenlos?!

Deutschland ist in gewisser Hinsicht ein Paradies. Natürlich hat es auch jetzt gerade seine Probleme, doch was bleibt ist, dass der Staat sich kümmert um seine Bürger. In Mexiko ist das nicht so. Der Staat ist marode und korrupt. Hier hat jeder seinen eigenen Überlebenskampf jeden Tag.

Damit ihr einen besseren Eindruck von meinem jetzigen Leben bekommt hier in Mexiko lasse ich euch ein paar Bilder da!

IMG_0587.JPG

Eine Holzhütte mit Strohdach, in Mexiko lebt fast jeder 2. an der Armutsgrenze oder darunter!! In den Hütten wird übrigens in vielen Teilen Mexikos in Hängematten geschlafen. Da sie so platzsparend sind, passt so die ganze Familie in eine Hütte. Tagsüber packt man die Hängematten einfach weg und es ist Platz gemacht für mehr Lebensraum.

IMG_0953.JPG

Nur ein paar Kilometer weiter: ein Luxushotel

Landschaftsbilder:

1457904240993.jpg

Eine ärmere Siedlung im Dschungel

20160311_150448.jpg

ach wie schön ist Mexiko! 🙂

IMG_0773.JPG

Osternestsuchen im Dschungel (bei rund 40 Grad und sehrsehr hoher Luftfeuchtigkeit!)

IMG_0511.JPGIMG_0533.JPG

In einem Naturreservat auf einer Bootstour zu den Flamingos 🙂

Mexiko ist durch die vielen Klimazonen mit das artenreichste Land auf der Erde. Wir haben auf unserer Reise auch vieles gesehen, über Krokodile, Skorpionen bis hin zu Pfauen, Schildkröten in freier Wildbahn, wunderschönen bunten Fischen und und und!

Download (1).jpg

Ein Affe im Dschungel um Calakmul, einer sehr schönen Mayaanlage in unberührter Natur.

IMG_0784.JPG

Der Aufstieg war aber nicht gerade einfach wie man sieht 😉

DSC_7636.jpg

Eines der „neuen Weltwunder“ und UNESCO- Weltkulturerbe, die Maya-Anlage Chichén Itzá.

IMG_0687.JPG

Uxmal, auch UNESCO-Weltkulturerbe

DSC_7580.jpg

Eine Frau, die den ganzen Tag auf ihrem weißen Plastikstuhl vor ihrem Haus sitzt und das Treiben auf der Straße beobachtet.

Ein häufiges Bild in ländlicher geprägten Regionen!

Aktuelle Bilder aus meinem Projekt:

1457501046813.jpg

Basketballspielen am Nachmittag

1458173415329.jpg

Am Ende des Monats gibt es immer Kuchen, für alle Geburtstage des Monats. Manche Kinder hatten einen schönen weißen „Bart“ aus Sahne 😉1458173415755.jpg

Disziplin ist wichtig! Für den Kuchen mussten sich die Kinder wie immer in einer Reihe aufstellen und brav warten, bis sie an der Reihe waren.

Neulich war auch die Feuerwehr da, um die Kinder über ihre Arbeit aufzuklären. Sie sprachen zum Beispiel typische Fälle durch, die schnell im Haushalt passieren können! Viele Familie kochen noch über der offenen Feuerstelle oder mit Gas.

DSC_7409.jpg

Ich hoffe, euch hats gefallen!

Ganz liebe Grüße aus Guadalajara und bis bald,

eure Franziska

______________________________________________________________

Blogeintrag #4

 

Hallo meine Lieben,

da ich soo unendlich viel zu erzählen habe, habe ich mir überlegt, das Ganze zu unterteilen. Ihr könnt euch dann Abschnitte raussuchen, die euch besonders interessieren und andere Abschnitte auch eventuell nur überfliegen!

 

Es geht um Kleinigkeiten, die mein Leben hier in Mexiko von dem in Deutschland unterscheiden:

IMG_0251
  • Die Behandlung als Frau
    • Die Mexikaner als Caballeros: Im Alltag wird einem als Frau oft der Vortritt gelassen. Sei es beim Einsteigen in den Bus, im überfüllten Bus wenn plötzlich ein Platz frei wird usw. Es gibt hier auch das ungeschriebene Gesetz, dass auf der Straße der Mann auf der Straßenseite geht und die Frau auf der Innenseite. Bei vielen kleinen Dingen im alltäglichen Leben merkt man einfach, dass der Mann hier die Frau noch stärker beschützt, oder zu beschützen glaubt.
    • Das ganze hat aber natürlich auch seine Kehrseite: So sind die Rollen hier noch sehr viel klarer verteilt, was dazu führt, dass viele Frauen nicht arbeiten (können). Das liegt an vielen Faktoren, sei es die Gesellschaft und damit die Tradition, die fehlende Bildung oder der „Machismo“. Das Wort „Macho“, das auch im Deutschen gebräuchlich ist, kommt nicht von ungefähr!
      Natürlich gibt es modernere Frauen (v.a. in den Städten), die arbeiten. Aber in den Familien, in denen ich bisher zu Besuch war, war bis jetzt ausschließlich die Frau hinter dem Herd gestanden, während der Mann noch in Ruhe seine Zeitung ließt bis er in die Arbeit geht. Die Frau bleibt daheim und kümmert sich um Haushalt und Kinder.

 

  • Das Essen

– Tortilla! Salsa! Frijoles! Das schießt mir bei diesem Stichwort durch den Kopf. Tortilla, meist aus Mais hergestellte dünne Fladen, in die man mehr oder weniger kunstvoll das Essen „rollt“. Sie werden zu allen drei Mahlzeiten am Tag serviert und ich habe mich auch schon sehr an sie gewöhnt. Man isst sie sogar zu Nudeln!

– Salsa ist hergestellt auf Tomatenbasis und enthält meistens Chili, ist also scharf. Nach einem halben Jahr in Mexiko gehört das auch für mich bei jeder Mahlzeit dazu und ist einfach nicht mehr wegzudenken. Man isst sogar die Snacks zwischendurch damit, seien es Früchte, Chips oder dergeichen. Das berühmte Biermischgetränk „Michelada“ enthält auch Salsa. Neben Bier und Salsa mischt man hier u.a. noch Maggi, Limone und Soja Sauce bei. Am Anfang war das ziemlich gewöhnungsbedürftig, inzwischen schmeckt es uns Deutschen aber ziemlich gut J

– Frijoles! Der Bohnenbrei darf auch bei keiner mexikanischen Mahlzeit fehlen. Sehr gesund und sehr zu empfehlen 😉

DSCN2071

DSC_6339

Hier wird „Jicama“, eine berühmte Wurzelknolle angeboten. In Streifen geschnitten in Mexiko eine beliebte Zwischenmahlzeit! Natürlich mit Limone und Chili 🙂

IMG_0143Hier kann man etwas ganz feines essen: gebratene Grashüpfer mit Chili und Lemone.

Anfangs etwas sehr gewöhnungsbedürftig!!

IMG_0181

  • Kritik / Kommunikation

Hier in Mexiko merke ich erst, wie kritisch die Mehrheit Deutschen ist! Kommt in Deutschland ein Bus ein paar Minuten zu spät, wird gleich gemault. Hier hat man nicht einmal einen Busplan. Es kann sein, dass man 1 Minute warten muss oder 40. Man sollte deshalb also immer genügend Zeit einplanen.

Planen ist das nächste Thema: Ich stelle fest, dass die Mexikaner Dinge oft nicht so langfristig planen, wie ich das aus Deutschland kenne. Viele planen gar nicht. Man lebt mehr im „Jetzt“!

Das hat zwar schon öfters zu komplizierten und dann auch stressigen Situationen geführt, am Ende hat es dann aber doch immer geklappt.

So gern ich das Planen mag, finde ich, dass wir uns von dieser lateinamerikanischen Lebensart ein bisschen was abkucken könnten. Ich stelle auch bei mir selber fest, dass ich irgendwie gelassener geworden bin.

Außerdem legen die Menschen in Mexiko die Zukunft meist in Gott.

  • Religion

In einem Land, in dem mit die meisten Katholiken der Welt leben, ist klar, dass das alltägliche Leben sehr viel mehr von Religion geprägt ist als in Deutschland, in dem viele Menschen Atheisten sind und die Kirchenbänke immer leerer werden.

Hier spürt man das wie mit den meisten Sachen in den kleinen Dingen, in kleinen Gesten, Kommentaren, Redewendungen. Fährt man im Bus beispielsweise an einer Kirche vorbei, bekreuzigen sich alle Menschen. Neulich habe ich auch dieses Gespräch belauscht: Eine Frau stieg dem Bus zu und fragte den Busfahrer, wann wir wohl eine bestimmte Station erreichen würde. Der Busfahrer meinte, sehr geehrte Frau, wir erreichen sie in 40 Minuten, wenn Gott wolle.

Am Anfang hat mich diese Redewendung noch ein wenig brüskiert. In einer spezifischen Situation verabschiedete ich mich von einer Nonne meines Hauses, da ich übers Wochenende zu einer Freundin gefahren bin. Sie verabschiedete mich ebenso und meinte dazu, wir sehen uns am Montag, „wenn Gott wolle“.

Das ist natürlich eine Redewendung, ich sehe dahinter aber doch eine Art Demut der Menschen. Sie legen ihr Leben und ihre Zukunft vollkommen in die Hand Gottes.

Allgemein ist Religion hier viel präsenter in den Gesprächen, im Miteinander. Am Sonntag sind die Kirchenbänke voll. Ich denke, das bedingt sich gegenseitig. Religion und Gott erschien mir persönlich in Deutschland als etwas abstraktes, sehr privates. Wenn man etwas hier auf einer sozialen Plattform wie etwa facebook postet, verweist man fast immer auf Gott, etwa wie dankbar man ist, mit seiner Hilfe dies und das erreicht zu haben. Man vertraut vollkommen auf ihn, den Lenker, und trägt das nach außen. Das eint und macht den Glauben wiederum stärker. Glaube sollte meiner Ansicht nach im besten Fall in Gemeinschaft gelebt werden.

 

    Hier sind Steffi und ich mit zwei „hermanas“, Schwestern unseres Wohnheims 🙂
  • So gläubig die Mexikaner, so gastfreundlich. „Mi casa es tu casa“ (Mein Haus ist dein Haus!), das hört man hier ständig. Demzufolge habe ich schon etwa 20 „zuhause“ hier in Mexiko! 😉

 

  • Kleidung

Kurze hose? Ein No-Go! Spagetthi-träger? Grenzwertig. Man ist konservativer, nicht nur, was Kleidung anbelangt.

 

  • Beziehungen

Auch in Beziehungen zwischen Mann und Frau (Homosexualität ist noch einmal ein ganz anderes Thema) ist man zurückhaltender. Übernachtet wird erst, wenn man verheiratet ist, und zwar kirchlich! Davor hat der Bursche abends wieder heimzugehen. Zum Frühstück darf er dann aber wieder kommen.

 

  • Wetter

Ein endloser Sommer? Más o menos (mehr oder weniger). Mexiko ist fünfmal größer als Deutschland, hat deshalb von Klimazonen alles, von Schnee bis Wüste. Hier in Guadalajara haben wir aber einigermaßen Glück, das Wetter ist das ganze Jahr über gemäßigt. Gerade ist es morgens und abends zwar ein wenig kalt, tagsüber kann man aber super gut im T-Shirt (bitte kein Top ;)! ) herumlaufen.

 

 

IMG_0026
  • Farben

Ein farbenfrohes Land! Kleidung, Häuser.. gefällt mir echt super! 🙂

IMG-20150829-WA0019IMG_2095IMG-20151213-WA0041IMG_0194IMAG1484-2-EFFECTS
  • DSC_5904DSC_6143IMG_0165 - Kopie– Tagesablauf

Mein horario (Stundenplan) derzeit ist in etwa so:

Gegen 7, 8 Uhr stehe ich auf, frühstücke und habe dann 2 freie Stunden zuhause vor mir. Diese Zeit mag ich sehr gerne von meinem Tag, da sie mir Zeit gibt, mit meinen Liebsten zu hause zu skypen, mich mit mexikanischen oder deutschen Medien über die Neuigkeiten zu informieren und Französisch-, Englischunterricht, Entspannungsthereapie, Klavierunterricht, Berufsberatung..oder was an dem Tag so ansteht, vorzubereiten! 🙂

Dann laufe ich die zwei Blocks bis zur großen Avenida „Lopez Mateos“, stelle mich an den 8-spurigen Highway und warte auf den nächsten Bus. Kurz vor der großen Pause komme ich dann in der Ciudad de los Ninios an und organisiere mit wechselnden Jungs den Pausensnack (meistens Früchte oder Tacos und Kakao). Bis zum Mittagessen widme ich mich verschiedenen Projekten.

Meine Einsatzstelle bietet mir viele Möglichkeiten, mich frei zu entfalten in meinen Interessen und Aktivitäten, die ich den Kindern anbiete. So starte ich den Nachmittag mit den kleinsten (den 8 bis 10 jährigen) und helfe dabei in der Strukturierung ihres Tagesablaufes mit. In dem „modulo“ sind 25 aufgedrehte Kinder und nur 2 Betreuer, da ist es ganz gut, wenn noch ein Paar Augen und helfende Hände mehr da sind.

Wenn es in dem „modulo“ gerade ruhiger wird, gehe ich auch gerne zu den „grandes“, den Großen. Dort helfe ich den Jugendlichen (13-17) bei ihren Hausaufgaben in Mathe, Englisch, Geografie und Geschichte. So lerne ich auch viel über die Vergangenheit Mexikos, sowie seine Sicht auf viele Dinge (Menschenrechte, Umwelt..) und tausche mich mit den Jugendlich aus. Sie stellen mir gerne Fragen über mein Land, unser Deutschland.

Zwischen diesen beiden Aktivitäten, die ziemlich frei gestaltet sind, habe ich mir selber einen Stundenplan zusammengebastelt mit den Angeboten, die ich den Kindern gebe. Ich gebe einer Gruppe der Großen auf ihr Fragen hin ab kommender Woche Französischunterricht, habe 8 Klavierschüler von 8-17 Jahren  und gebe Entspannungstherapie.

DSCN2129

 

DSCN2125DSCN2116

 

 

 

 

 

 

Inzwischen biete ich auch kostenlose Berufsberatung für die älteren Kinder der Mittel- bis Oberstufe an. Das ist zugleich wichtig und oftmals schwierig, da die Jugendlichen aus ihrem familiären Umfeld oft wenige Rollenbilder haben, nicht nur bezüglich zukünftlicher Berufe. Viele der Eltern meiner Kinder sind Analphabeten und verdienen ihr Geld deshalb im informellen Sektor. Was hinzu kommt ist die mangelnde Förderung oder das Desinteresse der Eltern an der Zukunft der Kinder. Viele Jungs sind also „komplett planlos“, was sie später so machen wollen.

Deshalb ist eine Unterstützung der Kinder von außerhalb so wichtig. Mein Projekt, die Ciudad de los Ninios, leistet das nicht nur ideell, sondern auch durch tatsächliche außerschulische Bildung, Seminare, Workshops und dergleichen. Die Kinder können zwischen verschiedenen „talleres“ wählen: KFZ-Werkstatt, Elektronik, Eisenverarbeitung, Backen, Sekretariat, Informatik..

 

  • Sicherheit

Ein wichtiges, schwieriges Thema in Mexiko. Als 3. gefährlichstes Land der Pressefreiheit, einer schwindelerregenden Korruptionsrate, 27.000 verschwundenen Menschen muss man wohl nicht mehr sagen.

Ich persönlich habe davon aber nur am Rande etwas mitbekommen, eher indirekt durch meine Arbeit hier, durch die Realitäten der Kinder. Ich kann mir auch vorstellen, dass man hier leben könnte und, wenn man nicht mit so offenen Augen durch die Gegend läuft wie ich, gar nichts mitbekommt.

Mein eigenes Verhalten und die Realität hier spiegeln aber ziemlich klar wieder, dass das hier kein Deutschland ist.

Zum Beispiel gehe ich immer mit einem Zweithandy und Zweitgeldbeutel aus dem Haus. Diese Gegenstände würde ich im Falle eines Überfalls sofort den Dieben geben. Wenn sie mir aber den ganzen Rucksack klauen, wäre ich aber auch gewappnet: meine ganzen Wertgegenstände trage ich stets eng am Körper.

Bis jetzt ist uns drei Freiwilligen auch noch nichts größeres passiert, vielen Freunden von uns aber schon. Wir hatten nur ein paar kleinere  „Zwischenfälle“, in denen wir spüren konnte, wie unterwandert das Land ist von den Drogen. Zum Beispiel sieht man, wenn man genauer hinsieht, doch relativ viele Drogenabhängige auf den Straßen, auch habe ich schon „weißes Pulver“ den Besitzer wechseln sehen mitten in der Öffentlichkeit. Ich erinnere mich auch, dass wir einmal in einer größeren Gruppe mit dem Auto abends zum tanzen gefahren sind. Als wir das Auto abstellen wollten, kam auf einmal ein Mittvierziger mit Schnurrbart her und meinte, man müsste in dieser Straße 50 Pesos (ungefähr 2,50€) zahlen, um das Auto abzustellen. Er würde es dann bewachen. Unsere Freunde diskutierten mit dem Mann lange rum, entschuldigten sich dabei bei uns viele Male und meinten dann schließlich, dass wir besser nach Hause fahren. Denn sollten wir das Auto in einer anderen Straße abstellen, würden wir es sicher beschädigt wieder auffinden.

Sowas! Da kommt einfach jemand daher und verlangt Gebühr, um sein Auto auf einer öffentlichen Straße abzustellen.

Aber so etwas geht in Mexiko. Ich habe oft das Gefühl, „alles“ wäre möglich hier. Sei es im Guten, wie im negativen Sinne. Auch der informelle Sektor hier ist einfach riiesig! An jeder Straßenecke, vor jeder großen Kreuzung stehen Straßenverkäufer, die alles mögliche anbieten: vom Kaugummi über Scheibenwischer bis zum Schuhputzer. In Deutschland wäre das undenkbar, „die zahlen doch keine Steuern“ würde man da hören 😉

Aber sieht man sich die Hintergründe an, versteht man, wieso so viele Menschen in so eine Arbeit geradezu gedrungen werden. Dazu mehr im kommenden Abschnitt!

DSC_5124
  • Bildung / Gesundheit

Luxus! Grob gesagt Dinge, die sich nur wer leisten kann, der Geld hat. Sowie das deutsche Bildungs- als auch das Gesundheitssystem habe ich hier wirklich zu schätzen gelernt. Was für ein Privileg, dass man einfach zum Arzt gehen kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, wie man ihn bezahlen kann. Auch für gute Bildung mit Lehrern, die einem wirklich etwas beibringen, muss man so richtig was hinlegen. Hier im Wohnheim haben wir auch ein „Centro Social“, in dem Chicas leben, die keine Eltern mehr haben oder aus einkommensschwachen Familien kommen. Ich bekomme von ihnen mit, dass sie oft ein, zwei Jahre aussetzen mit der Schule oder dem Studium, um wieder Geld zu verdienen. Dieses Geld sparen sie an, um dann im nächsten Jahr ihren Semesterbeitrag zu begleichen. Der ist von Uni zu Uni unterschiedlich, doch sogar für deutsche Verhältnisse sehr hoch.

DSC_5670DSC_6501

 

 

 

Hier sind Szenen aus der Primaria, der Grundschule meiner Schule dargstellt. Oben lernen ein paar Kinder marschieren, unten zeigt das Foto ein paar Kinder bei einer ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Fußballspielen. Das eint wohl ziemlich viele Kinder auf der ganzen Welt 🙂

 

IMG_0234 IMG-20151004-WA0018

Kinderarbeit ist leider ziemlich häufig in Mexiko.

Oben sieht man auf der rechten Seite ein Kind einen Müllkarren ziehen, unten versucht ein Kind an einer Straßenecke, an Autofahrer und Passanten Marzipan für 3 Pesos (ca. 15ct) zu verkaufen.

 

  • Meine Hautfarbe

„Güerra!“, „Rubia!“, „Bonita!“ schallt es mir Tag ein Tag aus auf den Straßen entgegen. Das heißt so viel wie „Blonde!“, „Weise!“, „Schöne!“. Weiße Haut, blondes Haar, blaue Augen und eine große Körperstatur sind in Mexiko das Schönheitsideal. Das kann man auch auf den Werbetafeln sehen, dort sind sehr oft ebensolche Frauen, obwohl extrem selten Mexikanerinnen so aussehen. Ich musste mich am Anfang erst einmal an diese „Aufmerksamkeit“, das stetige Hinterpfeifen und –rufen gewöhnen. Kam ich doch hierher, um mit den Menschen am Rande der Gesellschaft zu leben, um als Mexikanerin zu gelten!

Auch interessant: selbst die Kleinsten meiner Schule haben diese Rangordnung nach der Farbe der Haut schon begriffen. Wir haben im Jesuiteninternat auch ein Kind das relativ europäisch aussieht, es hat hellbraune Augen und braune Haare (nicht schwarze Augen und Haare wie die typischen Mexikaner). Neulich machte ich mit den Kindern Hausaufgaben, in denen es um das Thema Heiraten ging. Dann sagte ein 8-jähriges Kind indigener Herstammung plötzlich, dass ich und Briann (das Kind das relativ weiße Haut hat) später heiraten müssten. Wir seien nämlich beide weiß.

Ich fand das schon ziemlich krass, recht bemerkenswert, wie die „Klassen“, unterschieden nach Hautfarbe, schon in den Köpfen meiner Kinder sind.

Erziehung, Erziehung, Erziehung! Ich nehme an, dass die Kinder, vorallem die kleineren, nur nachbeten, was sie von ihren Eltern hören.

 

  • Valentinstag

In Deutschland hätte ich Valentinstag wohl mit meinen Freund verbracht, wie wären abends schön essen gegangen und alles hätte sich nur um uns gedreht.

Anders hier: 1. Ist mein Freund natürlich nicht da, aber 2. Ist hier in Mexiko Valentinstag der „día del amor y de la amistad“, der Tag der Liebe und der Freundschaft. Das heißt, man sagt einfach allen möglichen Leuten, dass man sie gerne hat und steckt ihnen kleine Briefchen oder Geschenk zu. Das finde ich echt schön und irgendwie nicht so individualistisch wie in Deutschland!

Zu diesem Tag hatte ich mir deshalb auch ein Projekt überlegt:
Am Sonntag ging ich mit Hannah, meiner Mitfreiwilligen, ins Zentrum der Millionenstadt Guadalajara. Zuhause hatten wir 30-40 Kärtchen geschrieben mit netten Botschaften daraus, zum Beispiel aus der Bibel, allgemein über die Liebe oder einfach nur „Du hast ein schönes Lächeln“.

In der Stadt gaben wir diese Zettel bewusst Menschen, die eher am „Rande“ der Gesellschaft angesiedelt sind, das heißt: Straßenverkäufern, Obdachlosen, Bettlern, Drogenabhängigen. Wir übergaben die Zettel aber nicht nur, sondern lasen sie ihnen auch vor (viele waren Analphabeten) und setzten uns zu ihnen um mit ihnen ein wenig zu plaudern, sofern es ihnen recht war.

Das war so eine schöne Arbeit, ich habe das so gerne getan. Ich finde, darüber ist auch mein Jahr hier in Mexiko: bewusst mit Leuten leben, die nicht so viel Glück im Leben hatten wie ich.

IMG_0255

 

– So, jetzt muss ich los! Ich muss meine Entspannungstherapie für die Kleinen heute vorbereiten und noch meine Sachen packen für die Ciudad de los Ninios. Heute übernachte ich nämlich im modulo mit den Kindern! Zu allen Kindern kommen nachts die „formadoras de la noche“, die Erzieher, die nachts da sind. Da es drei Schlafsäle sind bei den Chicos A, aber nur zwei Erzieher, übernachte ich heute in einem der Schlafsäle der Kinder. Ich bin schon gespannt und freue mich. Die Kinder sind vor dem Zubettgehen ganz anders als tagsüber, sie sind viel liebesbedürftiger auf einmal.

Morgen gehe ich dann schon in den frühen Morgenstunden mit einem der älteren Kinder zu den Guachimontones. Das sind Überreiste von üer 2000Jahre alten Pyramiden hier in der Nähe von Guadalajara. Chava, der Junge, mit dem ich dorthin gehe, ist 14 Jahre alt und hatte mich gefragt, ob ich ihn dorthin begleite. Es ist ein Schulausflug und alle anderen Kinder nehmen ihre Eltern mit. Ich habe mich sehr gefreut und war auch ein bisschen stolz, dass er mich gefragt hatte. „Natürlich komme ich mit“, meinte ich und seitdem spricht er mich jedes Mal auf den Ausflug drauf an wenn wir uns sehen.

 

Bis bald meine Lieben,  ich sende euch superviele warme Grüße aus dem bunten, schönen, traurigen, warmherzigen Mexiko.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Eure Franziska

___________________________________________

Blogeintrag #3

DSC_6478

¡Feliz navidad!

Auch in Mexiko weihnachtet es sehr. Auf dem Bild oben bin ich in meinem von Nonnen geführten Studentenwohnheim zu sehen. Die „residencia“ ist reichlich geschmückt, teilweise ein bisschen ungewohnt für den deutschen Geschmack. Die Grippe hinter mit auf dem Bild beispielsweise spielt pausenlos Weihnachtslieder und funkelt in allen möglichen Farben.

Aber egal, Weihnachten ist Weihnachten und der Mittelpunkt, der Sinn des Festes ist natürlich auch hier, in dem sehr katholisch geprägten Land  stark zu spüren: die Geburt Jesus, die Geburt eines Menschen, der für mich persönlich allen voran eines symbolisiert: Liebe, Mitmenschlichkeit, Agape, die Liebe, die kein Zurück erfordert.

DSC_6807

Auf diesem Bild ist ein Schüler der Ciudad de los Ninios zu sehen. Er ist 11 Jahre alt und geht in die 5. Klasse der Primaria. Ich stehe ihm relativ nahe, ich glaube er weiß, dass ich immer ein offenes Ohr für ihn habe.

Neulich hatte ich Geburtstag, eine Freundin hatte mir dazu ein Armband geschenkt. Am nächsten Tag saßen wir in der Schulpause unter einem großem Baum zusammen und ihm fiel sofort mein neues Armband auf. Er fragte mich, woher ich das habe, worauf ich meinte, das sei ein Geburtstagsgeschenk einer Freundin gewesen. Er machte daraufhin ein trauriges Gesicht und murmelte eher in sich hinein, er habe seit 3 Jahren keine Geschenke mehr bekommen, weder zu seinem Geburtstag, noch zu Weihnachten. Ich meinte daraufhin, wieso? Ich dachte, es sei eventuell irgendeine Art der Bestrafung der Eltern oder dergleichen. Er antwortete mir, da sie einfach kein Geld zu Hause hätten.

Auf dem Bild oben ist Francisco zu sehen mit seinen Weihnachtsgeschenken. Den „Schenker“ kennt er nicht, verschiedene Familien haben der Ciudad de los Niños in einer Spendenaktion Geschenke für die Kinder zukommen lassen.

Was für eine gute Sache!

 

DSC_6806

Am letzten Schultag haben wir eine kleine Weihnachtsfeier gemacht. Auf dem Bild oben durfte jedes Kind vorgehen und sich unter Applaus sein Weihnachtsgeschenk abholen!

DSC_6812

Natürlich durfte eine Piñata nicht fehlen ;)!

Das ist ein mit Süßigkeiten gefüllter Behälter aus Pappe, der von oben hin und herbewegt wird. Den Kindern werden die Augen verbunden und sie müssen versuchen innerhalb einer Liedstrophe eines dazugehörigen Liedes, die Piñata mit einem Stock so zu schlagen, dass die Pappe aufbricht und die Süßigkeiten herausfallen.

Ich habe das auch schon versucht, das ist echt nicht einfach! Man wird davor nämlich auch noch ein paar Mal herumgedreht und verliert so komplett die Orientierung. Für die Herumstehenden dagegen ist das Spektakel einer Franzi, die mit einem Stock wild um sich schlägt natürlich superlustig 😉

DSC_6770

Hier bin ich nochmal mit Francisco zu sehen und mit Caesar, beide sind „Medianos“, wohnen im Schlafsaal der 10-12 jährigen Kinder.

DSC_6792

Hier haben Kinder in der Pause aus Erde und Wasser eine kleine Hütte gebaut! Mit wie wenig man Kinder doch glücklich machen kann.

DSC_6799

Auf diesem Bild bin ich zu sehen mit vier Kindern von den „Chicos A“, der 8-10 Jährigen. Sie heißen Damian, Brian, Alejandro und Brandom. Sie alle haben eine unglaubliche Geschichte hinter sich. Ich finde, man könnte über fast jeden Jungen der Ciudad de los Niños einen Film drehen. Sie haben schon so viele schreckliche, unglaubliche Sachen miterlebt und sind doch so stark. Ich habe sie schon ganz tief in mein Herz geschlossen und schenke ihnen jeden Tag alle meine Liebe.

IMG-20151213-WA0041 IMG-20151215-WA0066IMG-20151215-WA0068

Inzwischen gebe ich Klavierunterricht in der Ciudad de los Niños. Ich habe 8 Klavierschüler, von 8-18 Jahren. Auf dem Bild bin ich mit Angél Gabriel zu sehen, er ist supersuper motiviert und das Unterrichten macht mir sehr viel Spaß.

Ich erhoffe mir, mit diesem Projekt nicht nur kognitive Prozesse der Kinder anzuregen (Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis), sondern sie auch emotional zu bewegen. Ich unterrichte alle Kinder einzeln. In dieser Zeit schenke ich ihnen meine völlige Auferksamkeit und Zuneigung. Auf dem Weg zum Klaviersaal (ich hole alle Kinder einzeln von ihren Schlafsälen ab), rede ich mit den Kindern auch immer über ihre Probleme. Auch denke ich, dass ich die Kinder ein kleines bisschen stolz mache. Sie gehen am Wochenende zurück in ihre Elendsviertel und erzählen dort, dass sie Klavier spielen können.

Das Feedback der Kinder ist auch grandios. Sie sind ausnahmslos alle top dabei, mich fragen jeden Tag auch ein Haufen anderer Kinder, wann ich sie mit zum Klavierunterricht nehme. Ich hoffe, dass ich nach den Weihnachtsferien mehr Kinder unterrichten kann.

IMG-20151216-WA0018

 

So, das wars wieder von mir!

Wie ihr sehen könnt, geht es mir sehr gut.

Nach einem Hurricane, einem kleinen Erdbeben, zwei Lebensmittelvergiftungen, hunderten Sprachbarriern und dem kleinen alltäglichen mexikanischen Chaos kann ich sagen, dass man wirklich an den Aufgaben wächst.

Und so kitschig es klingt: Man sollte immer an seinen Ideen, Träumen, Vorstellungen festhalten. Wir sind eine Welt, jeder kann seinen noch so kleinen Beitrag dazu leisten.

 

Ich wünsche euch frooohe Weihnachten,

eure Franzi.

IMG-20151214-WA0015

 

 

 

___________________________________________

Blogeintrag #2

2 ½ Wochen sind Steffi und ich nun in Guadalajara, vom Gefühl her sind wir aber schon länger da.

Haben wir uns „eingelebt“? Ich finde, das ist ein schwieriges Wort. Ich erkenne langsam schon eine gewisse Routine im Ablauf meines Alltags, mir ist z.B. mein täglicher Arbeitsweg quer durch die Millionenmetropole nun bekannt, ich bin daran gewöhnt, dass es zu jedem Essen Tortilla am Tellerrand gibt, ich erkenne Muster in den Geschichten der Jungen meiner Schule.

Aber eingelebt? Es gibt immer noch so viele neue Dinge zu sehen, zu bestaunen. Beispielsweise wenn bei einem Spaziergang abends auf einmal ein Mädchen auf einem Pony vorbeireitet. Polizisten, die in voller Montur und Sonnenbrille bei 130 km/h auf der Autobahn lässig auf der Ladefläche eines Pick-Ups stehen und sich nur ein wenig am Riemen festhalten. Die gekochte Gesichtshaut eines Schweines (inklusive Ohren) in einem riesen, riieesen Kochtopf für die ganze Familie und Großfamilie. Hühner auf Balkonen, Menschen die über den Preis eines Hahnes auf der Straße verhandeln. Ein vorbeifahrender Roller, auf dem irgendwie die ganze Familie (4 Personen) Platz findet.

Und Kinderkreuze in einem Elendsviertel. Auf letzteres möchte ich genauer eingehen.

Nachdem ich vorletzte Woche ein paar Tage mit den Lehrern der Ciudad de los Ninios den Unterricht vorbereitet habe, nahm mich der Pater und stellvertretender Direktor zu meinem ersten Hausbesuch zu einem 8-jährigen Jungen mit.

Hier ist es so üblich, dass man jeden Jungen, der das Internat besuchen möchte, vorab einmal zu Hause besucht. Nicht nur, um sich einen Überblick über die Wohnverhältnisse zu machen, sondern auch um einen ersten, persönlichen Kontakt zum Jungen herzustellen, was vielleicht auch sein Gefühl der Vertrautheit zu der Einrichtung vergrößert.

Wir fuhren zu viert in einem alten, weißen Lieferwagen: der Pater, ein Sozialpsychologe, ein Sozialarbeiter und ich.

Ich saß hinten und da die anderen viel zu besprechen hatten (und das auf sehr schnellem, undeutlichem Spanisch), sah ich viel aus dem Fenster und sah mir die Gegend an.

CIMG0111 DSC_5254

Wir fuhren auf dem fünfspurigen Highway hinaus aus der Stadt. Nach einiger Zeit verließen wir ihn und fuhren weiter auf Landstraßen, die Gegend sah nun nicht mehr so schön aus. Wir fuhren vorbei an Schrottplätzen, Stripclubs und selbstgemauerten Häusern mit Wellblechdächern.

Auch die Landstraße verließen wir bald und fuhren auf einer Straße mit metergroßen Asphaltlöchern. Der Wagen hatte glaube ich fast keine Stoßdämpfer mehr, so wurden wir alle paar Meter ordentlich durchgerüttelt.

DSC_5256CIMG0056

Nach einem Feldweg waren wir dann in dem abgelegenen Dorf eines zukünftigen Schützlings angelangt.

Überall liefen dreckige Straßenhunde rum, Katzen, Hühner, Müll lag rum.

Dann klopften wir bei José. Erst nach einigen Minuten machte er auf, er habe noch geschlafen. Seine Eltern seien arbeiten, er wisse aber nicht wo, bzw. was sie arbeiteten. Er schien ziemlich nervös, wollte das aber verdecken durch stetes Spiel mit dem Türschloss und mit einer heruntergekommenen Katze. Blickkontakt konnte er keinen halten.

Nachdem wir circa eine halbe Stunde mit ihm geplaudert hatten und nun einigermaßen ein Bild seiner Lebenssituation hatten, verabschiedeten uns wieder und machten uns auf den Weg zurück nach Zapopan ins Internat.

Auf dem Weg heraus aus dem Dorf fiel mir ein weißes Holzkreuz zwischen zwei Häusern auf. Ich fragte den Pater danach und er meinte, das sei ein Kreuz für ein Kind, das ermordet wurde. Wahrscheinlich bei einer Bandenschiesserei oder dergleichen.

Auf dem weißen Holzkreuz stand neben dem Namen des Jungen auch ein Datum: er war erst 2006 geboren worden.

Mich nahm das für einen Moment ziemlich mit. Auf der Fahrt bis zum Highway sah ich noch mindestens 5 dieser Kreuze, alle von Kindern.

Erst jetzt wurde mir bewusst, in welch gefährlichen Gegend wir gerade gewesen waren. Der Pater meinte zu mir, ich hätte aus drei Gründen nie alleine in dieses Dorf gekonnt:

  1. Ich kenne niemanden aus diesem Dorf. Ohne Begleitung dort herumzugehen, wäre sehr gefährlich.
  2. Ich bin weiß.
  3. Ich bin eine Frau.

Als wir nach einer halben Stunde wieder in der Gegend des Internats ankamen, bekam ich Gänsehaut. Die Gegend dort kam mir auf einmal viel größer, heller, großzügiger vor. Allein dass es eine asphaltierte Straße gab! Und dann noch mit frisch gemähten, grünen Rasen und Palmen am Straßenrand!

Ich hatte immer noch ein komisches Gefühl in der Magengegend bei dem Gedanken, wo der Junge gerade wohnte. Andererseits freute ich mich, dass er ab kommenden Sonntag an einem besseren Ort sein würde.

So stieg ich auch voller Elan montags in meine Arbeit mit den Kindern ein.

In Deutschland habe ich den Bachelor in Psychologie gemacht, damit dürfte ich in Kliniken nicht sehr viel eigenverantwortlich machen. Hier ist es so, dass eine Psychologin für 104 Kinder zuständig ist, sehr viele davon sind psychologisch auffällig. Das heißt, es gibt einen krassen Personalmangel. Deshalb hat mich der Direktor der Schule gefragt, ob ich nicht neben meiner psychologischen Arbeit morgens auch am Nachmittag dienstags, mittwochs und donnerstags für 1-2 Stunden eine Art „Gruppentherapie“ mit jeweils rund 10 Jungs machen könnte. Was genau ich an Aktivitäten darin machen möchte, sei mir überlassen.

Ich habe schon an einer Klinik in Deutschland ein paar Monate Entspannungstherapie mit Erwachsenen geleitet, das habe ich nun auch bei den Jungs vor. Mal sehen, wenn mein Spanisch in einiger Zeit besser ist, überlege ich mir noch Projekte, wie die Jungs lernen können, besser mit Frustration im Alltag klarzukommen.

Denn von physischen Problemen abgesehen haben einige Aggressionsstörungen, viele Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprobleme. Manche haben Tendenzen zu Depression, Persönlichkeitsstörungen sowie Sexualstörungen, und das in ihren jungen Jahren. Ich arbeite nur mit den 8 – 12 jährigen zusammen.

Ich habe inzwischen mindestens 60 Biografien von den Jungen gelesen, im Folgenden möchte ich mal ein „typisches“ Profil eines Schülers meiner Schule vorstellen.

Die Mutter (aus ärmlichen, ungebildeten Verhältnissen) lernt mit 14, 15 Jahren einen Jungen kennen, sie verlieben sich. Bald ziehen sie zusammen und sie wird ungewollt schwanger (ca. mit 16 Jahren, es gibt aber auch Fälle, wo die Mutter mit 12 schwanger wird..). Sie bekommt das Kind, es geht ein paar Monate gut. Dann beginnt ihr Mann sie zu schlagen, dann auch das Kind / Baby. Sie erträgt das einige Zeit, dann trennt sie sich von ihm. Sie hat bald einen neuen Mann, wird von diesem wiederum schwanger. Es geht wieder einige Zeit gut, bis dieser sie entweder wieder schlägt und / oder alkohol-, drogenabhängig wird und deshalb kein Geld für Nahrung nach Hause bringt. Daraufhin trennt sie sich wiederum von ihrem Partner, was einen neuen Kreislauf mit sich bringt.

Allgemein ist es oft so, dass der neue Partner der Mutter ihr Kind nicht akzeptiert, beziehungsweise nicht einsehen möchte, dass die Mutter einmal einen Mann vor ihm hatte.

90% der Jungen meiner Schule sind sexuell vergewaltigt. Oft vom Stiefvater. Diese sind meistens nichtmals pädophil, sondern vergewaltigen die Kleinen um Macht über sie zu demonstrieren, sie Demut spüren zu lassen.

Ich könnte einfach kotzen bei dem Gedanken, dass irgendjemand meinen kleinen Jungs die mir gerade mal bis zur Hüfte gehen und so gerne ihre kleinen Kinderarme um meinen Bauch schlingen, so etwas Ekliges angetan hat.

Umso mehr interessiert mich der Hintergrund der Familien. Sie sind ausnahmslos alle arm, die Wohnverhältnisse sind total chaotisch. Ich kenne Jungs, die mit 13 Personen in einer kleinen Wohnung / Behausung wohnen. Viele haben kein eigenes Bett. In Mexiko gibt es kein Kindergeld wie in Deutschland, außerdem kostet zur Schule gehen in der Regel Geld. Das heißt die Kinder verbringen stattdessen viel Zeit auf der Straße. Viele Jungs kennen ihren Papa nicht, manche Mamas oder Paps sind drogenabhängig, rauben Häuser und Menschen aus, um an „Stoff“ zu kommen. Geld für das Essen der Kinder bleibt da nicht mehr übrig. Das heißt, viele Kinder müssen das Geld für ihr Essen irgendwie selber verdienen, sei es durch betteln, Straßenmusik oder den Verkauf von Drogen.

Genau hier versucht die Ciudad de los Ninios den Kreislauf des Elends, der Armut zu durchbrechen. Mit Fürsorge als Antwort. Mit Stabilität und Bildung für die Chance auf ein geregeltes Leben später.

DSC_5296DSC_5299
DSC_5301

DSC_5311

Besonders berührt hat mich auch die Antwort eines Kindes auf meine Frage, wieso seine Eltern es auf die Ciudad de los Ninios schicken möchten.

Er überlegte kurz und meinte dann: „Porque aquí te duermes“,

„Weil man hier schlafen kann.“


Blogeintrag #1

5:52, Nacht, Guadalajara. Ich sitze in meinem Wohnheimzimmer am Schreibtisch weil ich nicht mehr schlafen kann. Von draußen tönt neben einer Polizeisirene das Geräusch eines Generators, Autos fahren vorbei.  In ihnen: Mexikaner.

Ich bin echt in Mexiko!! Nach einem knappen dreiviertel Jahr der Vorbereitung fängt mein Jahr als Jesuit Volunteer an. Ein Jahr anders leben, ein Jahr mit Menschen am Rande der Gesellschaft teilen.

Genau das wollte ich schon seit ich mit 15 Jahren zum ersten Mal im Rahmen eines internationalen Orchesters der Jesuitenmission mit Jungendlichen aus verschiedenen Musikprojekten der Jesuiten rund um den Globus in Kontakt kam. Ich bin mir bewusst, in welchem Wohlstand man in Deutschland lebt. Zumindest meine ich das, ich kenne ja nichts anderes.

So habe ich im Oktober letzten Jahres eine ca. 11-seitige Bewerbung an die Jesuitenmission geschickt. In ihr: viel Persönliches über mich, beispielsweise der Umgang mit Extremsituationen. Ich kann mir vorstellen, dass die Jesuitenmission nach diesen 11 Seiten mehr über mich wussten als Menschen, die mit mir eigentlich tagtäglich zu tun haben.

Darauf folgte die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Anscheinend hatte meine Bewerbung der Jesuitenmission gefallen! Juhu! In dem Gespräch wurden wiederum sehr „private“ Dinge abgefragt. Trotzdem war mir die Dame, die das Gespräch leitete von Anfang an mega sympathisch.

Nach ein paar Wochen folgte auf das Gespräch eine Zusage. Ich war nun im Jesuit Volunteer Programm drin und wurde zu einem ersten Orientierungsseminar eingeladen.

Mit den Menschen, die ich dort traf, verstand ich mich von Anfang an außergewöhnlich gut.

Über das Jahr verteilt, fanden insgesamt noch ca. 20 Tage solcher Seminare statt. Stets ca. 2- 5 Tage, wir waren immer in sogenannten „Kaffs“ untergebracht, was aber sehr gut war für das Besinnen auf die Dinge, die wirklich wichtig waren, sowie den Gruppenzusammenhalt. Im Rahmen der Seminare setzten wir uns mit Themen wie sozialer Ungerechtigkeit, Armut, Not und Mangel auseinander. Auch wurde ein Schwerpunkt auf den religiösen Aspekt gelegt: So legten wir etwa einen „Schweigetag“ ein im Rahmen der ignatianischen Spiritualität. Man glaubt gar nicht, wie laut die innere Stimme ist, wenn plötzlich alles andere leise ist.

Ein anderer Höhepunkt der Vorbereitungszeit waren die „Praxistage“. So sollten wir beispielsweise am eigenen Leib erfahren, was es heißt arm zu sein. Wir bekamen für unser Mittagessen einen sehr kleinen Betrag an Geld ausgehändigt, von dem man sich praktisch nichts kaufen konnte. Außerdem bekamen wir einen Briefumschlag mit einer Aufgabe. Meine war, mich vor eine Kirche zu stellen und um Geld zu beten. Diese Situation war sehr eindrucksvoll für mich, ich habe mich total geschämt. Vielleicht bin ich aber durch diese Erfahrung ein Stück näher gerückt an das Gefühl, arm, mittellos zu sein. Sozial ausgegrenzt.

In den vergangenen Monaten ist die Gruppe der ausgewählten Volunteers (ca. 23) dann zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Jeder hat gleiche Ideen im Kopf und ist nun auf verschiedene Einsatzstellen verteilt: Sie reichen über Osteuropa (Bosnien, Rumänien), Asien (Indien, Philippinen), Afrika (Zimbabwe, Tanzania, Kenia), bis zu Lateinamerika (Dominikanische Republik, Peru, Mexiko).

Die Zuordnung der Länder zu den Volunteers erfolgte übrigens nach deren Profil. Die Idee dahinter ist, dass nicht nur stereotyp beispielsweise in Afrika Armut herrscht. Nein, man kann ebenso in Deutschlands osteuropäischen Nachbarländern Not und Mangel begegnen.

In einem genauso wunderschönen wie seltsam traurigen Abschiedsgottesdienst feierten wir dann Juni unseren Einzug in den Einsatz.

Die Zeit danach verging für mich wie im Flug. Es gab eine schier unendlich lange Liste an Dingen zu erledigen: Bachelorarbeit zu Ende schreiben, letzte Klausuren bewältigen, eine Zimmerauflösung meines Studenten-WG-Zimmers (man glaubt gar nicht, wieviele Sachen man hat..!), ein Gespräch mit dem Generalkonsulat in Frankfurt für das Visum absolvieren, letzte Impfungen, Packen (23 Kg für ein Jahr!!) und die Verabschiedung von so vielen Menschen, die mir so wichtig sind.

Das war ein krasser Moment: Am Flughafen in München: links meine Eltern und mein lieber Freund, rechts die Schlange zum Security Check und der Beginn eines neuen Lebens.

Der andere bedeutsame Moment für mich war die Ankunft in Mexiko nach einem 11 Stunden Flug. Ich hatte zwar schon so oft Leuten von meinem Vorhaben erzählt und war mir dessen natürlich irgendwie bewusst, aber als wir dann mit dem Flugzeug über die Landebahn in Mexiko rollten und der Bildschirm vor uns uns anzeigte, wo auf dieser großen Welt wir uns nun befanden, war das schon groß.

DSC_5087

In Guadalajara wurden wir dann von unsrem Mentor abgeholt, Armando. Er ist Professor für Psychologie an der Universität hier und engagiert sich freiwillig als Mentor für die Volunteers von Jesuit Volunteers.DSC_5102

Es folgte eine sehr nette, aber auch anstrengende Autofahrt zu dem Studentenwohnheim von mir und Steffi, meiner Mitfreiwilligen. Wir waren einfach total fertig, inzwischen waren wir schon ungefähr 23 Stunden auf den Beinen, in Deutschland wäre es auch schon mitten in der Nacht. Und nun sollten wir auch auf einmal Spanisch sprechen!! Wir waren so dermaßen schlecht, das war ziemlich unerträglich. Zum Glück konnten wir aber gemeinsam darüber lachen. Das Vorstellen klappte schon so ungefähr, aber Armando musste alles ungefähr drei mal wiederholen bis wir es verstanden hatten (oder auch nicht, und nur so taten als ob und nickten in der Hoffnung, es sei keine Frage gewesen).

Wir fuhren im Sonnenuntergang durch die riesengroße Stadt Guadalajara (circa 5 Millionen Einwohner!). Vorbei an riesigen Werbetafeln, die irgendwas auf Spanisch anpriesen, Ladewagen mit Arbeitern, die einfach auf der Ladefläche lagen (natürlich unangeschnallt) und Straßenverkäufern die Süßigkeiten und Getränke verkauften. Wir standen kurz an der Ampel und sofort kamen Kinder, die mit einem Bauchladen Essen verkaufen wollten. Es waren unbeschreiblich viele neue Eindrücke auf einen Schlag.

CIMG0014

Angekommen im Studentenwohnheim, in dem nur Mädchen wohnen und das von Schwestern („hermanas“) geleitet wird, wurden wir sofort stürmisch begrüßt. Unsere Koffer wurden von Mädchen die dort wohnen in unser Zimmer getragen und sie bestanden sogar darauf, unser Bett zu überziehen. Danach gab es Abendessen (gegen 20:30, die Mexikaner essen etwas später als die Deutschen). Wir waren als neue, und vorallem weiße, große Deutschen die Hauptattraktion. Alle sahen uns an und fragten woher wir kämen. Vorgestellt hatten sich an diesem Abend sicher insgesamt 20 Mädchen und Schwestern, merken konnte ich mir vielleicht 3. Ich hoffe, das wird noch besser in den nächsten Tagen! Das Problem dabei ist, dass jeden Tag noch mehr Menschen dazu kommen und man keinen sprachlichen Anhaltspunkt zum Merken der Namen hat (ein Mann den wir hier kennenlernten heißt beispielsweise Habacuc). Auch sehen für mich die Mexikanerinnen ähnlich aus, die meisten sind gleich groß, dunkelhaarig und –äugig und natürlich meega herzlich.

Alle die wir bis jetzt getroffen haben sind wirklich überaus nett. Sie haben uns gleich in die Gemeinschaft integriert und kommen auf uns zu. Es ist eine „familia“. Vorgestern nahmen uns Mädchen beispielsweise mit zu einer traditionellen Tanzaufführung. Neben Maharachi-Sängern traten auch indigene Volkstanzgruppen auf, das war wunderschön.

DSC_5144

Danach hatten Steffi und ich unseren ersten „Horchata“, ein Getränk aus Wasser, Reis und Zimt. Unglaublich lecker! Das wird nicht der letzte gewesen sein 😉

Gestern zeigte uns unser Mentor Armando und seine Tochter Paolina dann ein bisschen die Stadt. Jeden Sonntag ist eine große Straße in Guadalajara für Autos gesperrt. Auf 11 km kann man dann zu Fuß, auf dem Rad oder wie man möchte Verkehrsfreiheit genießen. Das gefällt mir an der Stadt: obwohl sie richtig riesig und scheinbar unübersichtlich ist wie jede andere Großstadt (viel Gehupe, überall Menschen, Autos, Gedränge, Lärm..) ist es jedoch auch eine grüne Stadt. Es gibt viele Parks zur Erholung, Kunstfestivals über die Stadt verteilt und Projekte wie das oben beschriebene. Ich freue mich schon sehr darauf, Guadalajara noch besser kennenzulernen.

CIMG0025                          CIMG0031

DSC_5156

Heute war ein besonderer Tag: Ich war zum ersten Mal in meiner zukünftigen Arbeitsstelle, Ciudad de los Ninios. Dorthin nahm ich zum ersten Mal alleine einen „Camión“, einen Bus. Das geht in Mexiko so: soweit ich verstanden habe gibt es nur ein paar offizielle Busstationen, meistens stellt man sich einfach an eine Straßenecke und streckt den Arm aus, wenn man möchte, dass der Bus hält. Buspläne gibt es keine, das heißt man stellt sich einfach hin und wartet.

CIMG0038                             CIMG0013

Beim Einsteigen ist mir aufgefallen, dass die Männer den Frauen den Vortritt lassen, ich denke die Geschlechterrollen sind hier ein wenig stärker verteilt. Beispielsweise ist Küche und Haushalt noch Frauensache.

DSC_5131

Angekommen in der Ciudad de los Ninios, wurde ich sehr herzlich begrüßt. Zurzeit sind noch keine Kinder da, doch die Lehrer treffen sich jeden Tag zur „preparación“, zur Vorbereitung. Heute haben sie zum Beispiel diskutiert, was man mit Kindern macht, die krank nach den Ferien wiederkehren. Das Problem hierbei ist, dass alle Kinder aus schweren Elternhäusern kommen. Manche Eltern der Kinder haben selber gar keine Schule besucht. Manche haben gar keine Eltern mehr, andere werden geschlagen, psychisch oder sexuell misshandelt. Andere bekommen gar kein Essen zu Hause und müssen beispielsweise als Drogenkuriere arbeiten.

Das Internat wird von Jesuiten geleitet und ist durch Spenden finanziert. Es ist sehr wichtig, dass es so einen Ort gibt hier. Mir wird mehr und mehr klar, dass eine liebevolle Umgebung und Bildung einfach der Schlüsse ist zu so vielem.

CIMG0044                           CIMG0041

Mir wurde gesagt, dass die Kinder hier ganz anders sein werden als die Kinder, mit denen ich bisher zu tun gehabt habe. Sie seien ihrem Alter weit voraus, da sie sehr früh erwachsen werden mussten.

Ab kommenden Montag werde ich mit den Kindern arbeiten,  gemeinsam mit einer Psychologin mit Jungen von acht bis zwölf Jahren. Ich bin sehr gespannt auf meine Arbeit!

Hasta pronto,

Franziska


Advertisements

Ein Kommentar

  1. Hallo Franziska.

    Ich heiße Theresa, bin im letzten semester meines Psychologie- Studiums (Bachelor) und mein Freund musste nun für 3 Jahre beruflich nach Mexiko/ Puebla. Heute ist der 2. Tag an dem er weg ist und ja, es schmerzt. Ich hab nun vor nach meinem Bachelor zu ihm zu kommen und eine Pause bis zum Master hin einzulegen. Ich möchte meine Zeit allerdings auch sinnvoll verbringen und am liebsten im bereich der Psychologie arbeiten. Mein spanisch ist sehr gut, ich hab 2 Jahre in Argentinien gelebt und mein abitur auf spanisch gemacht.
    Wie hast du Kontakt zu den Psychologen bekommen? Ich finde es überaus schwer über Google da etwas herauszufinden und bin dankbar über jeden Tipp eventuell sogar Kontakt, den du für mich parat hättest. Ich hoffe, du liest dies hier überhaupt! Aber dein Blog scheint mir etwas Licht ins Dunkle zu geben und ich würde mich überaus über eine Antwort freuen. Danke dir, liebe Grüße,
    Theresa

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s